Elektrosensibilität - Elektrosensitivität

WHO zur Elektrosensibilität - Elektrosensitivität

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat im Dezember 2005 ein Datenblatt ("Factsheet 296") zum Thema "Elektromagnetische Felder und Öffentliche Gesundheit" veröffentlicht, das den aktuellen Kenntnisstand zum Thema Elektrosensibilität - Elektrosensitivität ausführlich darstellt.

Elektrosensibilität ist durch eine Reihe nicht spezifischer Symptome charakterisiert. Diese umfassen dermatologische (Hautrötung, Kribbeln) und neurasthenische/vegetative Symptome (Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Schwindel, Herzklopfen, Verdauungsprobleme). Die Symptome sind bei den Betroffenen real vorhanden, können aber in ihrer Stärke und Ausprägung variieren.

Elektrosensibilität ähnelt in vielerlei Hinsicht der Multiplen Chemikaliensensibilität (MCS). Beiden ist gemeinsam, dass ihre Symptome eher unspezifisch sind und eine toxikologische Basis bzw. ein plausibler Wirkmechanismus fehlen.

Häufigkeit der selbst berichteten Elektrosensibilität

Die Angaben zur Häufigkeit der (selbst berichteten) Elektrosensibilität in der Allgemeinbevölkerung variieren stark. Arbeitsmediziner schätzen sie auf einige wenige Personen pro 1 Million Einwohner. Betroffene und Selbsthilfegruppen geben eine Häufigkeit von bis zu 10 Prozent der Bevölkerung an.

Auffällig ist, dass die Häufigkeit von Land zu Land unterschiedlich ist. Höhere Angaben finden sich in skandinavischen Ländern und in Deutschland, während sie in Großbritannien, Österreich und Frankreich eher geringer sind.

Studien

Die meisten der bisher durchgeführten Studien deuten darauf hin, dass Personen mit selbstberichteter Elektrosensibilität elektromagnetische Felder mit der gleichen (Un-)Genauigkeit wahrnehmen, wie Nichtbetroffene dies können.

Unter kontrollierten Bedingungen durchgeführte Doppelblindstudien zeigen, dass die geschilderten Symptome mit der Höhe der EMF-Belastung nicht im Zusammenhang stehen.

Möglicherweise spiegeln die den elektromagnetischen Feldern zugeschriebenen Beschwerden eher ungünstige Arbeitsbedingungen (z. B. Computerarbeitsplatz, flackerndes Licht, Stress) oder Innenraumprobleme (Schimmel, Innenraumluft, Infraschall usw.) wieder.

Im Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramm wurde das Phänomen "Elektrosensibilität/-sensitivität" in drei Institutionen epidemiologisch und an Probanden näher untersucht :

1. TU Graz: Untersuchung der Schlafqualität bei elektrosensiblen Anwohnern von Basisstationen unter häuslichen Bedingungen (EPROS-Studie).

Ergebnis: In den Schlafzimmern der Betroffenen wurde die Schlafqualität mit und ohne Elektrosmogabschirmung verglichen, wobei auch Scheinschirme verwendet wurden. Ein Einfluss hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf die Schlafqualität wurde nicht gefunden. Nach Auffassung des Studienleiters ist ein EMF-Einfluss auf den Schlaf, wenn er bei den am stärksten betroffenen Fällen (da selektiertes Probandengut) nicht nachgewiesen werden kann, auch sonst nicht zu erwarten.

2. Bezirksklinikum Regensburg: Untersuchung des Phänomens "Elektrosensibilität" mittels einer epidemiologischen Studie an "elektrosensiblen" Patienten einschließlich der Erfassung klinischer Parameter.

Ergebnis: Es "...ließ sich bisher kein Zusammenhang zwischen EMF und den Beschwerden der Betroffenen nachweisen. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen EMF und den Beschwerden kann daher mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden."

3. Johannes Gutenberg-Universität Mainz: Untersuchung elektrosensibler Personen im Hinblick auf Begleitfaktoren bzw. -erkrankungen, wie z.B. Allergien und erhöhte Belastung mit bzw. Empfindlichkeit gegenüber Schwermetallen und Chemikalien (MCS).

Ergebnis: Es "sollte geklärt werden, ob die von Betroffenen behauptete im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöhte Belastung mit Allergien und Chemikalien bzw. verringerte Entgiftungskapazität der Leber tatsächlich gegeben ist. Im Gruppenvergleich ergaben sich zwar bei einigen klinisch-chemischen Parametern Unterschiede zwischen den Elektrosensiblen und den Kontrollpersonen, die aber innerhalb der Normbereiche lagen und daher von Ärzten als klinisch nicht bedeutsam bewertet werden. Insbesondere zeigten sich keine Veränderungen, die die Symptomatik der betroffenen Personen erklären könnten. Für eine besondere Belastung mit Allergien und Chemikalien und eine verringerte Entgiftungskapazität der Leber ergaben sich keine Anhaltspunkte. ... In dem hier vorliegenden Vorhaben konnten keine medizinisch-biologischen Parameter ermittelt werden, anhand derer elektrosensible Personen eindeutig charakterisiert werden könnten. ...

Es zeigte sich aber, dass signifikant deutlich mehr Elektrosensible als Kontrollpersonen an somatoformen Störungen leiden, d. h. dass für die von ihnen beschriebenen Symptome keine bzw. keine adäquate körperliche Ursache gefunden werden kann. ...

Weiterer Forschungsbedarf besteht hinsichtlich des zeitlichen Verlaufs der Elektrosensibilität über einen längeren Zeitraum hinweg und möglicher Verbindungen zu anderen Krankheitsbildern, für die Umwelteinflüsse als Ursache angegebenen werden (wie z. B. multiple Chemikaliensensibilität)."

Stand: 19. April 2017 - 12:26 Uhr

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