Geht doch: Verbot von Softdrinks hilft gegen Fettleibigkeit

Softdrinks enthalten große Mengen an Zucker.

@ Christian Lung / pixelio.de.

Ab März 2013 ist Schluss mit den süßen Mammutportionen. Dann dürfen in New York kalorienreiche Softdrinks, aber auch gezuckerter Kaffee in Restaurants, Kinos und Stadien nicht mehr in Behältern verkauft werden, die größer sind als 16 Unzen, also 473 Milliliter. Nur noch Wasser, Light-Softdrinks, Fruchtsäfte oder Bier dürfen in die XXL-Becher.

Widerstand der Industrie

Wie zu erwarten läuft die Getränkeindustrie Sturm gegen die Mengenbegrenzung für süße Plörre. Seit Monaten prangt auf den Lieferwagen der Hersteller eine stilisierte Freiheitsstatue. Darunter steht: »Wollen Sie sich wirklich von einem Bürokraten vorschreiben lassen, aus was für einem Becher Sie trinken sollen?« Und natürlich hat der Verband der Getränkehersteller angekündigt, gegen das Verbot Klage einzureichen.

Forschung unterstützt Bürgermeister mit Argumenten

Die Befürworter des Verbots können dann auf die Schützenhilfe der Onlineausgabe des »New England Journal of Medicine « setzen. Dort sind jetzt zeitgleich drei Studien erschienen, die sich mit dem Einfluss zuckerhaltiger Getränke auf das Körpergewicht beschäftigen. Ihr Fazit: Zuckerwasser macht dick.

Eine Forschergruppe um David Ludwig vom Kinderkrankenhaus in Boston untersuchte, wie sich der Body-Mass-Index (BMI) von bereits übergewichtigen oder adipösen Jugendlichen entwickelt, wenn sie von zuckerhaltigen Softdrinks auf Light-Getränke umsteigen (doi: 10. 1056/NEJMoa1203388). Als Vergleich dienten Altersgenossen mit vergleichbaren BMI, die ihr Trinkverhalten nicht umstellten. Nach einem Jahr war der Durchschnitts-BMI in beiden Gruppen gestiegen, in der Light-Getränke-Gruppe jedoch signifikant weniger. Ein Jahr nach dem Ende der Intervention, nachdem alle wieder ihre normalen Trinkgewohnheiten aufgenommen hatten, fiel der BMI-Anstieg bei allen Teilnehmern der Studie wieder ähnlich hoch aus.

In einer zweiten niederländischen Studie untersuchten Forscher um Janne de Ruyter von der Universität Amsterdam den Einfluss gesüßter Getränke auf die Entwicklung von ursprünglich normalgewichtigen Vier- bis Elfjährigen (doi: 10.1056/NEJMoa1203034). Die Kinder erhielten in der doppelblinden, randomisierten Studie einmal täglich in der Schule entweder ein zuckerhaltiges oder ein mit Süßstoff gesüßtes Getränk. Nach anderthalb Jahren hatten die Kinder in der Zucker-Gruppe signifikant mehr zugenommen als die Kinder in der Süßstoff-Gruppe. Bei den Süßstoffkindern war zudem ein geringerer Zuwachs des Körperfettanteils zu verzeichnen. Dieser Unterschied war ebenfalls signifikant.

Die Arbeitsgruppe um Lu Qi von der Harvard School of Public Health untersuchte schließlich anhand mehrerer großer Beobachtungsstudien, ob Menschen mit einer genetischen Veranlagung zur Fettleibigkeit schneller adipös werden, wenn sie häufig zuckerhaltige Getränke zu sich nehmen (doi: 10.1056/NEJMoa 1203039). Als Marker für das genetische Adipositas-Risiko dienten ihnen dabei 32 Genloci, die bekanntermaßen mit hohen BMI-Werten korrelieren.

Diese Adipositas-Risikogene waren bei Menschen, die viel Zuckerhaltiges tranken, sehr viel häufiger zu finden als bei Menschen, die auf diese Getränke weitgehend verzichteten. Das zeigte sich auch auf der Waage: Bei genetischer Prädisposition für Fettleibigkeit waren diejenigen mit einem hohen Softdrink-Konsum sehr viel häufiger übergewichtig oder adipös als diejenigen, die nur wenig davon tranken.

Wie genau die Gene das Verlangen nach süßen Getränken steuern, ist noch unklar. Sicher ist aber, dass zuckerhaltige Softdrinks Kalorienbomben sind, die den Hunger jedoch nicht stillen. Durch dieses Paradoxon erhöht der Konsum von zuckerhaltigen Getränken die absolute Energiezufuhr in der Regel. Dazu kommt: die Kohlenhydrate aus Cola und Limo sind schnell verfügbar, sodass die Gefahr für Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes steigt.

Cola und Co wird es schwerfallen, gegen diese Erkenntnisse weiterhin ihre Riesenbecher zu rechtfertigen.

Von Regine Hauch. Erschienen in: Kinder- und Jugendarzt 2/2013.

Veröffentlicht: 21. Februar 2013 - 11:17 Uhr

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Grafik oben rechts (Getränk): @ Christian Lung / pixelio.de.