Isolierte Isoflavone in Nahrungsergänzungsmitteln

Isoflavone sind in Soja und Rotklee enthalten. Sojabohnen enthalten als Isoflavone Genistein, Daidzein und Glycitein (im Verhältnis 10:8:1). In Rotklee sind die Hauptkomponenten Formononetin und Biochanin A.

In asiatischen Ländern werden über Sojalebensmittel täglich ca. 20 bis 50 mg Isoflavon aufgenommen. In westlichen Ländern sind es meist weniger als 3 mg pro Tag. Im Vergleich zur westlichen Bevölkerung hat die asiatische Bevölkerung ein geringeres Risiko für zahlreiche Erkrankungen (z.B. hormonabhängige Krebserkrankungen). Asiatische Frauen leiden zudem kaum an Wechseljahresbeschwerden.

Die erhöhte Isoflavon-Zufuhr wird als möglicher Grund für das geringere Erkrankungsrisiko, insbesondere in Bezug auf Wechseljahresbeschwerden, gesehen.

Nahrungsergänzungsmittel mit isolierten Isoflavonen

Nahrungsergänzungsmittel mit isolierten Isoflavonen werden daher als „wirkungsvolle, nebenwirkungsarme Naturprodukte gegen Wechseljahresbeschwerden“ angepriesen.
Eine Tablette enthält ca. 40 bis 50 mg Isoflavon. Es sind aber auch Konzentrationen über 200 mg zu finden.
Isoflavon liegt in Tabletten nicht in natürlicher Form vor, sondern in isolierter und angereicherter Form. Bezüglich der biologischen Wirkung von Isoflavonen müssen die beiden Formen abgegrenzt werden.

(Anti-)Östrogene Wirkungen

Isoflavone werden als Phytoöstrogene bezeichnet, da sie eine chemisch-strukturelle Ähnlichkeit zu Östrogen aufweisen. Die östrogene Wirkung ist mindestens um den Faktor 100 geringer. 

Als Alternative zur Hormontherapie, welche aufgrund von schwerwiegenden Nebenwirkungen nur noch selten angewendet wird, werden Nahrungsergänzungsmittel mit isolierten Isoflavonen angeboten. 

In Studien und systematischen Reviews zeigten sich jedoch bestenfalls geringfügige Effekte. Als Nebenwirkungen wurden vor allem gastrointestinale Beschwerden (z.B. Übelkeit, Magenbeschwerden, Verstopfungen) aufgeführt. Ob sich die schwach östrogenen Effekte isolierter Isoflavone auf die Gebärmutterschleimhaut auswirken, bleibt bisher offen.

Die europäische Lebensmittelbehörde kommt zu dem Schluss, dass die vorliegenden Daten nicht ausreichen, um eine Verwendung von Soja-Isoflavonen zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden zu befürworten.

Kanzerogene Wirkungen

Epidemiologische Studien in Asien weisen auf einen moderaten Zusammenhang zwischen lebenslangem Sojakonsum und einem reduzierten Brustkrebsrisiko bei Frauen nach der Menopause hin. Die Wirkung könnte jedoch nicht nur auf die Isoflavone zurückzuführen sein, da neben dem Sojakonsum in Asien auch eine bessere Jodversorgung über Fisch und Meeralgen vorliegt.

Studien zur Wirkung von Sojaproteinen und Isoflavonen auf Brustdrüsenkrebs bei ausgewachsenen Tieren zeigen ein uneinheitliches Bild. Es wurden sowohl tumorpräventive, als auch tumorfördernde Effekte beobachtet.

Dieses kann dadurch erklärt werden, dass verschiedene Faktoren entscheidend sind für die Frage, ob günstige oder ungünstige Wirkungen vorliegen. Diese Faktoren sind zum Beispiel die Form (natürlich oder isoliert), der Herstellungsprozess und die Konzentration, in der Isoflavone aufgenommen werden.

Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass eine zeitgleiche Aufnahme von Isoflavonen und antiöstrogen wirksamen Medikamenten vermieden werden sollte.

Es ist auch nicht auszuschließen, dass die östrogenähnlichen Effekte von isolierten Isoflavonen die Entwicklung von Brustkrebs fördern. Die bisherigen Studien reichen nicht aus, um eine sichere Anwendung von isolierten Isoflavonen in Nahrungsmittelergänzungsmitteln zu gewährleisten, zumal keine Langzeitstudien vorliegen. Darüber hinaus haben Frauen nach der Menopause ohnehin ein erhöhtes Brustkrebsrisiko.

Wirkungen auf die Schilddrüse

Effekte auf die Schilddrüse wurden bei Säuglingen beobachtet, die Soja-basierte Säuglingsnahrung erhielten. Auch Isoflavon-angereicherte Nahrungsergänzungsmittel auf Sojabasis können die Schilddrüse beeinflussen: Bei Überdosierung können Genistein und Daidzein die Schilddrüsenhormonproduktion hemmen.
Allerdings ist diese Hemmung durch eine ausreichende Jodzufuhr reversibel.

Unerwünschte und allergische Wirkungen

Unerwünschte Nebenwirkungen wie Verstopfungen oder Rötungen sind möglicherweise auf allergische Reaktionen zurückzuführen.

Bei isolierten Isoflavonen aus Sojabohnen können je nach Herstellungsverfahren unterschiedliche Mengen an Sojaproteinen enthalten sein, sodass es bei der Einnahme der Nahrungsergänzungsmittel zu allergischen Reaktionen auf Soja kommen kann. Bei Personen mit Birkenpollenallergie kann es zu Kreuzreaktionen kommen.

Fazit

In epidemiologischen Studien wird der Verzehr von Soja mit diversen gesundheitlichen Vorteilen in einen Zusammenhang gebracht. Eine Aufnahme von Isoflavonen über Sojaprodukte ist also durchaus sinnvoll.

Bei isolierten Isoflavonen in Nahrungsergänzungsmitteln ist jedoch von einem Konsum abzuraten. Grund ist die unzureichende Datenlage:

„Obwohl zahlreiche neue Humanstudien erschienen sind, sind der Nutzen und die Sicherheit einer längerfristigen Anwendung isolierter Isoflavone in hoher Dosierung vor allem für postmenopausale Frauen wissenschaftlich weiterhin nicht ausreichend geklärt“ (Andres & Lampen 2013).

Die Dosis, in der isolierte Isoflavone als sicher gelten, kann bisher nicht bestimmt werden.
Gerade für Frauen in den Wechseljahren, für welche die Nahrungsergänzungsmittel gedacht sind, können nachteilige gesundheitliche Folgen nicht ausgeschlossen werden.

Durch die in die Kritik geratenden isolierten Isoflavone greift die Werbeindustrie nun auf einen anderen Trick zurück:

„Wer genau hinschaut, wird allerdings feststellen, dass die angepriesenen Wirkungen jetzt nicht mehr auf die enthaltenen Isoflavone zurückgeführt werden, sondern auf zugesetzte Vitamine wie B6 "trägt zur Regulierung der Hormontätigkeit bei", Vitamin C und K "zur Erhaltung gesunder Knochen" oder B1 und B12 "wichtig für die Nervenfunktion"..“ (Verbraucherzentrale Nordrhein Westfalen).

Stand: 26. August 2018 - 19:38 Uhr

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