Farbmittel

Farbstoffe und Hilfsmittel in BekleidungstextilienTextilfarbmittel unterscheiden sich in ihrer Löslichkeit, ihrer chemischen Klassifikation und der Art des Färbeprozesses.

Unter Farbstoffen im eigentlichen Sinne werden gut lösliche Farbmittel verstanden. Die schwer oder nicht löslichen Farbmittel werden als Pigmente bezeichnet. Pigmente werden im Allgemeinen über die Haut nicht resorbiert.

Unter chemischen Aspekten kann man Farbmittel in Azofarbstoffe, Anthrachinonfarbstoffe, Metallkomplexfarbstoffe und weitere Gruppen einteilen.

Direktfarbstoffe, Reaktivfarbstoffe und Dispersionsfarbstoffe

Auch der Färbeprozess ist für gesundheitliche Betrachtungen wichtig.

Wasserlösliche, sogenannte Direktfarbstoffe, werden in Hohlräumen der Faser gebunden, die Bindung ist jedoch nicht sehr stark und die Farbechtheit begrenzt.

Dagegen sind so genannte Reaktivfarbstoffe durch eine kovalente Bindung fest an die Faser gebunden, sodass hier kaum mit einer Farbstofffreisetzung zu rechnen ist.

Eine weitere Gruppe bilden die Dispersionsfarbstoffe. Meist handelt es sich hier um Farbstoffe kleiner Molekülgröße und guter Fettlöslichkeit bei begrenzter Wasserlöslichkeit, die in den Chemiefasern gelöst werden. Dabei kommen organische Lösungsmittel (Färbebeschleuniger, Carrier) zum Einsatz. Bei Fehlern im Färbeprozess (Überfärbung, falsches Textil usw.) kann es zum Freisetzen dieser Dispersionsfarbstoffe kommen. Die Fettlöslichkeit und kleine Molekülgröße der Dispersionsfarbstoffe und Carrier hat zur Folge, dass sie teilweise über die Haut gut resorbiert werden können.

Wie bereits erwähnt stellt die Gruppe der Azofarbstoffe die bedeutendste Farbstoffgruppe dar. Etwa 500 Azofarbstoffe werden aus krebserzeugenden aromatischen Aminen hergestellt. Ca. 150 davon sind auch heute noch kommerziell erhältlich. Falls diese Azoverbindungen in den Körper gelangen, können sie im Stoffwechsel gespalten werden, wobei sich die ursprünglich verwendeten aromatischen Amine bilden können. Diese Azospaltung findet im Darm, in der Leber und möglicherweise auch in Hautbakterien statt.

Die Frage, ob Azoverbindungen aus den Farbstoffen in der Kleidung bereits auf der Haut gespalten werden können, ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung. Die dabei entstehenden Amine können noch leichter durch die Haut in den menschlichen Körper gelangen als die Farbstoffe selber. In experimentellen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass wasserlösliche Dispersionsfarbstoffe von bestimmten Bakterienstämmen auf der Haut und bei der Hautpassage gespalten werden können.

Die deutschen Hersteller verzichten mittlerweile auf Azofarben, die krebserzeugende aromatische Amine abspalten. In importierter Kleidung aus Nicht-EU-Staaten können die problematischen Farbstoffe aber immer noch enthalten sein (BfR).

Allergische Reaktionen

Wenn Personen angeben, unter einer so genannten „Textilallergie“ zu leiden, bedarf das einer genaueren ärztlichen Untersuchung. Oftmals handelt es sich nämlich um Unverträglichkeitsreaktionen, beispielsweise gegen Wolle. Echte allergische Reaktionen sind relativ selten. Laut Erfahrung deutscher Hautkliniken können etwa 1-2 % aller Kontaktallergien auf Textilfarben zurückgeführt werden. Betroffen sind insbesondere Frauen, da sie häufig eng anliegende Kleidung tragen.

Hauptsächliche Auslöser sind bestimmte Dispersionsfarbstoffe. Das damalige Bundesinstitut für Gesundheit, Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BGVV) benannte 8 Farbstoffe mit sensibilisierendem Potenzial, die bei Bekleidungstextilien nicht mehr verwendet werden sollten.

  • Dispersionsblau 1   
  • Dispersionsblau 35  
  • Dispersionsblau 106   
  • Dispersionsblau 124   
  • Dispersionsgelb 3
  • Dispersionsorange 3
  • Dispersionsorange 37/76
  • Dispersionsrot 1

Von den derzeit etwa 800 gebräuchlichen Textilfarben gelten 49 Farbstoffe als Kontaktallergene. Meist sind es - wie bereits erwähnt - Dispersionsfarben, die Allergien hervorrufen. Diese wurden eigentlich für Polyester entwickelt und sind in Verbindung mit Polyester auch unbedenklich, da der Farbstoff bei 130 ºC direkt in die Faser eindringt und fest an die Faser gebunden ist, somit nicht abgespalten wird.

Werden Dispersionsfarben jedoch für bestimmte andere Fasern, beispielsweise Polyamid, verwendet, werden sie oftmals nur oberflächlich auf die Textilfasern aufgetragen und sind nicht fest an diese gebunden. In diesem Fall können sich die Farbstoffmoleküle lösen und über die Haut in den Körper eindringen.

Laut einer Untersuchung von ETAD (Ecological and Toxicological Association of Dyes and Organic Pigments Manufactures) wurden folgende Dispersionsfarbstoffe mit allergenem Potenzial am häufigsten in Jacken und Hosen nachgewiesenen: „Blue 106“, „Red 1“, „Blue 102“, „Blue 24“, „Orange 27/76“ und „Brown 1“.

Ein weiterer häufig allergieauslösender Farbstoff ist der Dispersionsfarbstoff „Basic Red 46“, der eigentlich zum Färben von Acryl gedacht ist. Aus reinen Acrylfasern wird er nicht herausgelöst, doch in Mischgeweben bewirkt Feuchtigkeit, z.B. Schweiß, dass der Farbstoff ausgewaschen wird. Socken bestehen oft aus eingefärbten Mischgeweben. „Basic Red 46“ ist verantwortlich für die in den letzten Jahren aufgetretene sogenannte „Sockendermatitis“.

Eine Kennzeichnungspflicht für Textilfärbemittel wäre auf jeden Fall sinnvoll. Viele Allergiker können zum Beispiel keine schwarze Kleidung kaufen, weil schwarze Textilien oft auch problematische rote oder orange Farbstoffe enthalten (Bothe, Filbrich).

Die Frage nach der Farbstoffmenge, der ein Mensch durch die Bekleidung ausgesetzt ist, ist sehr schwierig zu beantworten. Die Exposition ist abhängig vom Farbstoff, der Färbetechnik, des Farbstoffgehalts, den Tragebedingungen und vielen anderen Faktoren. Daten liegen nur aus einigen experimentellen Versuchen vor.

Das BfR schätzt zusammenfassend, dass die Exposition der Verbraucher bezogen auf die Haut ca. 0,001 bis 1 µg pro cm2 beträgt. Dies bezieht sich jedoch auf Textilien, die nach dem Stand der Technik gefärbt wurden. Bei schlechter Färbetechnik wird vermutlich deutlich mehr Farbstoff freigesetzt.

Zusätzliche Informationen: 

Die Färbebeschleuniger werden sehr häufig in Verbindung mit der Chemiefaser Polyester während der Einfärbung bei 95 °C verwendet. Wenn die Färbung bei 130 °C (Hochtemperaturbedingungen) stattfindet, ist deren Verwendung zwar nicht notwendig. Sie finden jedoch trotzdem in geringen Mengen als sog. Egalisiercarrier Verwendung, um eine gleichmäßige Färbung herbeizuführen. Bei dem Mischgewebe Wolle-Polyester sind die Temperaturen aufgrund des Wollanteils auf 110-115 °C begrenzt.

Durch unterschiedliche Nachbehandlungen können die Restgehalte an Färbebeschleuniger zwar reduziert, aber nicht vollständig entfernt werden.

Stand: 18. August 2020 - 10:13 Uhr

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