EU verlängert Zulassung von Glyphosat um weitere 5 Jahre

Umstrittener Unkrautvernichter: Die EU hat die Zulassung von Glyphosat um fünf Jahre verlängert. @ Rainer Sturm / pixelio.de.
Umstrittener Unkrautvernichter: Die EU hat die Zulassung von Glyphosat um fünf Jahre verlängert. @ Rainer Sturm / pixelio.de.

Die Europäische Union hat die Zulassung für das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat gestern um 5 Jahre verlängert. In einem Berufungsausschuss der 28 EU-Mitgliedsstaaten votierte eine Mehrheit von 18 Ländern, darunter auch Deutschland, für den Vorschlag der EU-Kommission, Glyphosat weiterhin zu erlauben.

Innerhalb der Bundesregierung war und ist die Haltung zu Glyphosat zwischen den Koalitionspartnern kontrovers: Während Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt von der CSU für die Zulassung eintrat, hatte sich Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) für ein Verbot ausgesprochen. In der Folge hatte sich Deutschland bei früheren Abstimmungen enthalten. An diesem Montag votierte Schmidt, nach seinen Angaben auf eigene Verantwortung, für die weitere Zulassung.

Glyphosat-Gegner verweisen auf Krebsrisiko und Artensterben

Glyphosat wird seit 40 Jahren in der Landwirtschaft, aber z. B. auch für die Bekämpfung von Pflanzenwuchs auf Eisenbahnschienen eingesetzt.

Wissenschaftler diskutieren mögliche Gesundheitsgefahren für den Menschen seit Jahren kontrovers, ebenso wie die Auswirkungen des Mittels auf die Biodiversität und das Insektensterben.

So berufen sich Glyphosat-Gegner auf die Bewertung der WHO-Krebsforschungsagentur IARC, wonach Glyphosat "wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen" sei. Diese Bewertung sagt jedoch nichts darüber aus, ab welchen Aufnahmemengen das Herbizid zur Entstehung von Krebs beitragen kann.

Andere Einrichtungen, wie die europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit EFSA und das deutsche Institut für Risikobewertung (BfR), bewerten Glyphosat für nicht gesundheitsschädlich, zumindest wenn es nicht in extrem großen Mengen aufgenommen werde. Zahlreiche Tierstudien und wissenschaftliche Publikationen hätten die Unbedenklichkeit von Glyphosat enwandfrei erwiesen, so BfR-Präsident Andreas Hensel.

Hensel beklagt in einem aktuellen Interview, in Deutschland werde um Glyphosat vielfach eine "Phantomdiskussion" geführt: "Die wirklichen Probleme liegen nicht bei den Pflanzenschutzmittelrückständen. Das Risiko durch Haushaltschemikalien ist exorbitant höher. Selbst Kinderspielzeug kann viel gefährlicher sein."

Weitere Informatonen

Allum: "Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat"
Interview mit BfR-Präsident Andreas Hensel im Tagesspiegel (27.11.2017)
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu Glyphosat

Veröffentlicht: 28. November 2017 - 11:16 Uhr

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Grafik oben rechts (Acker): Rainer Sturm / pixelio.de.