KUS (Kinder-Umwelt-Survey)

Auszüge aus dem Original: 

Bundesgesundheitsblatt Band 47 Heft 11. November 2004, S. 1066-1077

www.umweltbundesamt.de

Der Kinder-Umwelt-Survey ist an den Kinder und Jugend Gesundheitssurvey angebunden und wurde vom Umweltbundesamt durchgeführt. Seit Mai 2003 wurden in einem Zeitraum von 3 Jahren 1.790 Kinder zwischen 3 und 14 Jahren aus 150 Erhebungsorten in Deutschland auf Umweltbelastungen untersucht. Diese Teilnehmer stellen eine Teilstichprobe aus dem KIGGS dar. Da die Untersuchungen und Befragungen im Rahmen der KiGGS-Studie stattfanden, mussten die Kinder z.B. die Blutabnahme nicht mehrfach machen lassen.

Ziel des KUS war es, Daten zur Belastung der Kinder mit Umweltschadstoffen und Lärm zu erheben. Da Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren auch im Umwelt-Survey 1990/92 untersucht wurden, lassen sich für diese Altersgruppe auch zeitliche Trends—und damit der mögliche Erfolg umweltpolitischer Maßnahmen - erfassen.

Wichtige Themen des KUS waren unter anderem:

  • Sensibilisierung gegenüber Innenraumallergenen (Schimmelpilzsporen, Hausstaubmilbenexkremente und an Tierhaare anhaftende Allergene)
  • Kontaktallergien durch Nickel, Chrom und Duftstoffe
  • Hörschäden, Stress und Schlafstörungen durch Lärm
  • Reizungen der Augen und des Atemtraktes durch flüchtige organische Verbindungen

Neben der Messung von Fremd- und Schadstoffen in Blut-, Urin-, Innenraumluft-, Hausstaub-  und Trinkwasserproben, führten die Wissenschaftler Schallpegelmessungen, Hörtests und Befragungen durch. Abgefragt werden Daten zur Sozialdemographie, zum Wohnumfeld, zur Wohnungsausstattung, zu Aufenthaltsorten, Passivrauchen, Ernährung, Krankheiten, Musikhörgewohnheiten u.a.

Mit den ersten Ergebnissen des KIGGS wurden auch erste Ergebnisse des KUS veröffentlicht:

Schadstoffe im Blut

Bei den zwischen 2003 und 2006 untersuchten Kindern fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deutlich geringere Belastungen mit Blei, Quecksilber, PAH und PCP (Polychlorierte Biphenyle) als 1990/92. Vergleichbar niedrige Bleiwerte in Blut wurden nur in Schweden gemessen.
PCB im Blut sind - im Vergleich zu nicht gestillten - bei den 13-14 jährigen immer noch deutlich höher bei gestillten Kindern – .

Die Passivrauchbelastung  von Kindern

Die Belastung der Kinder durch das Passivrauchen ist dem KUS zufolge hingegen seit 1990/92 nicht gesunken, sondern eher gestiegen. Etwa 50 Prozent der Heranwachsenden leben demnach zurzeit in Haushalten mit mindestens einer rauchenden Person. Die Menge an Cotinin – einem Abbauprodukt des Nikotins – im Urin deutet darauf hin, dass die Kinder heute sogar stärker durch Passivrauchen belastet sind als früher.

Sensibilisierung gegenüber Schimmelpilzen

Die Teilnehmer des KUS wurden auch auf Sensibilisierungen gegenüber bestimmten Substanzen getestet, unter anderem gegenüber bestimmten Schimmelpilzen, die hauptsächlich in Innenräumen vorkommen und die in den routinemäßig eingesetzten Allergietests nicht erfasst werden. Das Ergebnis: Rund zehn Prozent der getesteten Kinder sind gegenüber mindestens einem der untersuchten Schimmelpilze sensibilisiert, das heißt sie haben Kontakt mit den Schimmelpilzen gehabt und eine immunologische Reaktion auf sie gezeigt.

Hörverlust bei Heranwachsenden

Bereits 13% der 8-14jährigen (also Kinder und Jugendliche vor dem Disco-Alter) haben einen Hörverlust von mehr als 20 Dezibel. (mindestens in einer Frequenz auf mindestens einem Ohr), 2,4% von mehr als 30 Dezibel.

Zwar wurden im Umwelt-Survey aus dem Jahr 1990/92 auch Kinder berücksichtigt, der KUS ist jedoch die erste Studie, die die Auswirkungen von Umweltfaktoren speziell auf Kinder untersucht. Die Anbindung an den KiGGS macht es möglich, die Ressourcen der „großen Studie“ sinnvoll zu nutzen. Das gilt zum einen für die Datenerhebung (Vermeidung von Doppelarbeit), aber auch für die Aussagekraft der Ergebnisse, die durch die Zusammenführung beider Studien erhöht wird. Die Stichprobe des KUS ist zufällig ausgewählt und sehr breit gefächert, sodass der KUS als repräsentativ gelten kann.

Da der KUS zudem noch von renommierten Instituten (RKI und Umweltbundesamt) durchgeführt wurde und über eine interne und externe Qualitätskontrolle verfügt, können die Ergebnisse als sehr zuverlässig angesehen werden.

Veröffentlicht: 26. April 2007 - 0:00 Uhr