Mögliche Allergene und Erkrankungen

Häufige Allergene bei Berufsgruppen

Haut

Bei welchen Berufen kommen typischerweise Allergene vor, die eine berufsbedingte Hauterkrankung auslösen können? Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick.

Beruf

Häufige Allergene

Floristen, Gärtner

Sesquiterpenlactone (-Mix: Screening für Kompositen), Primin, Geraniol u.v.m.

Cave: Nicht selten aerogene allergische Kontaktdermatitis

Friseur

Oxidationshaarfarben (p-Phenylendiamin, p-Toluylendiamin), Ammoniumpersulfat, Glycerylmonothioglykat (in den letzten Jahren deutlich rückläufig, da von der Haarkosmetikindustrie weitgehend zurückgezogen), Duftstoffe, Konservierungsmittel (Z.B. MCI/MI), Vulkanisationsbeschleuniger in Gummihandschuhen (Thiurame und Dithiocarbamate)

Kfz-Mechaniker

Vielfältige Expositionen möglich, insbesondere: N-Isopropyl-N’-phenyl-p-Phenylendiamin (IPPD)

Kranken-, Altenpfleger

Konservierungsmittel (z.B. MCI/MI), Desinfektionsmittel (z.B. Formaldehyd, Glutaraldehyd, Glyoxal), z. T. Duftstoffe, Vulkanisationsbeschleuniger in Gummihandschuhen (Thiurame und Dithiocarbamate), selten: Medikamentenstäube (z.B. Benzodiazepine, aerogen wirksam)

Kunststoffverarbeiter

„Unausgehärtete“ Kunstharze: Epoxidharzsysteme (Epoxidharze, Reaktivverdünner und –härter), (Meth-) Acrylate, Phenol-Formaldehydharze, Isocyanate

Maler und Lackierer

Konservierungsmittel (insbesondere Isothiazolinone), Epoxidharzsysteme, Kolophonium, Terpentin und Terpentinersatzstoffe, Farbpigmente, Formaldehydharze, Acrylate, Isocyanate

Maurer, Fliesenleger, Bauberufe

Kaliumdichromat, Kobalt, Epoxidharzsysteme (Epoxidharze, Reaktivverdünner und –härter), zusätzlich: Vulkanisationsbeschleuniger in Schutzausrüstung wie Handschuhen

Metallarbeiter (spanende Fertigung und Umformung)

Konservierungsmittel in Kühlschmierstoffen (z.B. Formaldehyd und formaldehydspaltende Biozide, Isothiazolinone), Tallöl-Destillate („Leitallergen“: Kolophonium), Monoethanolamin

Reinigungskräfte

Vulkanisationsbeschleuniger in Gummihandschuhen (Thiurame und Dithiocarbamate), Desinfektionsmittel (Formaldehyd, Glutaraldehyd, Glyoxal)

Zahntechniker

Acrylate bzw. Methacrylate, Melamin-Formaldehydharz

Quelle: Skudlik & John (2014)

Atemwege

Die Häufigkeit einer Sensibilisierung ist nachweislich von der Allergenkonzentration in der Luft am Arbeitsplatz abhängig (Zaghow & Merget 2004).
Für Berufsasthma sind über 400 Allergene und Irritantien als Auslöser möglich und jährlich werden neue, möglicherweise atemwegsgefährdende Substanzen auf den Markt gebracht. Die häufigsten Auslöser für Berufsasthma in Deutschland sind organische Stäube (Mehl, Nahrungs- und Futtermittel), Isocyanate, Schweißrauche und Friseurmittel (Latza, Bittner & Baur 2007).

In Studien konnte ein Zusammenhang zwischen beruflichen Stäuben, Gasen und Rauch und Symptomen chronischer Bronchitis und obstruktiven Lungenfunktionsveränderungen festgestellt werden (Higgins 1973). Aber auch Reinigungsmittel, insbesondere Desinfektionsmittel, können berufsbedingte Atemwegserkrankungen auslösen (Wolkoff et al. 1998). Anhand von Einzelfällen wurde aufgezeigt, dass durch Bodenreiniger, welche Ammoniumchlorid bzw. quarternäre Amine enthalten, Asthma ausgelöst werden kann (Burge & Richardson 1994; Bernstein et al.1994).

Bei welchen Berufen typischerweise welche Arbeitsstoffe vorkommen, die eine berufsbedingte Atemwegsekrankung auslösen können, ist in der nachfolgenden Tabelle einzusehen.

Beruf

Arbeitsstoff

Abfallwirtschaft; Landwirtschaft; Schreinereien; Pelzbearbeitung

Schimmelpilzsporen (als Verunreinigung)

Bäcker

Mehl

Bäckerei; Molkerei; Tierfutterindustrie; Papierherstellung; Waschmittelindustrie; Textilherstellung u. a.

Enzyme

Gärtnerei; Landwirtschaft

Blütenpollen

Gesundheitswesen; Arbeiten mit Schutzhandschuhen u. a.

Latex

Glasfaser-verstärkte Kunststoffe Anstrichharze u.a.

Säureanhydride (Phthalsäureanhydride u.a.)

Landwirtschaft; Tierarztpraxis; Versuchstierlabor u.a.

Tierhaare (Rind, Pferd, Ratte)

Lötarbeitsplätze u.a.

Kolophonium

Polyurethanschaum für Füllungen, im Fensterbau, Bodenabdichtungen (Brückenbau) u.a.

Isocyanate

Quelle: Öffentlicher Gesundheitsdienst Baden-Württemberg

Allergisch-verursachte Hauterkrankungen durch Berufsstoffe

  • Urtikaria (Nesselsucht, Nesselfieber) ist eine Hauterkrankung, die allergisch bedingt sein kann. Eine beruflich verursachte Kontakturtikaria geht oft mit einer Erkrankung der Atemwege einher (z.B. Asthma).
  • Eine Kontaktallergie manifestiert sich meistens als allergisches Kontaktekzem oder allergische Dermatitis. Der Begriff Ekzem wird eher für chronische, der Begriff Dermatitis eher für akute Entzündungen verwendet. Patienten, die von einem beruflich bedingten chronischen Handekzem betroffen sind, leiden meist unter der Mischform mit einer irritativen, d.h. nicht allergisch bedingten durch physikalisch, chemische Reize ausgelöst und einer allergischen Komponente.
    Die häufigsten Berufsallergene sind: Metalle, Konservierungsstoffe, Friseurstoffe und Epoxidharzsysteme. Bei dem aerogenen (Allergene gelangen über die Luft an die Haut) Kontaktekzem sind die häufigsten Auslöser die Epoxidharze. Bei dieser Form der allergischen Kontaktdermatitis sind insbesondere die Bereiche Gesicht, Hals und Dekolletee betroffen.
    Eine seltene Form ist die Proteinkontaktdermatitis, die lediglich mit einer Häufigkeit von 0,2% beziffert ist. Jedoch steigt die Häufigkeit bei Berufen, die sich mit Nahrungsmitteln beschäftigen (z.B. Bäcker), auf 4%.

Allergisch-verursachte Atemwegserkrankungen durch Berufsstoffe

  • Asthma bronchiale: Ca. 9-15% aller asthmatischen Krankheitsbilder weisen bei Erwachsenen einen Bezug zum Arbeitsplatz auf. Patienten, die unter einem beruflich bedingten Asthma leiden, sind entweder von immunologisch oder chemisch-irritativ/toxisch wirkenden Auslösern betroffen.
  • Wie auch bei Asthma gibt es bei der Chronisch obstruktiven pulmonalen Erkrankung (COPD) einen hohen, relevanten berufsbedingten Anteil.
  • Die allergische Rhinitis (Heuschnupfen) kann in drei Kategorien unterteilt werden: Saisonal (nur in einer bestimmten Saison), perennial (ganzjährig) und berufsbedingt. Allerdings können diese Kategorien nicht immer trennscharf unterschieden werden.
  • Kommt es durch Arbeitseinflüsse zu einer chronischen Bronchitis gilt dieses als Warnzeichen für eine hohe Luftbelastung.
  • Die Exogen-allergische Alveolitis (EAA) wird im Deutschen auch als Hypersensitivitäts-Pneumonitis bezeichnet. Es handelt sich um eine Lungenerkrankung, welche durch die allergische Reaktion auf eingeatmete Stäube ausgelöst wird. Der Staub stammt i.d.R. von Mikroorganismen, Tieren oder pflanzlichen Proteinen.

Stand: 29. Januar 2018 - 10:47 Uhr

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