Kindergesundheit und Umwelt - Was sagen Biomonitoringuntersuchungen aus?

Kindergesundheit und Umwelt - Was sagen Biomonitoringuntersuchungen aus?

Unter Biomonitoring wird die Bestimmung von Fremdstoffen und ihren Abbauprodukten in biologischem Material wie beispielsweise im Blut und Urin verstanden.

In den letzten Jahren haben Umweltverbände wiederholt Ergebnisse von Schadstoffmessungen an Kindern und Erwachsenen („Biomonitoring“) vorgestellt. Nun hat der BUND mit Blick auf die bevorstehende Diskussion der Chemikaliengesetzgebung (REACH - Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien) im Europäischen Parlament eine weitere Literaturstudie zu diesem Thema veröffentlicht.

Haben solche Biomonitoringuntersuchungen neue Erkenntnisse gebracht? Wie sind diese zu werten und welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

Unter Biomonitoring (hier: Humanbiomonitoring) wird die Bestimmung von Fremdstoffen und ihren Abbauprodukten in biologischem Material wie beispielsweise im Blut und Urin verstanden. Biomonitoringuntersuchungen sind nicht neu, in der Arbeitsmedizin dienen sie seit langem zur wirksamen gesundheitlichen Überwachung der Beschäftigten. Auch in der Umweltmedizin hat sich das Biomonitoring längst etabliert.

Was kann ein sachgerecht durchgeführtes (Human)Biomonitoring leisten?

  • Mittels Biomonitoring kann festgestellt werden, ob ein Fremdstoff aufgenommen wurde oder nicht. Voraussetzung ist allerdings, dass Aufnahme und Messung je nach Stoff in einem bestimmten zeitlichen Zusammenhang stehen.
  • Es kann festgestellt werden, ob die Fremdstoffkonzentration im Körper trendmäßig zu- oder abnimmt.

Wo liegen die Grenzen des Biomonitorings?

  • Das Biomonitoring liefert zunächst keine Aussage über gesundheitliche Folgen der Anwesenheit von Fremdstoffen. Dies ist erst im Vergleich mit Biomonitoring-Beurteilungswerten möglich. Für eine Vielzahl von Stoffen liegen allerdings solche Beurteilungswerte nicht vor.
  • Das Biomonitoring sagt nichts darüber aus, wann und wie oft eine Exposition stattgefunden hat.
  • Es sagt auch nichts darüber aus, auf welchem Weg der Fremdstoff in den Körper gelangt ist und welcher Weg der Haupteintragspfad ist.
  • Die Abwesenheit eines Stoffes im Biomonitoring bedeutet nicht notwendigerweise, dass kein Kontakt stattgefunden hat.

Aussagen in den Studien der Umweltverbände, dass bei „Biomonitoringuntersuchungen der Muttermilch 300 Schadstoffe gefunden wurden“ oder dass „im Blut der Kinder mit 59 verschiedenen Substanzen mehr Schadstoffe gefunden wurden als im Blut der Mutter (49 Substanzen)“ sind wissenschaftlich nicht aussagekräftig. Sie spiegeln in erster Linie den Umstand wider, dass sich in den letzten 10 Jahren die Möglichkeiten zur chemischen Analytik erheblich verbessert haben.

Für eine sachgerechte Beurteilung möglicher gesundheitlicher Auswirkungen einer Fremdstoffbelastung ist nämlich der Abstand zwischen der gemessenen Konzentration im Körper und der Wirkschwelle des betroffenen Stoffes entscheidend.

Es ist richtig, das hierfür bei vielen Stoffen noch erhebliche Wissenslücken bestehen. In einer solchen Situation ist die Forderung nach einer Minimierung der Belastung notwendig, allerdings unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit und der Verfügbarkeit von Alternativen.

Wichtige gegenwärtige Aufgaben in der Forschung zu „Umwelt und Gesundheit“ sind die Erforschung der hauptsächlichen Expositionspfade (Eintragswege) für Stoffe natürlichen und anthropogenen Ursprungs (zur Festlegung von Handlungsprioritäten), der Umgang mit Wissenslücken zu bestimmten Stoffgruppen und die Frage einer möglichen besonderen Empfindlichkeit von Kindern, Schwangeren, alten und kranken Menschen.

Zur Zeit werten das Robert Koch-Institut und das Umweltbundesamt die Daten des Kinder-Umwelt-Surveys (das „Umweltmodul“ des groß angelegten Kinder- und Jugendgesundheitssurveys) aus. Das Augenmerk gilt hier den als prioritär eingestuften Schadstoffen. Bereits jetzt ist erkennbar, dass die Blei-, Quecksilber-, PAK- und Pentachlorphenolbelastungen seit Anfang der 90er Jahre deutlich abgenommen haben. Allerdings besteht weiterhin eine starke Belastung der Kinder durch Passivrauch.

Eine differenzierte, wissenschaftliche Betrachtung der Umwelteinwirkungen unter Einbeziehung von Lebensgewohnheiten ist sinnvoll und vernünftig.

Literatur: 

Kurth B.-M, Robert Koch-Institut: Symposium zur Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt 2006; 10 - 1050-1058

Veröffentlicht: 9. August 2007 - 0:00 Uhr

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