Intranasale Kortikosteroide

Kortikosteroide sind zurzeit die wirksamsten Medikamente für die Behandlung der allergischen und nicht-allergischen Rhinitis.

Die Wirkung der intranasalen Kortikosteroide basiert auf einer lokalen Wirkung. Die Gabe einer gleichen Menge der Kortikosteroide auf oralem Wege eingenommen hat keinen entsprechenden Effekt.

Hintergrund für die Verwendung von Kortikosteroiden an der Nasenschleimhaut selbst ist, dass mit sehr geringen Konzentrationen eine starke Wirkung erreicht werden kann, bei nur geringem Risiko für systemische Nebenwirkungen.

Wirkmechanismus von Kortikosteroiden

Kortikosteroide können in viele Phasen der allergischen Entzündung eingreifen. Viele Zellen und Entzündungsbotenstoffe spielen eine aktive Rolle in der allergischen Entzündung an der Nase und werden durch die Gabe von intranasalen Kortikosteroiden beeinflusst.

Wirkeintritt und Wirkdauer (Pharmakokinetik)

Kortikosteroide zeigen einen langsamen Wirkeintritt und brauchen einige Stunden, um wirklich wirken zu können. Erste deutliche Wirkungen können nach sieben Stunden eintreten; das Maximum der Wirksamkeit kann auch erst nach zwei Wochen erreicht sein. Wichtig für eine optimale Wirkung und Verringerung von Nebenwirkungen ist der richtige Gebrauch.

Wirksamkeit

Intranasale Kortikosteroide sind wirksam gegen alle nasalen Symptome (Nasensupfenekret, Niesen, Juckreiz und auch die verstopfte Nase).

Allerdings profitieren nicht alle Patienten gleich von der Behandlung. Die fehlende Wirkung hat oft damit zu tun, dass

  • das Medikament nicht regelmäßig genommen wird oder, genau so wichtig,
  • das Nasenspray nicht korrekt verwendet wurde, bzw.
  • dass lokale Nebenwirkungen aufgetreten sind.

Richtige Handhabung heißt, dass der Sprühstoß nicht gegen die Nasenscheidewand gerichtet wird. Mit den meisten verfügbaren intranasalen Kortikosteroiden ist eine einmal tägliche Verwendung möglich und ausreichend.

Intranasale Kortikosteroide sind gleich oder stärker wirksam als orale H1-Antihistaminika zur Behandlung der Rhinitis. Sie sind effektiver als topische Cromone (DNCG, Nedocromil). Sie können auch bei intranasalem Einsatz Asthmasymptome positiv beeinflussen.

In allen Leitlinien für die Behandlung der Rhinitis werden intranasale Kortikosteroide als Therapie der ersten Wahl für die Behandlung der milden bis schweren persistierenden allergischen Rhinitis bei Erwachsenen angesehen (Leitlinie DGAI 2003).

Sicherheitsaspekte

Lokale Nebenwirkungen

Die verfügbaren intranasalen Zubereitungen werden meistens gut vertragen. Nasenkrusten, trockene Nase und eine etwas verstärkte Blutungsneigung kann bei 8 - 10% der Patienten auftreten. Dies kann dazu führen, dass das Medikament bei einigen Patienten abgesetzt werden muss. Intranasale Kortikosteroide können auch langfristig eingesetzt werden, ohne dass es zu einer Verdünnung oder Schädigung der Nasenschleimhaut kommt.

Systemische Wirkungen

Störung des Kortison-Hormon-Regelkreises

Lokal auf die Schleimhaut aufgebrachte Kortikosteroide werden im geringen Maße auch in die Blutbahn aufgenommen und könnten je nach Dosis auch systemische Wirkungen entfalten. Bei Patienten, die nur intranasale Kortikosteroide erhalten, konnte bisher nur ein sehr geringes Risiko für eine negative Beeinflussung des Kortison-Hormon-Regelkreises gefunden werden. Es fehlen aber noch mehr Studien, um die Wirkung der Kombination intranasaler und inhalativer Kortikosteroide (für die Asthmatherapie), vor allem bei Kindern abzuschätzen.

Andere Nebeneffekte

Andere Nebenwirkungen wie eine Verdünnung der Haut, die verstärkte Entwicklung von grünem Star, Katarakt, Stoffwechselstörungen und Verhaltensänderungen konnten bisher bei Patienten, die allein intranasale Kortikosteroide enthielten, nicht gezeigt werden.

Bei Kindern konnte in einem Fall eine Wachstumsstörung bei einer Anwendung von Beclometason intranasal über ein Jahr gezeigt werden. Andere Studien konnten diesen Nebeneffekt nicht zeigen. Aus Studien mit inhalativen bronchialen Kortikosteroiden in der Asthmatherapie ist bekannt, dass eine längere Behandlung nicht mit dauerhaften negativen Auswirkungen auf das Wachstum von Kindern verbunden ist.

Ähnliches ist auch für die intranasale Applikation von Kortikosteroiden anzunehmen.

Bei Kindern ist die Kombination und die sich addierende Dosis intranasaler und inhalativer Kortikosteroide bei gleichzeitiger Behandlung von allergischer Rhinitis und Asthma zu bedenken. Gleiches gilt für die Behandlung von Kindern mit Neurodermitis und allergischer Rhinitis, die Kortisonzubereitungen über die Haut und die Schleimhaut aufnehmen.

Literatur: 

Bousquet, J. et al.: Requirements for medications commonly used in the treatment of allergic rhinitis. Allergy 2003 Band 58; 3:192 – 197.

Interdisziplinäre Arbeitsgruppe "Allergische Rhinitis" der Sektion HNO: Allergische Rhinokonjunktivitis. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie. Allergo J 2003; 12:182-194.

Derendorf H, Meltzer EO. (2008): Molecular and clinical pharmacology of intranasal corticosteroids: clinical and therapeutic implications. Allergy Band 63 S. 1292-300.

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Okano M. Mechanisms and clinical implications of glucocorticosteroids in the treatment of allergic rhinitis. Clin Exp Immunol, 2009, 158(2), 164-73.

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Stand: 10. Juli 2019 - 11:20 Uhr

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