Mobilfunk und Kinder

Joachim Kirchner/pixelio.de

Die Nutzung von Mobiltelefonen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Gerade unter Kindern und Jugendlichen steigt die Zahl derer, die ein Mobiltelefon, bzw. Smartphone besitzen. Während 1998 nur 3% der 12- bis 13-jährigen ein Mobiltelefon hatten, waren es im Jahr 2002 schon 69%. Aktuell hat nahezu jeder Jugendliche (92 %) mindestens ein Handy zur Verfügung. Nicht zuletzt aufgrund dieser Zahlen stellt sich immer häufiger die Frage, ob die elektromagnetischen Felder während eines Mobiltelefonats möglicherweise einen Einfluss auf die Kindergesundheit haben können.

Dabei wird argumentiert, dass heutige Kinder im Laufe des Lebens erheblich länger den elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks ausgesetzt seien und nicht ausgeschlossen werden könne, dass der jugendliche Organismus empfindlicher als der des Erwachsenen reagiert. Die Beantwortung dieser Frage ist nicht leicht, da auf diesem Gebiet bisher nur wenige speziell auf Kinder ausgerichtete Studien veröffentlicht wurden. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes "Akute Gesundheitseffekte durch Mobilfunk bei Kindern" im Rahmen des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogrammes werden für die zweite Jahreshälfte 2008 erwartet.

Die Strahlenschutzkommission (SSK) hat in 2005 die verfügbare wissenschaftliche Literatur gesichtet und bewertet.

Dabei standen vier Fragen im Vordergrund:

1. Gibt es entscheidende Unterschiede in Bezug auf das Absorptionsverhalten zwischen Kindern und Erwachsenen?

Generell dringen Mobilfunkfelder nur wenig in den Körper ein. Die Vermutung, dass Kinder stärker gefährdet seien, liegt jedoch zunächst nahe. Kinder haben eine andere Kopfform als Erwachsene, die Kopfhaut und die Schädelknochen sind dünner, zudem ist das Ohr als Distanzhalter zwischen Handy und Kopf elastischer. Daher könnte der Kopf eines Kindes einen größeren Anteil der abgestrahlten Energie absorbieren als der eines Erwachsenen.

Das Fazit der SSK hierzu lautet:

„Die bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen belegen zwar eine tendenziell höhere Absorption in Kinderköpfen, die Unterschiede zu Erwachsenen nehmen jedoch bereits nach den ersten Lebensjahren stark ab und sind bei 5-jährigen bereits kleiner als die interpersonellen Variationen. Für jüngere Kinder liegen bisher keine Studien vor.“

2. Liegen wissenschaftliche Hinweise dafür vor, dass der jugendliche Organismus anders als der erwachsene auf Einwirkung von Mobilfunkfeldern reagiert?

Zur Frage einer besonderen Empfindlichkeit von Kindern und Jugendlichen gegenüber chemischen und physikalischen Umwelteinwirkungen haben mehrere nationale und internationale Fachgremien und Fachleute, darunter auch das Umweltbundesamt, Stellung genommen. Ihr Fazit:

„Der Einfluss der Umwelt auf die Gesundheit der Kinder ist häufig stärker als auf die Gesundheit von Erwachsenen, dies ist aber nicht immer der Fall. In der Praxis sollte man nicht von einer grundsätzlich höheren Empfindlichkeit der Kinder ausgehen.“

Allgemein sind sich in der Entwicklung befindliche Systeme störanfälliger als statische.

Im Mittelpunkt der Überlegungen der SSK standen daher der Einfluss hochfrequenter Felder des Mobilfunks auf Entwicklungsprozesse im Gehirn (Synaptogenese und Myelinisierung) sowie Unterschiede in den elektrischen Eigenschaften des Gehirns eines Kindes und eines Erwachsenen.

Hier kommt die SSK zu dem Schluss:

„Die wenigen bisherigen Untersuchungen an Kindern ab 5 Jahren ergeben keine belastbaren Hinweise auf eine erhöhte Empfindlichkeit des Organismus von Kindern und Jugendlichen.“

3. Gibt es wissenschaftliche Hinweise einer kurzzeitigen oder dauerhaften Gesundheitsschädigung durch Mobilfunknutzung, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen?

Es liegen noch keine aussagekräftigen epidemiologischen Studien zu einem Zusammenhang zwischen Mobiltelefonnutzung und gesundheitlichen Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche vor. Daher müssen Erkenntnisse zur Wirkung des Mobilfunks auf Erwachsene herangezogen werden.

Hierzu die SSK:

„Die gegenwärtige epidemiologische Literatur enthält keine belastbaren Daten, mit denen sich Gesundheitsschädigungen durch langzeitige Einwirkungen von Mobilfunkfeldern belegen ließen. Studien speziell zu Kindern existieren nicht.“

Der Frage, ob Mobiltelefonnutzung das Risiko für Hirntumore erhöht, geht die (noch nicht abgeschlossene) Interphone-Studie der Weltgesundheitsorganisation nach. Die bisher vorliegenden Teilergebnisse sprechen gegen eine erhebliche Risikoerhöhung. Allerdings wurden hierbei Kinder nicht als eigenständige Gruppe betrachtet. Daher ist nun eine „Interphone-Kids-Studie“ geplant.

Die häufig gestellte Frage nach Langzeitwirkungen wird sich angesichts der noch neuen und sich gleichzeitig rasch verändernden Mobilfunktechnik wahrscheinlich nie abschließend beantworten lassen.

4. Gibt es wissenschaftliche Hinweise auf mögliche Einflüsse von Mobilfunkfeldern auf die körperliche und geistige Entwicklung im Kindes- und Jugendalter?

Die SSK äußert sich dazu folgendermaßen:

„In Bezug auf mögliche Einflüsse auf die körperliche oder geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen durch Mobilfunkfelder liegen bisher keine wissenschaftlichen Untersuchungen vor. Eine Beeinflussung kognitiver Funktionen ist weder bei Erwachsenen noch bei Kindern belegt.“

Fazit und Empfehlungen:

Nach derzeitigem Wissensstand weisen Kinder und Jugendliche keine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Hochfrequenzfeldern auf.

In Hinblick auf die noch unzureichende Datenlage empfiehlt die SSK, Empfehlungen zur Verringerung der Exposition zu beachten. Diese richten sich an die Hersteller von Mobiltelefonen, Geräte mit niedrigen SAR-Werten zu entwickeln und mit technischen Mitteln (Headsets, Signalisierung der Telefonatsdauer) für eine weitere Expositionsminderung zu sorgen.

Durch folgende Maßnahmen kann die Exposition verringert werden:

  • Standorte mit guten Empfangsbedingungen aussuchen. Gute Empfangsbedingungen korrespondieren mit guten Sendebedingungen. Auf entsprechende Displayanzeige achten.
  • Mobiltelefon erst nach dem Verbindungsaufbau und der Gesprächsannahme an das Ohr halten oder ein Headset benutzen und die Gesprächszeiten kurz halten.
  • Ein Mobiltelefon mit geringem SAR-Wert auswählen (vgl. die Liste des Bundesamtes für Strahlenschutz BfS).

Eltern sollten über die Nutzung eines Mobiltelefons umso restriktiver entscheiden, je jünger das Kind ist. Zudem sollte die Gesprächsdauer der Kinder und Jugendlichen begrenzt werden (z.B. durch die Nutzung von Kinder- und Jugendtarifen).

Literatur: 

Strahlenschutzkommission (2007): Mobilfunk und Kinder. Stellungnahme der Strahlenschutzkommission und wissenschaftliche Begründung. http://www.ssk.de/SharedDocs/Beratungsergebnisse/2006/Mobilfunk_Kinder.html

Veröffentlicht: 19. Juni 2007 - 0:00 Uhr

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