Quecksilber in Bleichsalben

An Quecksilberbelastungen denkt man meist im Zusammenhang mit der Amalgamproblematik, (alten) zerbrochenen Fieberthermometern, Energiesparlampen, gelegentlich auch in Verbindung mit der Anwendung quecksilberhaltiger Holzschutzmittel im Innenraum.

Quecksilberhaltige Bleichsalben werden in Deutschand illegal vertrieben

Weniger Beachtung haben dagegen die zum Teil massiven Quecksilberbelastungen nach Anwendung quecksilberhaltiger Bleichsalben oder Sommersprossensalben gefunden. Diese können einen beträchtlichen Quecksilbergehalt aufweisen und werden in Deutschland durchweg illegal vertrieben. In außereuropäischen Ländern werden sie teilweise über Heilpraktiker und Apotheken in Verkehr gebracht. Eine Literaturrecherche im Frühjahr 2016 (Suchworte: mercury, skin lightening cream) zeigt, dass das Thema weiterhin aktuell ist.

In Bleichsalben liegt Quecksilber meist als anorganisches Quecksilbersalz (Quecksilberamidchlorid, gelegentlich auch Kalomel) und als metallisches Quecksilber vor. Der Quecksilbergehalt erreicht manchmal knapp 40 Prozent. Diese quecksilberhaltigen Kosmetika werden insbesondere von Menschen asiatischer, südosteuropäischer und südamerikanischer Herkunft als Bleich- oder Schönheitscreme auf der Haut angewendet. Die zum Teil über Jahre erfolgende Benutzung hat eine Quecksilberzufuhr zur Folge, welche die dentalamalgambedingte Zufuhr um den Faktor 10 bis 1.000 übersteigen dürfte.

Gesundheitsrisiken durch Quecksilber in Bleichsalben

Anorganische Quecksilbersalze in Bleich- und Schönheitscremes werden zu einem gewissen Grad über die Haut resorbiert, wozu auch der Salbenanteil beiträgt. Die höchsten Konzentrationen an anorganischen Quecksilbersalzen finden sich in der Niere. Dort binden sich die Quecksilberionen an das schwefelreiche Protein Metallothionein. Auch in der Leber, der Hypophyse und einigen anderen Gehirnarealen reichert sich anorganisches Quecksilber an.

Die Ausscheidung der Quecksilberionen (Hg2+) erfolgt überwiegend über den Urin. Es wurden Quecksilberkonzentrationen von vielen hundert Mikrogramm pro Liter Urin, (teilweise bis zu 2.000 Mikrogramm pro Liter bzw. 2.000 Mikrogramm pro Gramm Kreatinin) beobachtet. Ob sich die für den sogenannten Merkurialismus typischen Symptome zeigen, hängt sicherlich von der Zusammensetzung der Bleichsalbe, ihrer Anwendungshäufigkeit und vielleicht auch von der individuellen Empfindlichkeit ab. Auch Haarausfall wird in Verbindung mit der Anwendung von Bleichsalben diskutiert.

Bei Kleinkindern, die in Unkenntnis der Gefährlichkeit der Salbe von ihren Müttern behandelt wurden, ist die möglicherweise resultierende Feer'sche Krankheit eine gut umschriebene Krankheit mit dermatologischen, psycho-vegetativen und zentralvervösen Symptomen (siehe Informationstext "Feer'sche Krankheit").

Bei Erwachsenen kann das Krankheitsbild leicht als psychotischer, neurasthenisch-neurovegetativer Symptomenkomplex fehl gedeutet werden.

Die Tatsache, dass es sich bei den Anwendern oft um Personen mit Migrationshintergrund handelt, erschwert die Ursachenfindung und die ärztliche Intervention.

Bestimmung der Quecksilberbelastung

Wie hoch die Quecksilberbelastung des Körpers ist, kann anhand von Urin- oder Blutproben bestimmt werden. Einzelheiten sind im Informationstext "Bestimmung der Quecksilberbelastung" enthalten.

Grenzwerte/ Richtwerte

Quecksilberhaltige Bleich- und Schönheitscremes sind in Deutschland nicht zugelassen.

Vorbeugung/ Sanierung

Das Gespräch mit Betroffenen, die fachliche Aufklärung über die vom Quecksilber ausgehenden gesundheitlichen Risiken mit dem Ziel, die Anwendung zu unterlassen, stehen im Vordergrund. Dabei sollte die Familie einbezogen werden.

Die Erfahrung zeigt allerdings, dass eine derartige Risikokommunikation nicht immer erfolgreich ist.

Stand: 11. April 2017 - 10:09 Uhr

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