Abschließende Bewertung

Amalgam als Ursache von Beschwerden

AmalgamUm zu klären, ob Dentalamalgam als Ursache für gesundheitliche Beschwerden in Frage kommt, sollte zunächst von einem Zahnarzt der Zustand der Amalgamfüllungen untersucht werden.

Anschließend sollte ein erfahrener Allergologe entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Kontaktallergiegruppe einen Epikutantest vornehmen.

Ärztlicherseits wird zur Entfernung von Amalgamfüllungen dann angeraten, wenn mittels Hauttest (Epikutantest) eine Amalgamallergie nachgewiesen wurde und es zu charakteristischen Veränderungen an der Mundschleimhaut in zeitlichem und örtlichem Zusammenhang mit den Füllungen gekommen ist. Amalgamallergien sind allerdings sehr selten.

Falls aus umweltmedizinischer Sicht Biomonitoringuntersuchungen angeraten werden, sollte die Quecksilberbestimmung im 24-Stunden-Urin bzw. im Morgenurin erfolgen. Hierbei sollte auf die Gabe von Komplexbildnern verzichtet werden.

Die umweltmedizinische Bewertung erfolgt anhand der Referenz- und HBM-Werte (Kommission "Human-Biomonitoring" des Umweltbundesamtes) unter Einbeziehung der privaten Lebenssituation, Essgewohnheiten, etwaiger beruflicher Expositionen usw. Bei wiederholter amalgambedingter Überschreitung des HBM-I-Wertes sollte gegebenenfalls der Selenstatus überprüft werden (die Selenkonzentration im Blutserum sollte 50 Mikrogramm Selen pro Liter übersteigen).

Zukünftige Verwendung von Zahnamalgamen

Die Kommission "Methoden und Qualitätsicherung in der Umweltmedizin" hält eine weitere Minimierung der zahnärztlichen Amalgamverwendung für wünschenswert (RKI 2007). Der Wissenschaftliche EU-Ausschuss SCENIHR teilt diese Auffassung (SCENIHR 2015).

Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sollten Amalgamfüllungen nicht mehr gelegt werden:

  • bei Sanierungsmaßnahmen am Milchgebiß
  • während der Schwangerschaft und Stillzeit
  • beim Vorhandensein anderer metallischer Zahnwerkstoffe mit direktem Kontakt mit den (zu legenden) Amalgamfüllungen
  • bei der Diagnose so genannter lichenoider Reaktionen im Mundbereich
  • bei Patienten mit Niereninsuffizienz
  • bei festgestellter Allergie (Typ IV) gegenüber Amalgam.

Nach einer Entscheidung des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments darf ab Juli 2018 Amalgam nicht mehr als Zahnfüllung bei Jugendlichen unter 15 Jahren sowie bei schwangeren oder stillenden Frauen eingesetzt werden.

Welche Alternativen zu Amalgam gibt es? Sind sie "risikoärmer" als Amalgam? Informationen zu neueren Zahnfüllungsmaterialien finden sich hier.

Zusätzliche Informationen: 

Der bei der Europäischen Kommission angesiedelte Wissenschaftliche Ausschuss "Neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken" (European Commission Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks, SCENIHR) hat den Auftrag erhalten, eine wissenschaftliche Stellungnahme zur Sicherheit von Dentalamalgam und alternativen Werkstoffen abzugeben. Diese ist inzwischen veröffentlicht worden (SCENIHR April 2015).

Nach Auffassung des Ausschusses sind sowohl die Versorgung mit Dentalamalgam als auch die Versorgung mit alternativen Materialien zur Wiederherstellung der Zahngesundheit geeignet. Beide (!) Versorgungsarten können in seltenen Fällen lokale Reaktionen hervorrufen. Hinweise auf eine so genannte systemische Wirkung (gesundheitliche Folgen für den Körper in seiner Ganzheit) liegen nicht vor. Gleichzeitig sollte verstärkt nach alternativen Füllungsmaterialien mit hoher Biokompatibilität gesucht werden.

Zum Quecksilberverbot in zahlreichen Bedarfsgegenständen und Medizinprodukten einschließlich Amalgam auf der EU-Ebene siehe Quecksilber-Informationstext .

Stand: 6. August 2019 - 11:00 Uhr

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