Lyme-Borreliose

Lyme-Borreliose ist eine Multisystemerkrankung. Sie tritt überwiegend zwischen dem 40. und 60. Grad nördlicher Breite auf und ist in Deutschland die am häufigsten von Zecken übertragene Krankheit. Etwa jede 3. bis 4. Zecke ist ein potenzieller Überträger der Infektionskrankheit.

Der Erreger der Lyme-Borreliose ist das Bakterium Borrelia burgdorferi, von dem in Europa fünf verschiedene Subtypen auftreten. Diese werden häufig von Zecken übertragen und kommen in allen Teilen Deutschlands sowie in Städten und ländlichen Gebieten vor.

Nach Schätzung des Robert Koch-Instituts liegt die Wahrscheinlichkeit, nach einer in Deutschland erlittenen Zeckenattacke an Borreliose zu erkranken, bei 1 zu 300 und steigt mit der Dauer des Saugaktes. Die jährliche Inzidenzrate für Deutschland liegt bei etwa 215.000 Neurerkranungen.

Die Borreliose unterliegt zwar auch dem Infektionsschutzgesetz, sie ist jedoch nur in den neuen Bundesländern meldepflichtig.

Symptome und Verlauf der Lyme-Borreliose

Nicht jede Borreliose verläuft schlimm: Etwa 80% der Infektionen verlaufen unbemerkt. Bei einer Infektion sind vielfältige Symptome möglich, die zum Beispiel das Organsystem, die Haut, das Nervensystem oder die Gelenke betreffen können. Wenn die Zecke innerhalb von 24 Stunden bemerkt und sachgerecht entfernt wird, kommt es meist nicht zu einer Übertragung.

Die Infektionen, die zu einer Erkrankung führen, lassen sich in Stadien einteilen:

Im 1. Stadium (nach 5-29 Tagen) tritt häufig eine sich ausbreitende Hautrötung rund um die Einstichstelle herum auf (Erythema migrans). Diese Wanderröte ist ein sehr deutliches Zeichen für das Vorliegen einer Borreliose-Infektion, ist aber nur bei ca. 50% der Infizierten zu sehen. Zu einer Wanderröte können auch Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und leichtes Fieber auftreten. In diesem frühlokalisierten Stadium verspricht eine Antibiotika-Behandlung eine hohe Heilungsquote.

Im 2. Stadium (nach bis zu 12 Wochen) verursacht die Ausbreitung der Erreger im Körper  grippeartige Symptome. Außerdem können Organe, Gelenke und Muskeln befallen sein, was Schmerzen und Beschwerden verursacht. Ebenfalls können Sehstörungen und Herzprobleme können auftreten.

Wenn sie unbehandelt bleibt, kann die Lyme-Borreliose in einigen Fällen auch fortschreitend und langwierig verlaufen. Das heißt, dass sie über Jahre hinweg immer wieder zum Vorschein kommt. In der Regel treten dann schwere Erkrankungen auf, die sich im Laufe der Jahre zunehmend verschlimmern, zwischendurch aber auch lange Zeit verschwunden sein können. Diese chronische Infektion gilt als 3. Stadium.

Die unterschiedlichen Erregertypen scheinen verschiedene Krankheitsbilder auszulösen. Bei einem Teil der Patienten sind fast nur die Gelenke betroffen, bei anderen kommt es hauptsächlich zu neurologischen Störungen, wieder andere Patienten haben Herzprobleme. Viele Borreliose-Patienten klagen über eine unerträgliche Erschöpftheit und Müdigkeit, die sich auch durch ausreichend Schlaf nicht beseitigen lässt.

Diagnose der Lyme-Borreliose

In einigen Fällen zeigt eine Lyme-Borreliose so klare Symptome und Zusammenhänge, dass die Diagnose allein durch die Anamnese (Befragung) vom Arzt gestellt werden kann. Die Diagnose kann jedoch auch schwierig werden. Denn da die Symptome oft zeitlich verzögert auftreten, erinnern sich die Patienten oft gar nicht daran, von einer Zecke gestochen worden zu sein. Zudem können die Symptome sehr unspezifisch sein.

Die vom Arzt durch die Anamnese und die körperliche Untersuchung gestellte Diagnose kann mit Bluttests im Labor bestätigt werden. Diese werden zum Beispiel gemacht, wenn die typische Wanderröte fehlt. Bei diesen Bluttests wird das Blut auf Antikörper gegenüber Borrelien-Proteinen untersucht. Es wird zunächst ein Suchtest durchgeführt, dessen Ergebnis wird danach mit einem Bestätigungstest noch einmal geprüft. Die Tests können jedoch nicht zeigen, ob ein Patient nur die Erreger im Körper trägt oder tatsächlich erkrankt ist.

Die Aussagekraft solcher immunologischer Tests hängt von dem Stadium der Erkrankung ab. Im ersten Stadium ist ein Test meist unnütz, da oftmals noch keine Antikörper gebildet wurden.

Die Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. hat im November 2010 eine Stellungnahme "Klinisch gesteuerte rationale Borreliose-Diagnostik" veröffentlicht, die sich an die Fachöffentlichkeit und an gut informierte Betroffene wendet (DAKJ 2010; Download als PDF-Datei, 103 KB).

Behandlung und Prävention

Wird aufgrund der Symptome (nicht allein aufgrund der Laborwerte) eine Lyme-Borreliose diagnostiziert, sollte ärztlicherseits eine Behandlung mit geeigneten Antibiotika erfolgen. Eine Antibiotikatherapie ist nicht in jedem Fall nötig, sie kann jedoch den klinischen Verlauf verkürzen und weitere Komplikationen vermeiden.

Momentan befindet sich ein Azithromycin-Gel gegen Borrelien in der klinischen Erprobung. Wenn es kurze Zeit nach Entdeckung des Zeckenstichs - also noch vor dem Auftreten etwaiger Symptome - aufgetragen wird, kann das Gel offenbar eine Borreliose-Infektion verhindern, da sich Borrelien nach dem Stich der Zecke noch längere Zeit in der Nähe der Einstichstelle aufhalten.

Das oberste Ziel zur Vermeidung einer Borreliose-Infektion ist die Vermeidung von Zeckenstichen. Hierfür ist das Tragen langer Kleidung , die Meidung von zeckenbefallenen Gebieten und das Absuchen des Körpers sinnvoll. Eine frühzeitige Entfernung der Zecke reduziert ebenfalls das Risiko einer Ansteckung.

Stand: 28. März 2019 - 12:42 Uhr

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