Schimmelpilze und Asthma

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Zum Zusammenhang zwischen Feuchtigkeit im Wohnraum und Asthmasymptomen bei Kindern wurden zahlreiche Studien durchgeführt. Diese geben Hinweise darauf, dass feuchte Wohnräume die Symptome verstärken und zu einer erhöhten Zahl von Infektionen der oberen Luftwege führen können.

Es wird diskutiert, dass die Gesundheitsgefährdung aus der Feuchtigkeit per se (Wärmeisolierung der Wände bzw. "Verdunstungskälte" und andere raumklimatische Faktoren) und aus der Wahrscheinlichkeit einer erhöhten Schimmelpilz- und Milbenpopulation im Raum resultiert.

In diese Studien wurden allerdings Kinder einbezogen, die in den betroffenen Wohnungen längerfristig wohnten (Brunekreef 1997, Garrett 1996, Nicolai 1998, Peat 1998). Dies zeigt, dass eine erhöhte Schimmelpilzbelastung nicht grundsätzlich mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Bewohner einhergehen muss und auch nicht zwingend Sensibilisierungen bei Kontakt auftreten.

Die besonderen Empfindlichkeiten der Belasteten ist dabei wichtig. Kinder mit Allergien und Neurodermitis sind eine Risikogruppe. Sie sind zwar nicht zu den Immungeschwächten zu zählen, aber sie neigen dazu, bei erhöhter Belastung mit Allergenen, wie Schimmelpilzallergenen, auch Allergien zu entwickeln.

Finnische Wissenschaftler veröffentlichten Anfang 2007 eine Studie, in der sie sich mit der Frage beschäftigen, ob feuchte oder schimmelpilzbelastete Wohnräume auch an dem Entstehen von Asthma bei bisher nicht erkrankten Kleinkindern beteiligt sein können.

Sie untersuchten Kinder im Alter von 12 bis 84 Monaten, bei denen kurz zuvor die Diagnose Asthma gestellt wurde. Der erste Asthmaanfall durfte nicht länger als ein Jahr zurückliegen. Die Vergleichsgruppe bildeten Kinder ohne Asthma. Die Eltern dieser Kinder wurden nach der Befindlichkeit des Kindes und möglichen Asthmaauslösern befragt, zudem wurden die Häuser und Wohnungen der Probanden untersucht.

Es konnte bei den Probanden ein Zusammenhang zwischen der Entwicklung einer Asthmaerkrankung und dem Vorhandensein von Schimmelpilzen gefunden werden. Das Risiko, in der frühen Kindheit an Asthma zu erkranken, stieg mit der Feuchtigkeit und dem Vorhandensein von sichtbarem Schimmel in den Hauptwohnräumen, sowie dem Kinderschlafzimmer. Frühere Studien kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Worauf genau dieser Zusammenhang beruht, ist noch nicht geklärt (Pekkanen et al. 2007).

Eine sichtbare Schimmelpilzbesiedlung in Innenräumen sollte immer Anlass für eine Sanierung, bzw. für die Beseitigung der Quellen und der Ursachen für die Besiedlung sein. Diese Ursachen können in Baumängeln, aber auch im Fehlverhalten der Bewohner zu suchen sein.

Ein gemeinsames gezieltes Vorgehen ist sinnvoll und anzuraten. In manchen Fällen ist ein Umzug der einzig richtige und sinnvolle Weg.

Zusätzliche Informationen: 

In den „Leitlinien zur Innenraumluftqualität: Feuchtigkeit und Schimmelpilz“ der WHO wurden die Assoziationen zwischen Feuchtigkeit/Schimmelpilzbefall in Innenräumen und verschiedenen Atemwegserkrankungen bewertet (Wiesmüller et al. 2013):

  • ausreichende Evidenz für
    • Entstehung, Verschlimmerung und aktuelles Vorhandensein von Asthma bronchiale
    • Symptome der oberen Atemwege
    • Husten
    • Keuchen (wheezing)
    • Kurzatmigkeit (Dyspnoe)
    • respiratorische Infektionen
  • begrenzte Evidenz für
    • Bronchitis
    • allergische Rhinitis
  • unzureichende Evidenz für
    • veränderte Lungenfunktion
    • Allergie/Atopie
    • jemals vorhandenes Asthma bronchiale.

Bei einer relativen Luftfeuchte von 73 % nimmt die Schimmelpilzgefahr rapide zu.

Stand: 2. Oktober 2019 - 12:38 Uhr

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