Allergieprävention: Neues zur Hygiene-Hypothese?

Kinder, die auf dem Bauernhof aufwachsen, haben der Hygiene-Hypothese zufolge ein geringeres Asthma- und Allergierisiko.

Kinder, die auf dem Bauernhof aufwachsen, haben der Hygiene-Hypothese zufolge ein geringeres Asthma- und Allergierisiko. © S. Hofschlaeger / pixelio.de.

Seit langem bereits gehen Allergologen davon aus, dass Kinder, die aufgrund ihrer zunehmend "sterilen Lebensräume" mit immer weniger Antigenen konfrontiert sind, ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Asthma und Allergien aufweisen.

Eine aktuelle Studie, die in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift New England Journal of Medicine erschienen ist, liefert nun eine weitere Bestätigung für diese "Hygiene-Hypothese".

Es wurden Ursachen für das deutlich unterschiedliche Asthmarisiko der Kinder zweier besonderer Bevölkerungsgruppen in den USA, den Amish People und den Hutterern untersucht.

Kinder der Hutterer leiden 4-6 mal so häufig an Asthma wie Kinder der Amish. Diese beiden Bevölkerungsgruppen sind sich bzgl. der Isolation und geringen Durchmischung mit der amerikanischen Bevölkerung und in ihrer von Landwirtschaft geprägten Lebensweise sehr ähnlich, unterscheiden sich aber deutlich in der Art der Tierhaltung. Während die Amish People traditionelle Höfe bewirtschaften, betreiben die Hutterer hochindustrialisierte landwirtschaftliche Betriebe.

In der Studie wurden Umweltfaktoren, Immunsystemkomponenten und genetische Marker untersucht.

Es zeigten sich entscheidende Unterschiede in der Menge der Bakterienzellwandbestandteile im Hausstaub und der Aktivierung und Ausprägung von Immunzellen. Im Mausmodell konnte gezeigt werden, dass die Empfindlichkeit des Bronchialsystems nur bei denjenigen Mäusen, die Kontakt mit dem Staub aus Amish-Haushalten hatten, unterdrückt werden konnte.

Diese Arbeit ist sicher interessant, bestätigt sie doch in weiteren Populationen erneut die Bedeutung des frühkindlichen Umfelds zur Immunstimulation und Prävention.

Leider lassen sich - wie so oft - noch keine im Alltag einer deutschen Familie umsetzbaren echten Präventionsstrategien daraus ableiten.

Studien der frühen Immunstimulation durch Bakterienzellwandbestandteile haben leider noch keine umsetzbare Ergebnisse für eine Asthmaprävention auf breiter Ebene gebracht.

Auch lässt sich die Massentierhaltung daraus nicht zur alleinigen Ursache für Asthma machen.

Die o.g. Studie bietet aber Anregungen für neue Forschungsansätze in diese Richtung.

Literatur: 

Michelle M. Stein et al: Innate Immunity and Asthma Risk in Amish and Hutterite Farm Children
N Engl J Med 2016;375:411-21. DOI: 10.1056/NEJMoa1508749

Veröffentlicht: 26. Oktober 2016 - 11:47 Uhr

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Grafik oben rechts (Kinder): © S. Hofschlaeger / pixelio.de.