Staubsauger für Allergikerhaushalte

Die Werbung preist viele Hilfsmittel zur Allergenreduktion in Innenräumen an. Doch wer die Wahl hat, hat die Qual. Das gilt sowohl für das richtige Encasing wie auch für den Staubsauger.

Welcher Staubsauger hält, was er verspricht?

Die Antwort ist nicht einfach. Wie bei vielen Hilfsmitteln für Allergiker gibt es keine allgemein anerkannten, standardisierten Testmethoden, die von allen Herstellern verwendet werden. Das würde die Ergebnisse für Verbraucher leicht vergleichbar machen. Grundsätzlich wäre in Allergikerhaushalten die sinnvollste Lösung, auf Teppichböden zu verzichten und wischbare Böden zu verlegen (siehe "A-Z der Hausstaubmilben"). Die ist allerdings oft nicht realisierbar, vor allem nicht in Mietwohnungen.

Auch in Wohnungen ohne Teppichböden sind Staub und Allergene vorhanden. Deshalb ist auch bei diesen Böden absaugen und wischen der Böden notwendig. Auf einen Staubsauger kann man also nicht verzichten.

Staubsaugersysteme

Zentralstaubsauger

Ideal für Allergiker sind Staubsauger, bei denen der Unterdruck außerhalb der Wohnung erzeugt und die Abluft mit dem Staub und den Allergenen nach draußen geleitet wird. Über ein Rohrsystem in den Wänden kann in den verschiedenen Räumen ein Schlauch mit Saugrohr angeschlossen werden. Einen Zentralstaubsauger kann man nachträglich in Wohnungen einbauen. Natürlich ist das teurer als die Anschaffung eines normalen Staubsaugers. Plant man einen Neubau, wäre eine entsprechende Anlage allerdings sinnvoll und günstig einzubeziehen. In der Anschaffung kosten sie rund 1.000€ (Stand: November 2011).

Herkömmliche Saugersysteme - HEPA-Filter

Grundsätzlich sollte man einen Staubsauger verwenden, der über ein verstärktes Filtersystem verfügt. Dabei kommen Mikrofeinfilter und so genannte S-Klasse-Filter (S steht für Schwebstoff) oder High-efficiency-particulate-air-Filter (HEPA-Filter) zum Einsatz. Diese Filter sollen eine Filterleistung von mindestens 99,97 Prozent aufweisen und so viel Staub zurückhalten können, dass die durchschnittliche Staubkonzentration in der normalen Raumluft von 0,05 Milligramm Partikel pro Kubikmeter Luft nicht erhöht wird.

In der Vergangenheit waren die Filtersysteme nicht besonders effektiv. Zwar hielten die Filter unter Laborbedingungen einen Großteil der Allergene zurück. Im Praxistest gaben die Staubsauger mit HEPA-Filter fast so viele Allergene ab wie Staubsauger ohne Spezialfilter. Auf der anderen Seite zeigten ältere Studien Vorteile für die HEPA-Filter.

Inzwischen haben viele Hersteller ihre Systeme verbessert. Die Stiftung Warentest bescheinigte 2010 sieben Staubsaugern ein sehr gutes Staubrückhaltevermögen - im Test vom Februar 2013 sind es über 30 Staubsauger. Wie stark die Filter aber die Allergene durchlassen und ob sich das klinisch auswirkt bleibt weiterhin unklar. Allergiker, die unter besonders starken Symptomen leiden, sollten daher das Staubsaugen möglichst anderen Personen überlassen und anschließend die Räume gründlich lüften.

Damit die Saugleistung optimal bleibt, ist es zusätzlich wichtig, den Staubsaugerbeutel häufig zu wechseln.

"Wasserfilter"-Sauger

Im Angebot sind ferner Saugersysteme ohne Festfilter. Bei ihnen wird die angesaugte Luft mit einer Zentrifuge durch ein Wasserbad geleitet. Die ausgeblasene Luft wird angefeuchtet und soll von Staubpartikeln gereinigt und gleichzeitig auch von chemischen Stoffen befreit werden. Die Preise für die Geräte mit Zubehör liegen zwischen 50 und 500€ (Stand November 2011).

Grundsätzlich enthält auch die Abluft von Staubsaugern mit Wasserfiltern Staubpartikel und Allergene. Deshalb sind die Geräte oft zusätzlich mit HEPA-Filtern ausgerüstet.

Die letzten Verbrauchertests mit Wasserfilter-Staubsaugern fanden 2001 statt. Daher ist eine Bewertung der heutigen Geräte kaum möglich. Damals schnitten die Geräte mit Wasserfiltern im Vergleich deutlich schlechter ab, als Staubsauger mit trockenen Filtern (Stiftung Warentest, 2001). In einer Studie des gleichen Jahres fanden sich keine Unterschiede zwischen den Filtersystemen (Trakumas, Willeke, Reponen, Grinshpun, & Friedman, 2001).

Einige Anbieter vertreiben milbenabtötende Präparate und ätherische Öle für die Geräte, was zu einer Belastung der Innenraumluft führen kann.

Nicht geklärt ist, ob die regelmäßige Anwendung des Gerätes zu einer Erhöhung der Luftfeuchtigkeit führt. Das wiederum würde die Wachstumsbedingungen für Milben und Schimmelpilze verbessern, was eher nachteilig wäre. Außerdem können sich im Feuchtigkeitsrest, der im Gerät bleibt, Schimmelpilze ansiedeln.

In Testberichten auf diversen Internetseiten berichten Nutzer von einem durchdringenden Geruch im Wassertank. Dieser lässt auf eine Bakterienbesiedlung schließen, die ein hygienisches Problem darstellen kann.

Dampfstrahlreiniger

Eine milbenabtötende Wirkung scheinen Dampfstrahlreiniger zu besitzen, möglicherweise durch die zusätzliche Hitzewirkung. Untersuchungen an Teppichstücken, die nur feucht gereinigt wurden, zeigten allerdings: Die Teppiche waren nach drei Monaten wieder ebenso stark besiedelt wie vor der Reinigung. Daher sollte die Behandlung mindestens alle drei Monate wiederholt werden.

Konsequenzen und Empfehlungen

Ein Staubsauger eignet sich nicht zur Sanierung von Teppichböden oder Polstermöbeln. Sie ermöglichen lediglich eine Reduktion der Staub- und Allergenmengen.

Für die Verwendung von Staubsaugern gilt:

  • Wenn es möglich ist, sollte man den Einbau einer Zentralstaubsauganlage erwägen
  • Glatte, wischbare Böden senken die Allergenbelastung in der Wohnung. Allergiker sollten sie daher bevorzugen.
  • Ein herkömmlicher Staubsauger sollte mit einem HEPA- oder mit einem S-Klasse-Filter ausgestattet sein.
  • Lüften Sie nach jedem Staubsaugen gründlich.
  • Bevorzugen Sie doppelwandige Auffangbeutel
  • Wasserfilter scheinen keinen Vorteil zu bieten. Allerdings sind hier aktuelle Verbrauchertests nötig.

Stand: 4. Dezember 2017 - 10:58 Uhr

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