Diagnostik und Vorbeugung

Diagnostik

Ermittlung der Wahrnehmungsschwelle für NF-Wechselstrom bei Personen mit selbst berichteter Elektrosensibilität:

Ein wirklich zuverlässiger diagnostischer Test auf Elektrosensibilität / Elektrosensitivität  ist nicht verfügbar, zumal das Phänomen wissenschaftlich umstritten ist.

Forschung zu Elektrosensibilität / Elektrosensitivität findet an der Universität Witten-Herdecke und an der TU Graz statt.

Beim Grazer Verfahren werden bei der Versuchsperson 2 Elektroden am Unterarm angebracht, die in einen Stromkreis eingebunden sind. Die Stromstärke des niederfrequenten Stroms (50 Hz) wird computergesteuert  - stufenweise und mit Pausen - bis zur Wahrnehmung erhöht. Die Versuchsperson soll bei seiner Wahrnehmung  einen Schalter betätigen. Auf diese Weise wird die individuelle Wahrnehmungsschwelle ermittelt. Der Versuch findet "doppelblind" statt, d.h. weder Versuchsleiter noch Versuchsperson wissen, ob ein Feld anliegt oder nicht.

Ob eine auf diese Weise festgestellte Fähigkeit zur besseren Wahrnehmung eines niederfrequenten Stroms mit der selbstberichteten Beeinträchtigung durch niederfrequente und hochfrequente Felder übereinstimmt, wird noch untersucht.

Anmerkung: Am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der RWTH Aachen läuft derzeit ein Projekt zu Schwellenwerten der Wahrnehmung statischer Felder, wie sie bei der Hochspannungsgleichstromübertragung auftreten (RWTH 2019).

Vorbeugung

Im Bereich der Hausinstallation lassen sich sinnvolle Maßnahmen benennen, deren Umsetzung aber dem Fachmann vorbehalten ist:

  • Einbau von Fehlerstrom-Schutzschaltern: diese können Leckströme aus schadhaften Leitungen verhindern.
  • Durch eine geeignete Positionierung des Schaltkastens kann die Belastung mit Magnetfeldern verringert werden.
  • Bei Einphasen-Systemen sollten Hin- und Rückströme über den gleichen Weg geführt werden.

Weitere denkbare Maßnahmen zur Verringerung elektrischer Wechselfelder beinhalten:

  • den Einbau automatischer Netzfreischalter
  • den Einbau möglichst kurzer elektrischer Leitungen (eng aneinanderliegend verlegen!)
  • die Abschirmung von Kabeln
  • das Abstandhalten zu elektrischen Leitungen und Elektroverbrauchern
  • das Steckerziehen aus Geräten, die nicht in Betrieb sind.

Hinweis: Netzfreischalter reduzieren das elektrische Feld nur etwa um den Faktor 20, da weiterhin eine Hilfsspannung von ca. 2 - 10 Volt anliegt.

Weniger sinnvolle Maßnahmen sind der Einsatz von...

  • Graphit- oder Silberfarben als Wandfarben, metallisierte Tapeten und Vliese
  • metallisierten Gipskartonplatten und/oder Unterputz-Abschirmgittern
  • Fenstern mit Metallbedampfung oder Metallfolie zur Abschirmung (übliche Wärmeschutzfenster dämpfen bereits etwa 10 000-fach)
  • Textilien mit eingewebten Metall- oder Carbonfäden (z.B. Vorhänge oder Bettwäsche)

Aufwändige Abschirmungskonzepte zum "Schutz vor elektromagnetischen Feldern", wie sie von manchen Baubiologen angeboten werden, sollten sehr kritisch hinterfragt werden! Das BfS hat hierzu eine Stellungnahme veröffentlicht.

Insgesamt können diese Maßnahmen für manche Patienten ein Weg sein, um mit den Beschwerden umzugehen und den Leidensdruck zu verringern. Es sollte allerdings immer bedacht werden, dass hierbei nur die elektrischen und die hochfrequenten Felder verringert werden, die als weitgehend unkritisch angesehen werden. Magnetische Felder lassen sich nicht auf einfache Weise abschirmen.

Stand: 28. Juli 2019 - 15:52 Uhr

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