Hackepeter und Mett: Kein rohes Fleisch für Kleinkinder!

Kinder unter fünf Jahren sollten keine rohen tierischen Lebensmittel essen oder trinken.

Rohes Fleisch ist ein guter Nährboden für zahlreiche krankmachende Bakterien: Yersinien, Campylobacter, Salmonellen, Listerien und MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) und andere Erreger wie Toxoplasmen. Das gilt insbesondere für Schweinehackfleischprodukte wie „Thüringer Mett“ oder „Hackepeter“; auf der vergrößerten Oberfläche finden viele Krankheitserreger ideale Vermehrungsbedingungen vor. Das Infektionsrisiko, das mit rohem Hackfleisch verbunden ist, scheint wenig bekannt zu sein, und es wird von vielen Eltern offenbar ausgeblendet.

Zu dieser Erkenntnis ist das Robert-Koch-Institut (RKI) zufällig gekommen. Eigentlich hatten die Epidemiologen herausfinden wollen, welche Risikofaktoren vorliegen, wenn sich Personen mit Yersinien infizieren. Die Yersiniose kommt am häufigsten bei Kindern unter fünf Jahren vor. In der Studie werteten die Wissenschaftler Fragebögen von rund 600 Eltern aus, deren Kinder beim Gesundheitsamt als yersinioseerkrankt gemeldet worden waren. Durch die Fragebögen stellte sich heraus, dass gut ein Drittel der betroffenen Kinder, darunter immer wieder auch Babys, eine Woche vor dem Ausbruch der Krankheit rohes Schweinehackfleisch verzehrt hatte.

Grundsätzlich ist der Zusammenhang zwischen dem Verzehr von rohem Hackfleisch und einer Yersiniose nicht neu. Die Yersiniose gehört zu den sogenannten Zoonosen, also vom Tier auf den Menschen übertragbaren Infektionen. Das natürliche Reservoir des Erregers sind Tiere unterschiedlicher Arten, wobei Schweine als Hauptreservoir für humanpathogene Yersiniose-Typen gelten. Die Yersiniose ist eine Durchfallerkrankung, die Fieber, Erbrechen und gelegentlich auch Spätfolgen wie Arthritis und Erythema nodosum (eine schmerzhafte Hauterkrankung) nach sich zieht.

Es überraschte aber die Forscher, dass nicht selten auch kleine Kinder und Säuglinge rohes Hackfleisch zu essen bekommen. Das Immunsystem von jungen Säuglingen ist noch nicht voll ausgereift.

Kinder unter fünf Jahren sollten, wie auch andere Personengruppen mit beeinträchtigtem Immunsystem (Schwangere, alte und kranke Menschen, Patienten mit Chemotherapie) keine rohen tierischen Lebensmittel essen oder trinken. Dazu gehören neben Mett auch Rohwurst, Rohmilch (nicht pasteurisiert) und Rohmilchkäse, roher Fisch wie Sushi oder Austern.

Literatur: 

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). (12. März 2012). Hackepeter und rohes Mett sind nichts für kleine Kinder! Abgerufen am 18. April 2012 von www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2012/11/hackepeter_und_rohes_mett_sind_nichts_fuer_kleine_kinder_-129122.html

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). (März 2008). Verbrauchertipps: Schutz vor lebensmittelbedingten Infektionen mit Listerien. Abgerufen am 18. April 2012 von www.bfr.bund.de/cm/350/verbrauchertipps_schutz_vor_lebensmittelbedingten_infektionen_mit_listerien.pdf

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). (Juni 2011). Verbrauchertipps: Schutz vor Toxoplasmose. Abgerufen am 18. April 2012 von www.bfr.bund.de/cm/350/verbrauchertipps_schutz_vor_toxoplasmose.pdf

Robert Koch-Institut (RKI). (13. Februar 2012). Epidemiologisches Bulletin. Yersiniose – Risikofaktoren in Deutschland. Abgerufen am 18. April 2012 von www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2012/Ausgaben/06_12.pdf?__blob=publicationFile

Veröffentlicht: 26. Juni 2012 - 12:18 Uhr

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Christa Nöhren / pixelio.de