Parabene in Kosmetika – Was ist dran?

Parabene

© Tim Reckmann / pixelio.de.

Als Verbraucher stellen Sie – zu Recht – hohe Ansprüche an Kosmetika und Pflegeprodukte. Sie sollen für den ausgelobten Zweck wirksam sein, die Haut nicht reizen, gut riechen, ihre Konsistenz bewahren und während ihrer Haltbarkeitsdauer mikrobiologisch einwandfrei bleiben.

Manche Kosmetika und Pflegeprodukte haben es leicht: Sie kommen von Natur aus ohne Konservierungsstoffe aus. Dazu gehören beispielsweise Parfüms, Rasierwasser (hoher Alkoholgehalt!), Enthaarungsmittel (hoher pH-Wert) oder auch Puder (geringer Wassergehalt).

Hautcremes und Duschgels fällt es deutlich schwerer, sich vor mikrobiellem Befall und Keimwachstum zu schützen. Mit Entnahmespateln, Cremespendern und Vakuumtuben wird jedoch die Verkeimung deutlich vermindert.

Um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, kommen Konservierungsstoffe ins Spiel, von denen etwa 50 in der Europäischen Union zugelassen sind. Oftmals werden verschiedene Konservierungsstoffe gleichzeitig eingesetzt mit dem Ziel, ein möglichst breites Spektrum von Mikroorganismen abzudecken.

Parabene gehören zu den bekanntesten Konservierungsstoffen. Die am häufigsten eingesetzten Vertreter dieser Stoffgruppe sind Methyl- und Ethylparaben. Für höherkettige Parabene wie Propyl- und Butylparabenen bestehen bestimmte Beschränkungen (kein Einsatz in Babypflegeprodukten). Parabene besitzen nach Erkenntnissen des Informationsverbundes Dermatologischer Kliniken (IVDK) ein geringes allergenes Potential, sie verursachen eher selten Kontaktsensibilisierungen auf der Haut.

Allerdings sind Parabene in Verruf geraten, nachdem im Labor und in Tierversuchen eine (schwache) östrogenartige Wirkung festgestellt wurde. Dass diese Wirkung nach der Fachmeinung namhafter Wissenschaftler und Institutionen wie BfR, SCCS usw. um viele Größenordnungen schwächer ist als die Wirkung natürlicher Hormone und dass die (gesetzlich genau festgelegte Maximal-) Konzentration in Kosmetika hierfür einen weitaus größeren Sicherheitsabstand bietet, wurde dann seitens der Verbraucher und Medien meist nicht mehr wahrgenommen...

Parabene in den Medien

In der Sendung “Marktcheck“ vom 29.03.2016 (SWR, 20.15 Uhr) deckt Marktcheck “schädliche Wirkstoffe in Kosmetika auf“.

Dass Parabene in Kosmetika enthalten sein können, ist nach dem oben Ausgeführten nicht wirklich neu und überraschend. Für den kritischen Zuschauer ist dagegen überraschend zu sehen, dass die wichtige Funktion der Parabene als Konservierungsstoff kaum thematisiert wird.

In Zusammenarbeit mit dem UBA wollte Marktcheck dann herausfinden, wie viel der in Körperpflegemitteln enthaltenen Parabene in den Körper aufgenommen und über den Urin ausgeschieden werden. Fünf (!) Probanden schienen dafür auszureichen. Sie verwendeten 2 Tage lang parabenhaltige Duschgels, Haarwäschen und Pflegeprodukte. In welcher Menge und wie oft, wird in der Sendung offen gelassen. Dass es darüber hinaus einen Unterschied macht, wenn Duschgels abgespült werden (“rinse-off“) und beispielsweise Hautcremes auf der Haut verbleiben (“leave on“), scheint ebenfalls nicht weiter zu stören.

Das Ergebnis des Versuchs: "Fast alle haben schon vor Beginn des Versuchs Parabene im Urin. Doch nach dem Versuch haben die Probanden zum Teil extreme Spitzenwerte."

Hier muss man sich als Umweltmediziner fragen: Was heißt “extreme Spitzenwerte“? Sind sie in einem gesundheitlich bedenklichen Bereich? Sogenannte HBM-I- und II-Beurteilungswerte liegen für Parabene noch nicht vor. Eine Aussage zur gesundheitlichen Bedeutung der Meßwerte ist nicht möglich.

(Die Human-Biomonitoring-Kommission hat vor 2 Jahren Referenzwerte für Parabene festgelegt, die jedoch keinen Gesundheitsbezug haben. Sie sagen lediglich aus, ob eine Person über- oder unterdurchschnittlich belastet ist - verglichen mit einer Normalbevölkerung).

Fazit:

  1. Das hier ansatzweise praktizierte Human-Biomonitoring ist grundsätzlich ein wichtiges Instrument in der Umweltmedizin, um eine Belastung des Körpers mit potentiell schädlichen Stoffen zu erkennen. Allerdings sind die methodischen Voraussetzungen hoch, deutlich höher als im beschriebenen “Versuch“...
  2. Nach Auffassung des IVDK (Prof. J. Geier) besteht keine Veranlassung, Parabene gegen andere Konservierungsstoffe auszutauschen, die ein deutlich höheres Allergie-Potenzial besitzen.
  3. Ist "Naturkosmetik ohne Konservierungsstoffe" ein Ausweg? Auch diese enthält bestimmte Konservierungsstoffe, auch wenn es sich dabei nicht um Parabene handelt. Und es gibt einige Naturstoffe, die wir mit der Nahrung zu uns nehmen, z.B. Soja, von denen ebenfalls eine (schwache) östrogenartige Wirkung ausgeht.

Dr. M. Otto

Veröffentlicht: 30. März 2016 - 12:09 Uhr

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Grafik oben rechts (Duschgels): © Tim Reckmann / pixelio.de.