Bisphenol A in Medizinprodukten: Ein Risiko?

Bisphenol A in Medizinprodukten: Ein Risiko?

© NicoLeHe / pixelio.de

Bisphenol A (BPA) wird für die Herstellung von Kunststoffen (wie z.B. Polycarbonat und Epoxidharzen) eingesetzt. Die größte Expositionsquelle sind Lebensmittel(-verpackungen). Aber auch zur Herstellung von Medizinprodukten wird BPA verwendet. 

Welche Medizinprodukte enthalten BPA? 

Unter Verwendung von BPA werden zahlreiche medizinische Produkte hergestellt:

  • Katheter
  • Implantate
  • Zahnmedizinische Produkte (z.B. Kleber)
  • Dichtmassen
  • Brutapparate für Frühgeborene
  • Blutwäschegeräte
  • Herz-Lungen-Maschinen
  • ...

Wie wird BPA vom Körper aufgenommen?

BPA wird im Magen-Darm-Trakt resorbiert, durch die Leber in eine wasserlösliche Verbindung ("Bisphenol A-Glucuronid, Bisphenol A-Sulfat") umgewandelt und rasch über die Niere ausgeschieden.

Bei der Aufnahme von BPA über Medizinprodukte (z.B. Katheter) ist die Umwandlung weniger effizient (Kein "First Pass-Effekt" in der Leber), allerdings erfolgt die Ausscheidung ebenfalls innerhalb kürzester Zeit, sodass sich BPA nicht im Körper ansammeln kann. 

Welche gesundheitlichen Risiken werden mit BPA in Verbindung gebracht?

BPA gehört zu den Stoffen mit hormonähnlicher (u. a. östrogenartiger) Wirkung im Tierversuch. Über die östrogene Wirkung beim Menschen wird in der Fachwelt kontrovers diskutiert.

Eine akute Giftigkeit besteht nicht. Nähere Informationen zu möglichen Gesundheitsrisiken von BPA finden sich hier.

Welcher Grenzwert gilt für BPA in Medizinprodukten?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) leitete im Januar 2015 eine zeitweilig erlaubte Tagesdosis (t-TDI) von 4μg pro kg Körpergewicht und Tag für BPA ab. Der wissenschaftliche Ausschuss SCENIHR der EU betrachtet diesen Wert auch als Grundlage zur Risikobewertung BPA-haltiger Medizinprodukte.

Gibt es Risiken durch die BPA-Verwendung in Medizinprodukten oder ist die Verwendung sicher?

Die BPA-Exposition über Medizinprodukte liegt deutlich unter dem TDI-Grenzwert und gilt daher als sicher. Zumal der TDI von einer täglichen, andauernden Exposition ausgeht und medizinische Produkte in der Regel nur über einen kurzen Zeitraum verwendet werden.

Die stärkste BPA-Exposition tritt natürlich dann auf, wenn längerfristige medizinische Behandlungen notwendig werden. Dieses ist zum Beispiel bei Dialyse-Patienten oder bei Frühgeborenen auf der Intensivstation der Fall.

„Auf Grundlage der verfügbaren Daten zieht der SCENIHR den Schluss, dass in solchen Fällen ein gewisses Risiko nachteiliger Wirkungen aus BPA bestehen könnte, da die Exposition den Grenzwert überschreitet und die exponierte Bevölkerung besonders empfindlich sein kann“ (Europäische Kommission – SCENIHR 2015).

Da BPA als Ausgangsmaterial für Medizinprodukte auf Kunststoffbasis derzeit kaum ersetzt werden kann, fällt die Nutzen-Risikoabschätzung zugunsten des Einsatzes von BPA aus. Gerade im Fall von Frühgeburten sind Brutapparate lebensnotwendig.

Gibt es Alternativen zu BPA bzw Polycarbonat in Medizinprodukten?

Es wird zurzeit an einer BPA-Alternative geforscht. Bisher konnte allerdings kein alternativer Kunststoff gefunden werden, welcher die gleichen positiven Gebrauchseigenschaften besitzt und zugleich keine bzw. wenige Nebenwirkungen aufweist.

Mehr Informationen rund um das Thema Bisphenol A gibt es auf Allum hier.

Literatur: 

European Commission - Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks (SCENIHR) (2015): The safety of the use of bisphenol A in medical devices URL: http://ec.europa.eu/health/scientific_committees/emerging/docs/scenihr_o_040.pdf (zuletzt aufgerufen im März 2015).

Europäische Kommission - SCENIHR (2015): Bisphenol A in Medizinprodukten. Ist eine BPA-Exposition bei der Anwendung von Medizinprodukten für Menschen sicher? URL: http://ec.europa.eu/health/scientific_committees/docs/citizens_bpa_de.pdf (zuletzt aufgerufen im März 2015).

Veröffentlicht: 9. März 2015 - 16:03 Uhr

Autor/en:

Bildquelle: 

© NicoLeHe / pixelio.de