EFSA und BfR: Glyphosat nicht krebserzeugend!

EFSA und BfR: Glyphosat nicht krebserregend
© Petra Dirscherls / pixelio.de

Am 12. November 2015 machte eine Schlagzeile die Runde durch TV-, Print- und online-Medien: „Glyphosat ist wahrscheinlich nicht krebserzeugend – EFSA bestätigt Einschätzung des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung BfR“.

Der Pflanzenschutzmittelwirkstoff Glyphosat gehört zu den toxikologisch intensiv untersuchten Stoffen, was im Hinblick auf seinen breiten Einsatz auch verständlich ist. Gleichzeitig ist Glyphosat stark umstritten. Dazu haben nicht zuletzt die widersprüchlichen Stellungnahmen von nationalen und europäischen Behörden, die sich mit dem Thema Risikobewertung befassen, beigetragen.

Was war geschehen?  Wem kann der Verbraucher glauben und wie soll er sich denn nun verhalten?

Es geht um die Frage, ob Glyphosat beim Menschen krebserzeugend ist oder nicht.

Die Erstbewertung vieler Institutionen, darunter von einer Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation WHO  zur Bewertung von Pestizidrückständen (JMPR), lautete „nicht krebserzeugend“.

IARC

Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC), ebenfalls eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation, hat im März 2015 Glyphosat als "wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen" (Kanzerogen der Gruppe 2A ) eingestuft (IARC 2015). Nach Auffassung von IARC bestünde ein statistischer Zusammenhang zwischen einer Glyphosatexposition und einem erhöhten Risiko für bestimmte bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems und der Haut.

EFSA und BfR im November 2015

Nun haben am 12.11.2015 die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA und weitere Fachleute aus den europäischen Mitgliedsstaaten Ergebnisse eines umfassenden Berichts mitgeteilt, den das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung erarbeitet und vorgelegt hatte. Demnach bestätigen die euopäischen Experten mehrheitlich die BfR-Einschätzung, wonach „beim Menschen bei einer sachgerechten Anwendung in der Landwirtschaft keine krebserzeugenden, erbgutverändernden oder entwicklungsschädigenden Risiken von Glyphosat zu erwarten sind“ (BfR 2015).  In diesem Bericht sind auch Erkenntnisse aus der IARC-Klassifizierung berücksichtigt worden.

Wie kommen solch unterschiedliche Bewertungen zustande?

Dafür gibt es mehrere Gründe.

Einer davon mag sein, dass sich die Aufgabengebiete von IARC, EFSA und BfR deutlich unterscheiden. IARC prüft hauptsächlich, wieviele Studien für und wieviele gegen eine krebserzeugende Wirkung sprechen. Natürlich fließen auch die Studienart (Zellversuche, Tierversuche, epidemiologische Studien) und die Studienqualität mit ein.  BfR und auch die EFSA hingegen prüfen, unter welchen (realen) Expositions- und Aufnahmebedingungen ein Stoff eine gesundheitsschädliche Wirkung beim Menschen entfalten kann. Menge und Aufnahmeweg sind also hier entscheidend, die Beurteilung ist realitätsnäher.  Auch hier spielen die Qualität der zur Bewertung herangezogenen Studien und der "weight of evidence"-Ansatz eine wichtige Rolle. In der Tat ist es nur natürlich, dass IARC und  BfR bzw EFSA die vorliegenden Studien unterschiedlich gewichten - ein im wissenschaftlichen Meinungsbildungsprozess absolut üblicher Vorgang.

Ein anderer Grund ist, dass mal die Reinsubstanz Glyphosat und ein anderes Mal die tatsächlich zum Einsatz kommende Formulierung (Glyphosat und weitere Wirk- und Hilfsstoffe) untersucht und bewertet wurden.

Wie sollte sich der Verbraucher verhalten?

In seinen "Fragen und Antworten" hat das BfR viele verbrauchertypische Fragen zu Glyphosat aufgegriffen und beantwortet, u.a. zum Übergang auf Lebensmittel, auf Tierfutter und auch in die Muttermilch. Dieses Informationsangebot wird allen Ratsuchenden sehr empfohlen.

Aus kinderärztlicher Sicht kann stillenden Müttern nicht dazu geraten werden, aus Angst vor einer etwaigen Glyphosatbelastung der Muttermilch, wie sie kürzlich von Naturschutzverbänden angeprangert wurde, auf das Stillen zu verzichten.

Literatur:

BfR (12.11.2015): http://www.bfr.bund.de/cm/343/glyphosat-efsa-und-experten-von-eu-mitgliedstaaten-bestaetigen-wissenschaftliche-bewertung-der-deutschen-behoerden.pdf

BfR FAQ zu Glyphosat (2015): http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zur_bewertung_des_gesundheitlichen_risikos_von__glyphosat-127823.html#topic_195587

EFSA (2015): http://www.efsa.europa.eu/de/press/news/151112

Sachstand: 13.11.2015

Veröffentlicht: 13. November 2015 - 11:42 Uhr

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Grafik oben rechts (Traktor): Petra Dirscherl / pixelio.de.