Klinische Umweltmedizin: Defizite in der Betreuung von Patienten

 

 
 
 

Eine Stellungnahme der Kommission Umweltmedizin und Environmental Public Health des Robert Koch-Instituts (Kurzfassung)

Umweltmedizin, sofern sie sich mit ärztlicher Betreuung von betroffenen Patienten befasst, betrifft u.a. Kinder- und Jugendmedizin, Allgemeinmedizin, Arbeitsmedizin, Dermatologie, Pneumologie, Inneren Medizin, Psychiatrie. Sie befasst sich mit Diagnostik und Therapie, mit Expositionsermittlung, Abschätzung umweltbedingter Gesundheitsrisiken, Risikokommunikation und Prävention.

Insbesondere bei der ärztlichen Versorgung von Patienten, die zu recht oder auch nur gefühlt krank durch Umweltfaktoren sind, gibt es in Deutschland Defizite. Es gibt nur einige wenige kompetente Ärzte und Ärztinnen, dazu gehören einige besonders engagierte niedergelassene Umweltmediziner*innen und wenige umweltmedizinische Ambulanzen, zumeist an universitären Einrichtungen.

Die Umweltkommission des Robert Koch-Instituts stellt fest, dass für eine ausreichende klinisch-umweltmedizinische Versorgung notwendig sind:

  • Vermittlung von „Klinischer Umweltmedizin“ im Studium,
  • Basisausbildung in der Allgemeinmedizin,
  • bessere Berücksichtigung in den Gebieten Hygiene und Arbeitsmedizin,
  • Zusatzweiterbildungs-Gänge,
  • adäquate Abrechnungsmöglichkeiten klinisch-umweltmedizinischer Leistungen.
  • wissenschaftliche, evidenzbasierte Grundlagen (vieles dazu bei www.allum.de)

In allen Punkten gibt es mehr oder minder gravierende Defizite. Die Kommission Umweltmedizin des Robert Koch-Instituts (RKI) sagt dazu: "Eine flächendeckende umweltmedizinische Versorgung" sei nicht vorhanden. "Das betrifft sowohl den niedergelassenen Bereich, den öffentlichen Gesundheitsdienst als auch die Universitätskliniken." An vielen Universitätskliniken würden Lehrstühle für Hygiene und Umweltmedizin abgeschafft. Immer weniger Ärzte und Ärztinnen würden die Zusatzqualifikation "Klinische Umweltmedizin" erwerben.

Die Stellungnahme "Umweltmedizinische Versorgungssituation von Patientinnen und Patienten in Deutschland" des RKI zeichnet ein eher pessimistisches Bild für die Zukunft, denn es fehle "an strukturierten Weiterbildungskonzepten, die fachübergreifend in der ärztlichen Aus-, Fort- und Weiterbildung integriert sein sollten". Hilfreich sein könne "eine Bündelung des Zugangs zum Themenfeld Umweltmedizin durch ein internetgestütztes Informations- und Beratungsangebot", das auch eine erste individuelle Beratung und/oder Weitervermittlung übernehmen könne.

Die vollständige Stellungnahme finden Sie hier.

 
 
 
 

Veröffentlicht: 31. Juli 2020 - 13:24 Uhr

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