Dürfen immunsupprimierte Kinder Kontakt zu Haustieren haben?

Es existieren zahlreiche Infektionserreger, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können (sog. Zoonosen).

Die Infektionswahrscheinlichkeit ist bei immunsupprimierten Kindern höher, wenn diese mit Tieren im selben Haushalt leben.

Die nachfolgende Tabelle führt einige Zoonosen exemplarisch auf:

Tier bzw. Tierhaltung Erkrankungen bzw. Erreger
Aquarien

Atypische Mycobakterien
Pseudomonas aeruginosa
u.a.

Hund Bissverletzung, Lecken von Wunden (Capnocytophaga canimorsus),
Darmparasiten
Kälber, Fohlen Enterohämorrhagische Escherichia coli u.v.a.

Katze

Toxoplasmose
Katzenkrankheit,
Peliosis hepatis (Bartonella hensellae)

Lämmer, Schafherden Q-Fieber (Coxiella burnetii)
Wildmäuse (bestimmte) Hantavirus
Leptospiren
Pferde Rhodococcus equi
Aspergillus
spp. u.a.
Reptilien (z.B. Schildkröten, Schlangen, Geckos) Salmonellose (seltene Serovare)
Tauben Crytococcus spp.
Wellensittich Chlamydia psittaci (Papageienkrankheit)

Tabelle nach Simon, A. (2013)

Was ist bei einem Tierkontakt zu beachten?

Bis auf wenige Ausnahmen ist es nicht erforderlich Haustiere abzugeben, sofern einige Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden. Auf jeden Fall ist eine gute Basishygiene erforderlich, die u.a. Hände waschen und eine anschließende Desinfizierung beinhaltet. Eltern sollten ihre Kinder bei Tierkontakten immer beaufsichtigen.

Es ist angebracht Haus- und Nutztiere tierärztlich überwachen und regelmäßig entwurmen zu lassen. Bei Symptomen, die auf eine Infektion hindeuten, sollten die Tiere untersucht werden.

Wann sollte ein Kontakt nicht stattfinden?

Ein Kontakt zu Tieren sollte generell vermieden werden

  • bei einer Induktionstherapie (Leukämie, hoch malignes Lymphom) und
  • nach einer Stammzelltransplantation.

Sofern eine immunsuppressive Therapie bereits begonnen hat, raten Wissenschaftler von der Anschaffung von Tieren ab.

Reptilien

Reptilien können seltene Salmonellen-Variationen übertragen. Diese befinden sich auf der Haut, im Rachen, an der Kloake oder an Gegenständen und Oberflächen, mit denen das Tier in Berührung gekommen ist.

Eltern hochgradig immunsupprimierter Kinder sollten daher darauf achten, dass kein Kontakt zu Reptilien entsteht. Eine Übertragung der Krankheitserreger kann durch direkten und durch indirekten Kontakt erfolgen.

Hunde und Katzen

Ärzte raten immunsupprimierten Kindern auf das Schmusen mit Hunden und Katzen zu verzichten. Die Tiere sind vom Schlafzimmer bzw. vom Bett fernzuhalten. Es ist sinnvoll, wenn die Reinigung der Katzentoilette und anderer Gegenstände von gesunden Personen übernommen wird. Die Hunde- bzw. Katzendecke sollte wöchentlich bei 60 °C gewaschen werden.

Jede Wunde, auch eine oberflächliche Kratzwunde, ist antiseptisch zu behandeln. Bei Bissverletzungen ist die Klinik aufzusuchen. Ein Ablecken der Wunden durch den Hund ist zu vermeiden.

Hundebesitzer sollten darauf achten, dass ihre Lieblinge keine Wildmäuse fressen und nicht in Badeseen oder Flüssen baden.

Aquarien

Das Wasser von Aquarien kann viele Krankheitserreger enthalten. Aus diesem Grund ist es für immunsupprimmierte Kinder sicherer, die Fische ausschließlich zu beobachten und nicht mit dem Wasser in Berührung zu kommen.

Streichelzoo

Von ärztlicher Seite wird immunsupprimierten Kindern von einem Besuch im Streichelzoo abgeraten.

Wildtiere

Durch den Kontakt zu Wildtieren wie Tauben, Mäusen, Ratten, Hasen, Igeln, Kälbern, Fohlen, Lämmern und Schafherden können ebenfalls Krankheitserreger übertragen werden. Daher sollten Wildtiere von immunsupprimmierten Kindern generell gemieden werden. Es wird ebenfalls davon abgeraten, kranke Tiere „zur Pflege“ mit nach Hause zu nehmen oder Tierkadaver anzufassen.

Stand: 1. Oktober 2019 - 11:47 Uhr

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