Pollenallergie in Zeiten der Corona-Krise

© S. Hofschlaeger / pixelio.de.

Wir alle erleben die ersten Wochen dieses Frühlings in bislang nicht gekannter Weise.

Die durch die Corona-Pandemie bewirkten, notwendigen Kontaktverbote ändern unser Alltagsleben enorm. Dies kann dazu führen, dass für den Frühling bisher „normale“ Symptome bei pollenallergisch betroffenen Kindern und Erwachsenen wie Niesreiz oder Hüsteln Stirnrunzeln, Missfallen oder auch Ablehnung durch Mitmenschen hervorrufen, die eine Infektion durch die speziellen Coronaviren Sars CoV 2 und Covid 19 befürchten.

Für die pollenallergische Betroffenen ist es deshalb hilfreich zu wissen, dass Sars CoV 2 und Covid 19 bisher nicht mit den primären Symptomen Niesreiz und Augenjucken einhergehen, so dass diese auch in diesem Frühling weiterhin meistens typisch sind für nichtinfektiöse, sondern allergische Symptome. So können die Betroffenen auch mit den nächsten Menschen in ihrer Umgebung sprechen.

Da eine Pollenallergie bei übererregbaren Bronchien auch Reizhusten bis Atemnot hervorrufen kann, ist dieser nicht von vornherein coronaverdächtig.

Wer allerdings in diesem Frühling erstmals deutlichen Reizhusten hat, sollte einen Corona-Abstrich durchführen lassen, um eine Infektion auszuschließen.

Natürlich gelten auch für diesen Frühling die im folgenden auf Allum bereitgestellten Informationen zur Pollenallergie und der Frage:

Was kann ich tun bei Pollenallergie mit Augenjucken und Niesattacken?

  • Informieren Sie sich über die Pollenflugintensität mit Wetter-Apps, über www.pollenstiftung.de oder in Bayern über epin.lgl.bayern.de/pollenflug-aktuell
  • Schließen Sie die Schlafzimmerfenster; lüften Sie abends beim Wohnen auf dem Land, in der Stadt am frühen Morgen.
  • Bei starker Allergie Pollenschutzgitter anbringen, Pollenschutzfilter im Auto mit Wechsel mindestens 1x pro Jahr.
  • Waschen Sie Ihrem Kind abends die Haare. Augen und Nase können mit klarem Kaltwasser gespült werden.
  • Entfernen Sie die Kinderkleidung vom Tage aus dem Kinderzimmer und trocknen Sie gewaschene Wäsche während des Pollenflugs nicht draußen!

Medikamentös helfen Augentropfen und Nasensprays mit Antihistaminika nach wenigen Minuten (2-3x täglich anzuwenden). Wenn dadurch die Symptome nicht deutlich gelindert werden, sind Antihistaminika je nach Alter als Saft, Tropfen oder Tabletten mindesten 1x täglich notwendig, evtl. auch Cortison-Nasensprays.

Bei über 2 Wochen anhaltendem, allergisch ausgelösten Reizhusten und/oder Atemnot sollte mit einem Facharzt /ärztin die regelmäßige Inhalation von bronchialerweiternden Sprays für den Akutfall und „inhalativen Cortisonsprays“ (ICS) für eine mehrwöchige Dauertherapie gesprochen und geübt werden. Dies gilt auch in diesen Zeiten der Corona-Krise!

Nimmt die Allergie von Jahr zu Jahr zu, ist bei Kindern ab 5 Jahren eine spezifische Immuntherapie mit Tabletten oder als Spritzen unter die Haut für 3 Jahre erforderlich. Dies vermindert deutlich das Risiko, ein Pollenasthma zu entwickeln.

Weitere Infos zu diesem Thema

Allum: Pollen
Pädiatrische Allergologie 1/2017: Mein Kind hat eine Pollenallergie
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit


Dr. med. Thomas Lob-Corzilius (gemeinnützige Kinderumwelt GmbH)

Veröffentlicht: 8. April 2020 - 12:05 Uhr