Textilhilfsmittel

Farbstoffe und Hilfsmittel in BekleidungstextilienFür die Faserproduktion, Textilerzeugung, und –veredelung ist die Verwendung von zahlreichen Chemikalien notwendig.

Teilweise verbleiben diese auf den Textilien und können später durch Verdampfen, Abrieb oder Herauslösen freigesetzt werden.

Tabelle 1: Klassen von Textilhilfsmitteln (ohne Färbemittel, nach BfR 2007)

Name Chemie Kommentar
Reaktives Vernetzungsmittel N-Methylolderivate (Formaldehyd) Formstabilität, „Hochveredelung“
Griffgebende Mittel z.B. Polymere bis zu 20% des Warengewichts
Flammschutzmittel z.B. organische Phosphorverbindungen Schutzkleidung
Antimikrobielle Mittel Biozide Stoffe Fußbett, Socken (sanitized)
Phobiermittel Paraffine, Fluorpolymere Wasser-, öl- und schmutzabweisend
Filzfreie Ausrüstung Polymere Wolle

Einige Textilhilfsmittel weisen kanzerogene und mutagene Wirkungen auf: Dazu gehören beispielsweise Formaldehyd und Glyoxal, die in Deutschland bei der Herstellung von Bekleidungstextilien jedoch nicht mehr gebräuchlich sind.

Ferner stehen Stoffe, die möglicherweise hormonell wirksam sind, im Blickpunkt der Fachöffentlichkeit. Dazu gehören unter anderem Alkylphenolethoxylate, einige optische Aufheller (Weißtöner) und Organozinn Verbindungen. Beispielsweise wird Nonylphenolethoxylat (NPE) beim Waschen zwar zu 90 % aus der Kleidung entfernt und ist auch für sich genommen nicht gesundheitsschädlich, es kann aber - mangels effektiver Klärung - über das Abwasser in die Umwelt gelangen und in hormonell wirksames Nonylphenol gespalten werden.

Optische Aufheller (Weißtöner)

Optische Aufheller werden benutzt, um natürlicherweise gelbliche oder bräunliche Textilfasern aufzuhellen. Auch in Waschmitteln finden sie Verwendung. Es gibt bisher kaum toxikologische Daten zu diesen Substanzen.

DAS (Diamino-stilben-disulfonsäure) ist ein Zwischenprodukt in der Synthese der Weißtöner und hat eine Strukturähnlichkeit mit dem synthetischen Östrogen Diethylstilbestrol.

In zwei Studien an Arbeitern einer Fabrik zur Herstellung des Aufhellers DAS (Diamino-stilben-disulfonsäure) berichteten diese von reduzierten Testosteronkonzentrationen im Blut sowie Libido- und Potenzstörungen. DAS kann durch den Schweiß aus der Kleidung herausgelöst werden. Die Konzentrationen sind hierbei jedoch weitaus geringer als die Exposition der Arbeiter.

Die bisher vorliegenden experimentellen Untersuchungen zeigen insgesamt, dass die Wirkung als Östrogen sehr gering ist.

Organozinnverbindungen

Zinnorganische Verbindungen (Tributyl tin = TBT) wurden eigentlich als Schutzanstrich für Boote und Schiffe konzipiert, werden aber auch zur bioziden Ausrüstung von Schwertextilien verwendet. Manchmal werden sie aber auch in Bekleidungstextilien gefunden. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Sportbekleidung und Kleidung, die Kunststoffteile enthält. Eine gewisse Bekanntheit hat der TBT-Fund in der Polsterung einer Radlerhose erreicht. Der Gehalt lag bei 0,11 g/kg. Für eine antimikrobielle Wirkung ist dieser Gehalt zu gering, hierfür wären mindestens 1 g/kg erforderlich.

Berechnungen der internen TBT-Belastung des Verbrauchers beim Tragen solcher Textilien haben ergeben, dass eine gesundheitliche Gefährdung damit nicht verbunden ist. Dennoch sollte nach Meinung des BfR sicherheitshalber TBT in Bedarfsgegenständen vermieden werden.

Insgesamt ist die Aufnahme von TBT aus der Nahrung und durch PVC-Bodenbeläge weitaus bedeutender als die Aufnahme durch Textilien.

Für TBT wurde für Erwachsene ein TDI (maximaler tolerierbarer Aufnahmewert) von 0,25 µg/kg (Körpergewicht) bestimmt. Nach dem Toxproof-Siegel des TÜV Rheinland gelten Textilien mit einem TBT-Wert bis zu 25 µg/kg als schadstoffarm.

Lichtschutzfiltersubstanzen

UV-absorbierende Stoffe werden zum  Schutz der Fasern und auch der Farbstoffe eingesetzt. Sie wandeln UV-Strahlung in längerwellige Strahlung um. Daneben werden Bekleidungstextilien (insbesondere Baumwolltextilien) gezielt mit solchen Substanzen ausgerüstet, um die UV-Exposition der Verbraucher zu vermindern, was auch sehr sinnvoll ist. Neuerdings wird ein UV-Schutzfaktor (UPF) für Textilien angegeben.

Biozide

Biozide werden häufig in Sport- und Freizeitkleidung im Outdoorbereich eingesetzt, um der Geruchsbildung entgegenzuwirken. Verwendet werden insbesondere Silberionen, quaternäre Ammoniumsalze, Chitosanverbindungen, Isothiazoline und Triclosan. Allergische Reaktionen, eine Beeinträchtigung der bakteriellen Hautbesiedelung sowie Resistenzbildung der Bakterien gegenüber Bioziden stellen die hauptsächlichen Probleme dar.

Waschmittelrückstände und „Nanoausrüstung“

Dieses Thema wird ausführlich im Text "Duftstoffe und Geruchsstoffe" behandelt.

Stand: 18. August 2020 - 10:14 Uhr

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