Chronischer Fluglärm, Lesen und Lebensqualität bei Grundschulkindern

Chronischer Fluglärm, Lesen und Lebensqualität bei Grundschulkindern

In der Ende Oktober 2015 veröffentlichten NORAH-Studie („Noise-related annoyance, cognition, and health“) wurde untersucht, wie sich eine chronische Fluglärmbelastung auf Leseleistungen und die Lebensqualität von Kindern in der 2. Klassenstufe im Rhein-Main-Gebiet auswirkt.

Nun liegen die Ergebnisse vor: Sind Kinder am Schulstandort einer chronischen Fluglärmbelastung ausgesetzt, hat diese Einfluss auf die Leseleistungen (vor allem beim Wortverständnis und Textverständnis).

Die Wirkung nahm linear mit dem Fluglärmpegel zu. Eine zusätzliche Belastung von 10 dB schlug sich in einem Rückstand in der Leseentwicklung von ca. einem Monat nieder. Unklar ist noch, ob es zu einer langfristigen Verschlechterung der Leseleistung kommt. Dies müsste in einer Längsschnittstudie untersucht werden.

Im Vergleich mit anderen bedeutenden Einflussfaktoren auf das Lesen spielt der Faktor "Fluglärmbelastung" allerdings eine relativ geringe Rolle.

Statistisch signifikant ist der Einfluss des Fluglärms am Wohnort und Schulstandort auf die schulbezogene und gesundheitliche Lebensqualität der Grundschulkinder. Sie selbst beurteilen ihr Wohlbefinden und ihr Schlafverhalten als schlechter; das gilt auch für ihre Schul- und Lerneinstellung. Lehrkräfte berichteten in Befragungen von hohen Belastungen des Unterrichts durch den Fluglärm.

In der NORAH-Studie, die Wissenschaftler der TU Kaiserslautern und des Hörzentrums Oldenburg erarbeitet haben, wurden Leistungserhebungen in 85 Schulklassen aus 29 fluglärmbelasteten Grundschulen durchgeführt. Die Dauerschallpegel wurden über einen Zeitraum von 12 Monaten vor Beginn der Datenerhebung gemessen. Der Dauerschallpegel an Schulvormittagen lag im Mittel bei 49,5 dB (Median 50,6). Der Datensatz umfasste 1.243 Kinder, die zum Erhebungszeitraum (Februar 2012) in der 2. Klasse waren. Des Weiteren wurden Befragungen von Kindern, Eltern und Lehrern per Fragebogen durchgeführt.

Autoren der NORAH-Studie: Maria Klatte, Kirstin Bergström, Jan Spilski, Jochen Mayerl und Markus Meis. Quelle: www.laermstudie.de/ergebnisse/ergebnisse-kinderstudie/ueberblick/

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Veröffentlicht: 6. November 2015 - 12:47 Uhr

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