Insektenschutzmittel

Insektenschutzmittel, sogenannte Repellents, sind ein wichtiges Instrument, um sich insbesondere im Ausland vor Malaria und anderen Tropenkrankheiten zu schützen. Auch in Deutschland halten sie Mücken, Zecken und Flöhe fern. Das gilt aktuell auch für das von Stechmücken übertragene Zika-Virus.

Unter Repellents (repellere (lat.) vertreiben, zurückstoßen) versteht man Substanzen, die direkt auf die menschliche Haut aufgetragen werden. Wie sie genau wirken, ist bis heute unklar. Es steht zu vermuten, dass sie mit der Milchsäure im menschlichen Schweiß einen für die Mücken unerträglichen Geruch abgeben (Altenkämper, Schlitzer 2008).

Repellents sind keine Insektizide!

Insektizide, wie Pyrethroide, wirken auf die Insekten als Kontaktgifte, und töten sie. Von einem dauerhaften Einsatz der Pyrethroide in Elektroverdampfern raten Experten ab.

Grundsätzlich unterscheidet man bei Repellents synthetische Wirkstoffe und solche, die aus Pflanzen gewonnen werden. Pflanzliche Mittel sind bei Verbrauchern sehr beliebt. Tests zeigen jedoch, dass sie nahezu wirkungslos sind (Das et. al. 2003, Test 05/10). Zudem reizen sie, ebenso wie die synthetischen Vertreter, die Schleimhäute.

Die Wirkstoffe im Einzelnen

DEET (N,N-Diethyl-m-toluamid)

Der effektivste Wirkstoff ist DEET (N,N-Diethyl-m-toluamid oder N,N-Diethyl-3-methylbenzamid). Er ist als Spray, Gel, Lotion und Creme in Konzentrationen von 5 bis 90 Prozent erhältlich. Produkte mit einem Gehalt unter 20 Prozent DEET schützen etwa drei Stunden vor Mückenstichen. Mischungen mit bis zu 50 Prozent DEET gewähren einen Langzeitschutz bis zu 12 Stunden gegen Mücken, Zecken halten sie bis zu vier Stunden ab. Ab einem Gehalt von 50 Prozent wird ein Plateau erreicht: Höhere Konzentrationen wirken nicht länger (Altenkämper, Schlitzer 2008).

DEET reizt die Augen und Schleimhäute. DEET sollte daher nicht direkt am Auge, am Mund oder auf Sonnenbrände aufgetragen werden.

Die Haut nimmt bis zu fünf Prozent des aufgetragenen DEET auf, Alkohol erhöht die Absorption. Um die Aufnahme über die Haut so gering wie möglich zu halten, sind alkoholfreie Präparate zu bevorzugen (Altenkämper, Schlitzer 2008).

Laboruntersuchungen zeigen, dass bei gleichzeitiger Anwendung von Sonnenschutzmitteln und DEET die Sonnenschutzwirkung möglicherweise verringert ist. Anwender von beiden Produkten sollten daher einen entsprechend höheren Lichtschutzfaktor wählen und das Repellent immer als Letztes, etwa 15 bis 30 Minuten nach dem Sonnenschutz, auftragen.

Bei häufiger hoch dosierter Anwendung sind gesundheitliche Schäden von Hautreizungen bis hin zu Störungen des Nervensystems nicht ausgeschlossen. Der erstrangige Insektenschutz sollte daher lange, weite und geschlossene Kleidung und die Verwendung eines Moskitonetzes über dem Bett sein. Unbedeckte Körperstellen sollten aber, vor allem in tropischen Weltregionen, mit einem Repellent, das DEET enthält, vor Insektenstichen geschützt werden.

Bei Schwangerschaft und in der Stillzeit sowie im Säuglingsalter sollte DEET möglichst nicht angewendet werden. Kinder ab dem 2. Lebensjahr können mit 25-prozentigen Zubereitungen versorgt werden. Ab dem 10. Lebensjahr dürfen die Kinder 50-prozentige DEET-Lösungen verwenden.

DEET ist ein Lösungsmittel. Es kann einige Kunststoffe angreifen und an Sonnenbrillen, Handys, Stützstrümpfen oder Strandtaschen aus Plastik zu Farbveränderungen führen.

Trotz aller Nebenwirkungen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) DEET als Wirkstoff der Wahl zum Schutz vor Tropenkrankheiten wie Malaria, Gelbfieber oder Dengue-Fieber gewählt.

DEET schützt nicht vor Bienen- oder Wespenstichen!

Icaridin

Der Wirkstoff Icaridin (1-(1-Methylpropoxycarbonyl)- 2-(2-hydroxyethyl)piperidin) ist hinsichtlich des Wirkspektrums und der Wirkdauer weitgehend mit DEET vergleichbar. In 10-prozentiger Konzentration wehrt es Mücken bis zu vier Stunden zuverlässig ab, in 20-prozentiger Konzentration schützt es bis zu acht Stunden vor Mücken und vier Stunden vor Zecken. Icaridin ist als Gel, Spray und Lotion erhältlich.

In Labortests zeigte Icaridin, im Vergleich zu DEET, eine geringere Resorption über die Haut. Wegen unzureichender Erkenntnisse sollte man Icaridin nicht bei Kindern unter zwei Jahren anwenden (Altenkämper, Schlitzer 2008).

EBAAP (Ethylbutylacetylaminopropionat)

Im Vergleich zum DEET reizt EBAAP Haut und Schleimhäute wesentlich weniger und ist kaum aggressiv gegenüber Kunststoffen. Es wird in Konzentrationen von 10 bis 20 Prozent angewendet. Das Wirkspektrum erstreckt sich über Mücken, Fliegen, Bremsen und Zecken. EBAAP ist im Gegensatz zu anderen Repellentien auch gegen Bienen und Wespen wirksam.

Da nur wenige Daten zu unerwünschten Wirkungen vorliegen, wird die Anwendung bei Kindern erst nach Vollendung des ersten Lebensjahres empfohlen. Wegen der deutlich kürzeren Wirkdauer von etwa 3 Stunden ist von einer Benutzung des EBAAP in den Tropen abzuraten (Altenkämper, Schlitzer 2008, Immel-Sehr 2007).

Pflanzliche Repellentien

Pflanzenextrakte sind bei vielen Verbrauchern sehr beliebt. Anwendung finden überwiegend ätherische Öle aus Zitronengras, Lavendel, Geranien, Zedern, Nelken, Eukalyptus, Basilikum, Thymian, Knoblauch und Pfefferminze. Allerdings erreicht keiner der Stoffe auch nur annähernd die Wirksamkeit der synthetischen Wirkstoffe DEET und Icaridin. Zitronengrasöl scheint noch die beste Wirksamkeit zu haben: 15 Minuten lang schützt es vor Mückenstichen. DEET oder Icaridin wirken dagegen über Stunden.

Bei dem Gebrauch aller pflanzlichen Produkte sollte beachtet werden, dass so unproblematisch erscheinende Substanzen wie ätherische Öle aus Lavendel, Citronella, Palmerosa oder Nelken die Schleimhäute reizen. Öle aus Zitronengras und Citronella können bei Augenkontakt sogar zu ernsthaften Augenschäden führen (Das et. al. 2003).

Zudem haben die Öle der Geranie (Geraniol) und der Nelke (Eugenol) ein starkes allergenes Potenzial. Dieses kann durch Sonnenlicht weiter verstärkt werden. Außerdem sind viele ätherische Öle im Vergleich zu synthetischen Repellentien weit weniger gut auf Risiken untersucht worden.

Da pflanzliche Insektenschutzmittel nahezu wirkungslos sind, sollten sie in Malariagebieten auf keinen Fall angewendet werden!!!

Nutzloses

Auf dem Markt gibt es viele Produkte, die einen Schutz vor Insekten versprechen, aber leider vollkommen wirkungslos sind. Dazu gehören unter anderem Ultraschallgeräte. Mit ihrem für Erwachsene unhörbaren, teilweise aber für Kinder und Hunde hörbaren, Piepston sollen sie Fledermäuse imitieren und Mücken vom Stechen abhalten. Sie sind wirkungslos (Test 06/04). Seit einiger Zeit gibt es auch spezielle Handyprogramme, die ein moskitoabwehrendes Geräusch produzieren sollen. Auch sie sind nutzlos.

UV-Fallen, in denen die Insekten per Elektroschock getötet werden, wirken bei Mücken nicht. Mücken orientieren sich an dem Geruch der Milch- und Fettsäuren im menschlichen Schweiß und am ausgeatmeten Kohlendioxid, nicht am Licht. Daher hilft es auch nicht, die Lichter auszuschalten, um die Mücken aus der Wohnung fernzuhalten. Hier sind Fliegengitter das Mittel der Wahl.

Die Einnahme von Thiamin (Vitamin B1) ist genauso wirkungslos wie der Genuss von Knoblauch oder Alkohol. Ebenso wenig hilfreich sind Arm- und Halsbänder mit Repellentien oder ätherischen Ölen. Auch Zitronenmelisse, Tomaten- oder Basilikumpflanzen auf der Fensterbank vertreiben keine Mücken.

Praktische Hinweise

  • Weite, helle Kleidung, die an den Bündchen abschließt, schützt am besten vor Mückenstichen. Vor einer Reise in die Tropen kann es sinnvoll sein, sie mit speziellen Repellentien zu imprägnieren. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf der Seite des Zentrums für Reisemedizin: http://www.crm.de
  • Nicht abgedeckte Hautstellen möglichst lückenlos mit DEET oder Icaridin schützen.
  • Mückenweibchen legen ihre Eier in flachen Gewässern ab. Decken Sie daher Regentonnen dicht ab und trockenen Sie Pfützen und Ähnliches aus, um eine Vermehrung der Mücken zu verhindern.
  • Duschen Sie sich regelmäßig. Das Abwaschen von Schweiß und menschlichen Duftstoffen vermindert die Stichgefahr. Wechseln Sie aus demselben Grund mindestens einmal täglich Ihre Socken, bei starkem Schwitzen häufiger.
  • Mücken mögen es eher warm und feucht. Bevorzugen Sie in den Tropen daher ein Hotelzimmer mit Klimaanlage.
  • In Malariaendemiegebieten sollte man zudem unter einem Moskitonetz mit einer maximalen Maschenweite von 1,2 mm schlafen. Dieses kann man zusätzlich mit speziellen Insektenschutzmitteln imprägnieren.

Stand: 14. März 2018 - 11:17 Uhr

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