Erhöhte Dioxin-Gehalte in Eiern – eine gesundheitliche Bewertung

Erhöhte Dioxin-Gehalte in Eiern – eine gesundheitliche Bewertung

Erneut, wie auch schon in vergangenen Jahren, sind erhöhte Dioxin/Furan- und PCB-Werte in Hühnereiern gefunden worden. Diese Schadstoffe müssen über die Futtermittel oder über den Boden in die Hennen gelangt sein.

Wie hoch darf der Dioxingehalt im Ei maximal sein?

Entsprechend einer Verordnung der Europäischen Kommission (EG 1881/2006) darf die Konzentration der sogenannten WHO-PCDD/F-PCB-Toxizitätsäquivalente fünf Pikogramm (pg) pro Gramm Eifett nicht überschreiten. Ein Kieler Labor habe nun in einigen Chargen den doppelten Wert, knapp 10 pg pro Gramm Eifett festgestellt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) berichtete am 10. April 2012 von vier amtlichen Untersuchungsergebnissen, darunter habe sich ein Wert von knapp 30 pg WHO-PCDD/F-PCB-TEQ pro Gramm Eifett gefunden, Eier anderer Betriebe hätten Konzentrationen zwischen 10,55 und 11,2 pg/g Eifett ergeben.

Was bedeutet eine Überschreitung des Höchstwertes um 100 Prozent?

Ein großes Hühnerei wiegt bis zu 75 g und enthält ca. 8 g Fett. Somit enthält ein Ei mit der gesetzlich zugelassenen (Höchst-)Belastung von 5 pg/g Fett insgesamt 40 pg WHO-PCDD/F-PCB-TEQ, ein „belastetes Ei“ demzufolge 80 pg.

Das Wissenschaftliche Komitee für Lebensmittel der Europäischen Union (Scientific Committee on Food, SCF) hat 2001 die tolerierbare Aufnahme auf umgerechnet 2 pg WHO-PCDD/F-PCB-TEQ pro Tag und Kilogramm Körpergewicht abgeschätzt. (Das BfR geht von ähnlichen Werten aus: 4 pg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag seien tolerierbar, 1 pg/kg Körpergewicht seien wünschenswert).

Was bedeutet dies für einen Erwachsenen (70 kg Körpergewicht) und ein Kleinkind (14 kg Körpergewicht), wenn sie in der Osterwoche zwei belastete Eier pro Tag verzehren?

Antwort: Der Erwachsene würde in dieser Woche allein durch den Verzehr der beiden belasteten Eier die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge vollständig ausschöpfen/geringfügig überschreiten, das Kleinkind würde sie deutlich, nämlich sechsfach überschreiten.

Dazu muss angemerkt werden, dass solche tolerierbaren täglichen Aufnahmemengen mit Sicherheitsfaktoren berechnet werden, sodass eine zeitlich begrenzte Überschreitung nicht mit einem akuten Gesundheitsrisiko gleichzusetzen ist. Auf ein Jahr gesehen, erhält der Erwachsene in dieser Woche eine zusätzliche PCDD/F-PCB-TEQ-Belastung in Höhe von zwei Prozent der jährlichen tolerierbaren Zufuhr, beim Kleinkind sind es ca. elf Prozent.

Zweifellos ist die gefundene Belastung von Hühnereiern mit PCDD/F-PCB-TEQ unerwünscht. Beim Umgang mit belasteten Eiern sollte aber Augenmaß gewahrt werden, es handelt sich um andere Belastungskategorien als beispielsweise bei Industriemüll. Sicherlich könnten solche Eier ohne Bedenken an Zootiere verfüttert werden.

Literatur: 

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). (13. April 2012). Fragen und Antworten zu Dioxinen und PCB in Lebensmitteln. Aktualisierte FAQ des BfR vom 13. April 2012. Abgerufen am 17. April 2012 von www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_dioxinen_und_pcb_in_lebensmitteln-54771.html

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). (10. April 2012). Gesundheitliche Bewertung von überhöhten PCB-Gehalten in Hühnereiern. Stellungnahme Nr. 011/2012 des BfR. Abgerufen am 17. April 2012 von www.bfr.bund.de/cm/343/gesundheitliche-bewertung-von-ueberhoehten-pcb-gehalten-in-huehnereiern.pdf

Veröffentlicht: 17. April 2012 - 10:16 Uhr

Autor/en:

Bildquelle: 

Grafik oben rechts (Eier): Andreas Morlok / pixelio.de.