Vorgehen bei Amalgambeschwerden

Empfohlene Vorgehensweise bei Patienten mit Verdacht auf amalgambedingte Gesundheitsstörungen

AmalgamDie Kommission „Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin“ empfiehlt in ihrer Stellungnahme vom September 2007 den Ärzten, bei Vorstellung von Patienten mit selbstvermuteter "Amalgamkrankheit" ausführliche differentialdiagnostische Überlegungen und Untersuchungen anzustellen und mit dem Patienten zu besprechen, dass die meist unspezifischen Symptome wie Konzentrationsschwäche, Abgeschlagenheit und Kopfschmerz vielerlei Ursachen haben können und nicht für eine Quecksilberbelastung typisch sind.

Für die gelegentlich vermuteten Zusammenhänge zwischen Amalgam und bestimmten Krankheiten (wie z.B. Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson, ALS, Autismus, Hormonstörungen und multipler Sklerose) gibt es keine Belege, die einer wissenschaftlichen Prüfung standhalten würden.

Aus umweltmedizinischer Sicht können folgende Ratschläge zum diagnostischen und therapeutischen Vorgehen gegeben werden:

Beurteilung der Qualität von Amalgamfüllungen, Legen und Entfernen

Ob Amalgamfüllungen als Ursache für eine bestehende erhöhte Quecksilberbelastung des Körpers in Frage kommen, kann nur ein erfahrener Umweltmediziner und der Zahnarzt feststellen.

Dabei spielen die Anzahl und Größe der Füllungen, Korrosion, Abrieb und der direkte Kontakt zu anderen Legierungen eine Rolle.

Die Quecksilberbelastung beim Legen oder Entfernen von Amalgamfüllungen kann durch geeignete zahnärztliche Maßnahmen (Absaugen, Kofferdamm usw.) minimiert werden. Der Zahnarzt wird bei einer Amalgamentfernung auf ausreichende Wasserspraykühlung (mindestens 50 mL pro Minute) achten und den Bohrer mit möglichst geringem Führungsdruck führen. Unter diesen Bedingungen ist die Quecksilberbelastung am geringsten (Lichtnecker et al. 1997).

Polieren

Durch Polieren erzeugt der Zahnarzt an der Oberfläche jeder neuen Amalgamfüllung eine Oxydschicht, welche die Quecksilberabgabe minimiert. Daher stellen fachgerecht gelegte und polierte Amalgamfüllungen in den allermeisten Fällen kein Gesundheitsrisiko dar. Die Politur sollte frühestens  24 Stunden nach Legen der Amalgamfüllung erfolgen.

Kaugummikauen

Regelmäßiges Kaugummikauen kann die Oxydschicht der Amalgamfüllungen beschädigen. Daher sollte auf allzu häufigen Kaugummigenuss verzichtet werden. Die beste Vorbeugung gegenüber einer amalgambedingten Quecksilberbelastung ist natürlich die Kariesprophylaxe.

Entgiftung mit Chelatbildnern

Zur "Entgiftung" mittels Chelatbildnern (beispielsweise DMPS) nimmt die Kommission Human-Biomonitoring wie folgt Stellung:

"Nach den hier vorliegenden Erkenntnissen sieht die Kommission keine Indikation für die Anwendung von Chelatbildnern im umweltmedizinischen Bereich, z. B. auch nicht nach der Entfernung von Amalgamfüllungen. Weder die Wirksamkeit noch die Harmlosigkeit dieser Substanzen ist in der Umweltmedizin ausreichend belegt. Dies gilt insbesondere auch für den Einsatz von Chelatbildnern als Diagnostikum (Mobilisationstest)."

Stand: 6. August 2019 - 10:59 Uhr

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