Diagnose, Therapie und Prognose

Diagnose von Nahrungsmittelallergien

Die Diagnose einer Allergie zu stellen, ist in gewisser Weise Detektivarbeit. Es ist notwendig, alle wichtigen Indizien zu sammeln. Dazu gehören:

  • Die ausführliche Krankengeschichte (Anamnese). Treten Beschwerden direkt nach dem Genuss eines Nahrungsmittels auf (zum Beispiel unmittelbar nach Genuss von Milch eine Lippenschwellung), ist der Zusammenhang relativ einfach feststellbar. Bei einer verzögerten Reaktion, welche nach Stunden bis Tagen auftreten kann, ist die Ursache häufig nicht einfach festzustellen.
  • Ein genaues Symptom-Nahrungsmittel-Tagebuch kann helfen. Hier muss der Patient über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen alle verzehrten Nahrungsmittel, beobachtete Symptome und weitere Besonderheiten wie Infekte oder Medikamenteneinnahmen festhalten.
  • Besteht der Verdacht gegen ein bestimmtes Nahrungsmittel, werden ein oder mehrere Allergietests durchgeführt. Das Blut wird auf allergieauslösende IgE-Antikörper untersucht, oder ein Hauttest (Pricktest) wird durchgeführt. Wichtig: Blut oder Hauttest können nur zeigen, ob Allergie-Antikörper vorhanden sind oder eine Sensibilisierung vorliegt, jedoch nicht, ob diese Antikörper tatsächlich krankmachende Symptome auslösen. Sie sind somit kein Beweis für die Allergie, sondern nur ein sehr wichtiges Indiz. Für Pseudoallergien gibt es keine zuverlässigen Blut- oder Hauttestungen!
  • Bei Kreuzallergien (z.B. birkenpollenassoziierte Nahrungsmittelallergene wie Haselnuss, Karotte, Sellerie, Apfel) kann es hilfreich sein gezielt nach dem individuellen Sensibilisierungsmuster des Betroffenen zu suchen, d.h. z.B. genau die Allergene der Birke und Haselnuss zu identifizieren auf die der Patient reagiert. Dies kann für die Beratung und Therapie hilfreiche Hinweise geben.
  • Sind die Indizien bisher nicht sicher genug und bestehen noch Unklarheiten, ist die Durchführung eines Auslass- und Belastungstests (Elimination und Provokation) notwendig. Das Weglassen eines verdächtigen Nahrungsmittels muss eine Symptombesserung, das Wiedereinführen eine Symptomverschlechterung zur Folge haben. Elimination und Provokation sind die sichersten Methoden, die für die Diagnosefindung zur Verfügung stehen. Eine spezifische Eliminationsdiät wird i.d.R. innerhalb von 4 Wochen durchgeführt. Lassen sich keine spezifischen Lebensmittel herausfiltern, kommt eine oligoallergene Basisdiät in Betracht. Pseudoallergische Reaktionen auf Nahrungsmittel können nur durch Elimination oder Provokation diagnostiziert werden. Weitere Informationen zu oralen Provokationstestungen finden Sie auf Allum im Artikel "Orale Provokation zur Diagnose einer Nahrungsmittelallergie".
  • Die Immunglobuline G (kurz IgG; Antikörper) - Bestimmungen haben zur Diagnose von Nahrungsmittelallergien keinen Stellenwert

Therapie

Wenn eine Nahrungsmittelallergie gesichert ist – und nur dann – muss das entsprechende Nahrungsmittel strikt gemieden werden. Die Betroffenen müssen ihre Ernährung entsprechend umstellen. Die Karenz ist die einzige Therapieform mit nachgewiesener Wirksamkeit.

Da die Nahrungsmittelallergie eine sehr komplexe Erkrankung ist, braucht jeder Allergiker eine individuelle Beratung durch eine allergologisch erfahrene Ernährungsfachkraft. Eine gute Beratung ist wichtig, da falsche und unausgewogene Ernährung, insbesondere bei Kindern, zu Mangelzuständen führen kann.

Seit November 2007 müssen nach der EU-Richtlinie 2007/68/EG die 14 häufigsten Auslöser für Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten in der Zutatenliste eines Lebensmittels aufgelistet werden:

  • Krebstiere und Krebserzeugnisse
  • Eier und Eiererzeugnisse
  • Fisch und Fischerzeugnisse
  • Erdnüsse und Erdnusserzeugnisse
  • Sojabohnen und daraus gewonnene Produkte
  • Milch und Milcherzeugnisse (einschließlich Laktose)
  • Schalenfrüchte, d.h. Mandeln, Pistazien, Hasel-, Wal-, Kaschu-, Pekan-, Para-, Makadamia- und Queenslandnüsse und daraus gewonnene Erzeugnisse
  • Sellerie und Sellerieerzeugnisse
  • Senf und Senferzeugnisse
  • Sesamsamen und Sesamerzeugnisse
  • Schwefeldioxid und Sulfite (Konzentration mehr als 10mg/kg oder 10mg/l), ausgedrückt als SO2
  • Lupine und daraus gewonnene Erzeugnisse
  • Glutenhaltiges Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut oder deren Hybridstämme) und daraus gewonnene Erzeugnisse
  • Weichtiere und daraus gewonnene Erzeugnisse

Gelangen jedoch unbeabsichtigt Spuren der Allergene in ein Lebensmittel, so ist es bislang den Herstellern überlassen, ihre Produkte für Allergiker entsprechend zu beschriften. Eine gesetzliche Regelung existiert hier nicht. Vorsorglich kennzeichnet die Lebensmittelindustrie ihre Produkte mit Hinweisen wie „Kann Spuren von Erdnüssen enthalten“ oder „In unserem Betrieb wird auch Fisch verarbeitet“, obwohl nicht gesichert ist, ob die Allergene im Produkt enthalten sind. Für Allergiker kann das eine erhebliche Einschränkung in der Produktauswahl bedeuten.

Unverpackte Lebensmittel oder Speisen im Restaurant unterliegen keiner Kennzeichnungspflicht. Ab Ende 2014 müssen aber auch diese Produkte gekennzeichnet werden, wenn sie Allergene enthalten. Nähere Informationen erhalten Sie auf Allum in dem Beitrag zur „Lebensmittelkennzeichnung“.

Bei einigen Nahrungsmitteln, insbesondere bei Ei, Milch, Nüssen und Erdnüssen, kann es durch versteckte Allergene zu ungewollten Diätfehlern kommen. Dies kann unerwartete Reaktionen hervorrufen. Bei solchen Reaktionen müssen Notfallmedikamente verabreicht werden, welche die Wirkung stoppen. Kam es in der Vorgeschichte bereits einmal zu einer Anaphylaxie, ist das Tragen eines Notfallsets und das Einüben des richtigen Umgangs damit unbedingt notwendig. Mehr zur Anaphylaxie erfahren Sie im Artikel "Anaphylaktische Reaktion – der allergologische Notfall".

Informationen zur spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung bei Nahrungsmittelallergie) finden sich hier.

Eine neue Therapieform bei Nahrungsmittelallergien ist die orale Immuntherapie. Bisher findet diese jedoch nur in Studien Anwendung.

Kann eine Allergie wieder verschwinden?

Mehrere Studien zeigten, dass bis zu 80 Prozent aller Kinder, die vorher auf Kuhmilch oder Hühnereiweiß reagierten, ihre Allergie bis zum Schulalter verlieren (Bock 1982; Dannaeus 1981; Høst et. al. 1990). Deshalb sollte der Kinderarzt in regelmäßigen Abständen kontrollieren, ob die Allergie noch besteht und ob eine entsprechende Diät noch eingehalten werden muss.

Im Erwachsenenalter bleiben die Nahrungsmittelallergien in den meisten Fällen erhalten, insbesondere wenn es sich um pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien handelt. Hier kann dann die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierungsbehandlung) eine Lösung und Hilfe sein.

Leitlinien:

Kleine-Tebbe, J., Ballmer-Weber, B., Beyer, K., Erdmann, S., Fuchs, T., Henzgen, M., et al. (Februar 2009). In-vitro-Diagnostik und molekulare Grundlagen von IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF): www.awmf.org

Lepp U. et. al: Therapiemöglichkeiten bei der IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergie. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) unter Beteiligung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DGG), des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) und der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin. Allergo Journal 2010; 19: 187-95. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF): www.awmf.org

Werfel, T., Erdmann, S., Fuchs, T., Henzgen, M., Kleine-Tebbe, J., Lepp, U., et al. (April 2008). Vorgehen bei vermuteter Nahrungsmittelallergie bei atopischer Dermatitis. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF): www.awmf.org

Weitere Leitlinien zum Thema Nahrungsmittelallergien: www.awmf.org. Abgerufen im Oktober 2014

Stand: 14. Juli 2017 - 11:19 Uhr

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