Erst reden, dann denken: Menschenversuche mit Stickoxiden

© Gabi Ender / pixelio.de.

Leser, die bis zum Ende dieser Zeilen kommen, können sich selbst eine Meinung bilden.

Es gab einen Sturm der Entrüstung: "Keinerlei Verständnis für Tests, die ausschließlich PR-Zwecken dienen" (Bundesverkehrsminister), Auftraggeber, die "jeglichen Maßstab verloren haben" (Bundesjustizminister), man solle nicht die vermeintliche Nichtschädlichkeit beweisen (Pressesprecher der Bundeskanzlerin), "unethisch und abstoßend" (VW-Konzernchef). Es wurde sofort reagiert... unbedacht? Unwissend? Wer mag zu diesem frühen Zeitpunkt schon sich über Details informiert haben?

Das Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Uniklinik RWTH Aachen hat in den Jahren 2013 und 2014 eine Studie zum Thema NO2 (Stickstoffdioxid) durchgeführt (Titel: Biological effects of inhaled nitrogen dioxide in healthy human subjects), die von der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT e .V.) gefördert und nach Auswertung der umfangreichen Daten 2016 unter Hinweis auf den Förderer publiziert wurde. Der Studie liegt ein Forschungsantrag aus dem Jahr 2012 zugrunde, der von der Ethikkommission der Uniklinik RWTH Aachen geprüft und genehmigt worden war. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass sich die Studie inhaltlich nicht mit der Dieselbelastung von Menschen befasst und in keinem Zusammenhang mit dem in der New York Times zitierten „Affenversuch“ steht. Die Studie ist zudem lange vor Bekanntwerden des Dieselskandals initiiert und durchgeführt worden. (RTWH Aachen).

Nachfolgend der Abstrakt der Studie:

Int Arch Occup Environ Health. 2016 Aug;89(6):1017-24. doi: 10.1007/s00420-016-1139-1. Epub 2016 May 7.
Biological effects of inhaled nitrogen dioxide in healthy human subjects.
Brand P1, Bertram J2, Chaker A3, Jörres RA4, Kronseder A4, Kraus T2, Gube M2.

 

PURPOSE:

Several epidemiological studies indicate that inhaled nitrogen dioxide (NO2) at low concentrations have been statistically associated with adverse health effects. However, these results are not reflected by exposure studies in humans. The aim of the study was to assess the acute functional and cellular responses to different NO2 concentrations in healthy human subjects with various techniques.

METHODS:

Twenty-five subjects were exposed for 3 h to NO2 concentrations 0, 0.1, 0.5, and 1.5 ppm in a randomized crossover study design during 4 consecutive weeks. In each subject, lung function, diffusion capacity and exhaled nitric oxide were measured and inflammation markers were assessed in blood, nasal secretions, induced sputum and exhaled breath condensate.

RESULTS:

From all lung function indices under consideration, only intrathoracic gas volume was borderline significantly increased after 0.5 ppm (p = 0.048) compared to 0.1 ppm NO2. Regarding the cellular effect parameters, the macrophage concentration in induced sputum decreased with increasing NO2 concentration, although these changes were only borderline significant (p = 0.05).

CONCLUSION:

These results do not suggest a considerable acute adverse response in human subjects after 3 h of exposure to NO2 in the NO2 concentration range investigated in this study.

 

(dt. Übersetzung)

ZIEL:

Mehrere epidemiologische Studien weisen darauf hin, dass inhaliertes Stickstoffdioxid (NO2) in geringen Konzentrationen statistisch mit gesundheitsschädlichen Wirkungen in Zusammenhang gebracht wurde. Diese Ergebnisse spiegeln sich jedoch nicht in Expositionsstudien am Menschen wider.
Ziel dieser Studie war es, die akuten funktionellen und zellulären Reaktionen auf verschiedene NO2-Konzentrationen bei gesunden Probanden mit verschiedenen Techniken zu untersuchen.

METHODEN:

Fünfundzwanzig Probanden wurden 3 Stunden lang den NO2-Konzentrationen 0, 0,1, 0,5 und 1,5 ppm in einem randomisierten Crossover-Studiendesign während 4 aufeinander folgenden Wochen ausgesetzt. Bei jedem Teilnehmer wurden die Lungenfunktion, die Diffusionskapazität und das ausgeatmete Stickoxid gemessen und die Entzündungsmarker wurden in Blut, Nasensekreten, induziertem Sputum und ausgeatmetem Atemkondensat untersucht.

ERGEBNISSE:

Von allen betrachteten Lungenfunktionsindizes war nur das intrathorakale Gasvolumen nach 0,5 ppm (p = 0,048) grenzwertig signifikant erhöht im Vergleich zu 0,1 ppm NO2. Im Hinblick auf die zellulären Effektparameter nahm die Makrophagenkonzentration im induzierten Sputum mit zunehmender NO2-Konzentration ab, obwohl diese Veränderungen nur grenzwertig signifikant waren (p = 0,05).

FAZIT:

Diese Ergebnisse deuten nicht auf eine beträchtliche akute unerwünschte Reaktion bei Menschen nach 3-stündiger Exposition gegenüber NO2 im NO2-Konzentrationsbereich hin, der in dieser Studie untersucht wurde.

Veröffentlicht: 31. Januar 2018 - 10:08 Uhr

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