Grenzwerte und Richtwerte

Gesundheitliche Bewertung von VOC

Für etwa 170 Einzelstoffe hat der Ausschuss für die gesundheitliche Bewertung von Bauprodukten (AgBB) so genannte NIK-Werte (niedrigste interessierende Konzentrationen) festgelegt, um die Emission aus Bauprodukten zu charakterisieren (Link).

Verbindliche Grenzwerte für die Summe der in der Innenraumluft vorliegenden VOC existieren derzeit nicht. Allerdings liegen Empfehlungen vor.

Als langfristiger Zielwert wurde von Seifert (1990) eine TVOC-Summenkonzentration (TVOC = Total Volatile Organic Compounds) von 0,3 Milligramm pro Kubikmeter vorgeschlagen, mit der Einschränkung, dass einzelne Stoffe oder Stoffgruppen nicht übermäßig stark vertreten sein dürfen. Dieser Wert wurde nicht toxikologisch abgeleitet, sondern stammt aus einer (älteren) Untersuchung zur durchschnittlichen VOC-Konzentration in Haushalten. Eine Überschreitung dieses Wertes ist als Anzeichen für eine VOC-Quelle im Innenraum zu werten, eine gesundheitliche Gefährdung kann daraus nicht abgeleitet werden.

Neuere Empfehlungen (Seifert 1999) nennen einen Bereich von 0,2 – 0,3 Milligramm pro Kubikmeter als wohnraumhygienisch wünschenswerten Zielwert. Es wird gleichzeitig darauf hingewiesen, dass die Zusammenhänge zwischen Konzentration und Wirkung noch nicht ganz schlüssig sind. Eine Überschreitung dieses Wertes darf daher nicht als Gefährdung verstanden werden, sondern sollte eher Anlass zur Quellensuche geben. Eine Dauerbelastung zwischen 1 und 3 Milligramm pro Kubikmeter sollte jedoch unterbleiben und kann allenfalls vorübergehend toleriert werden.

Zum Einfluss der Messmethode auf das Ergebnis gibt der Text zu ”Analytik” genauer Auskunft.

Richtwerte

Für einzelne Stoffe, die zu den VOC gehören, hat die Innenraumlufthygiene-Kommission (IRK) beim Umweltbundesamt Richtwerte erarbeitet.

Sie sind wie folgt definiert:

”Richtwert II (RW II) stellt die Konzentration eines Stoffes dar, bei deren Erreichen bzw. Überschreiten unverzüglich Handlungsbedarf besteht, da diese Konzentration geeignet ist, insbesondere für empfindliche Personen bei Daueraufenthalt in den Räumen eine gesundheitliche Gefährdung darzustellen. Je nach Wirkungsweise des betrachteten Stoffes kann der Richtwert II als Kurzwert (RW II K) oder als Langzeitwert (RW II L) definiert sein”. ”Richtwert I (RW I) ist die Konzentration eines Stoffes in der Innenraumluft, bei der im Rahmen einer Einzelstoffbetrachtung nach gegenwärtigem Erkenntnisstand auch bei lebenslanger Exposition keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind. ... Der RW I kann als Sanierungszielwert dienen. Er soll nicht ”ausgeschöpft”, sondern nach Möglichkeit unterschritten werden”.

Derzeit liegen Richtwerte für folgende Stoffe aus der Gruppe der VOC vor:

Verbindung RW II (mg/ m3) RW I (mg/ m3) Jahr
Toluol 3 0,3 1996
Styrol 0,3 0,03 1998
Terpene (bicyclisch) 2 0,2 2003
Naphtalin 0,02 0,002 2004

Zu den in manchen Lacken und Klebstoffen enthaltenen Diisocyanaten nimmt die Innenraumlufthygiene-Kommission wie folgt Stellung: ”Die Festlegung eines Richtwertes II für Diisocyanate ... wurde in der Arbeitsgruppe nicht für sinnvoll erachtet, da trotz anfänglich höherer Luftkonzentrationen bei der Verarbeitung von Diisocyanat-haltigen Lacken und Klebern (...) die Konzentrationen in der Raumluft rasch abfallen und nach Beendigung des Aushärtevorgangs nicht mit einer Dauerexposition zu rechnen ist.”

Die WHO hat in ihren ”Air quality guidelines” (”Leitlinien für die Luftqualität”) Empfehlungen für die tolerierbare Konzentration einzelner Innenraumschadstoffe ausgesprochen (WHO 1999, 2014; siehe www.euro.who.int/en/health-topics/environment-and-health/air-quality/publications.

Stand: 20. März 2019 - 10:20 Uhr

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