Belastungsquellen

Durch den verbrauchernahen Einsatz als Weichmacher ist die Bevölkerung gegenüber Phthalaten exponiert. Im Fokus stehen 7 Phthalate, die in hohen Konzentrationen eingesetzt werden (Völkel et al. 2011). Die Hauptaufnahmewege sind Luft und Lebensmittel.

Weichmacher und Lebensmittel

Für HMW-Phthalate wie z.B. DEHP und DINP ist die Nahrung eine wichtige Belastungsquelle (Wittassek et al. 2011). Die mengenmäßig größte Zufuhr von Weichmachern erfolgt über den Magen-Darm-Trakt.

Für LMW-Phthalate wie z.B. DnBP, DiBP, BBzP spielen lebensstilabhängige Quellen (Kosmetik, Körperpflege) eine wichtige Rolle.

Das zeigten Versuche mit Probanden, die 2 Tage lang nur Mineralwasser zu sich nahmen. Die (nahrungsbedingten) HMW-Phthalate fielen stark ab, während die (lebensstilbedingten) LMW-Phthalate nur geringfügig zurückgingen (Wittassek et al. 2011; Koch et al. 2013).

Die meisten Verbraucher unterschreiten mit 13-21 µg DEHP je Kilogramm Körpergewicht und Tag deutlich die von der Europäischen Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegte tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) von 50 µg. Nur etwa 1 von 100 Verbrauchern könnte durch einen andauernden Konsum von Lebensmitteln mit sehr hohen DEHP-Gehalten den TDI-Wert überschreiten.

DEHP und andere Weichmacher können von Verpackungen auf Lebensmittel übergehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in einer Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) fetthaltige Würzsoßen (z.B. Mayonnaise), ölhaltige Fertigprodukte (z.B. Gemüse), Fisch aus Gläsern und ölhaltige Konserven höhere Konzentrationen aufwiesen als lose unverarbeitete Ware.

Fettreiche Lebensmittel haben einen höheren Phthalatgehalt. Der Mittelwert der Phthalatkonzentration von Butter liegt bei 3,47 μg/g, der von Kartoffeln dagegen bei nur 0,08 μg/g.

Die nachfolgende Tabelle zeigt auf, über welche Lebensmittelgruppe die höchste DEHP-Aufnahme erfolgt (nach Altersgruppen geordnet, Mittelwert-basiert).

 

Platz 1

Platz 2

Platz 3

Kinder
(6 Monate - 2 Jahre)

Getreide
(-erzeugnisse)

20%

(pflanzliche) Fette
 

18%

Obst
 

13%

Kinder
(2-5 Jahre)

Getreide
(-erzeugnisse)

20%

Obst
 

13%

Butter
 

13%

Kinder
(6-17 Jahre)

Würzsoßen (z.B. Mayonnaise) 

50%

Milchprodukte
 

7%

Brot/ Brötchen
 

7%

(junge) Erwachsene
(14 – 80 Jahre)

Brot/ Brötchen
 

14%

Würzsoßen (z.B. Mayonnaise)

14%

Butter
 

8%

Eigene Darstellung nach Heinemeyer et al. 2012

Aus der Tabelle lässt sich erkennen, dass es in Bezug auf die Phthalatbelastung vier problematische Lebensmittelgruppen gibt: Fette, Getreide(-produkte), Milch(-produkte) und Obst (aufgrund der hohen Aufnahmemenge). Für Erwachsene ist die DEHP-Aufnahme über Lebensmittel insgesamt gering bis moderat. Für Kinder können Lebensmittel, neben der Aufnahme über Hausstaub und „mouthing“, jedoch eine bedeutende DEHP-Expositionsquelle sein.

Weitere Informationen zu Weichmachern in Lebensmitteln erhalten Sie unter Grenzwerte/Richtwerte und Vorbeugung (BfR 2013).

Wohnumwelt und Lebensstil

Die wichtigsten Quellen für Weichmacher im Wohnumfeld sind PVC-Bodenbeläge und Vinyltapeten. Andere mögliche Quellen sind z. B. Kunstleder, Regenbekleidung, Gummistiefel, Dicht- und Dämmfolien, Kabelummantelungen, Wasserbetten, Tischdecken, Duschvorhänge, Sportutensilien und Kinderspielzeug.

Kosmetika: Nagellacke werden durch Weichmacherzusatz weniger splitteranfällig und Duftstoffe in Parfümen verdunsten in Anwesenheit von Weichmachern langsamer. Hier kommen hauptsächlich niedermolekulare Phthalate (LMW-Phthalate) zum Einsatz.

Die lebensstilabhängige Belastung des Körpers mit LMW-Phthalaten ist in etwa so bedeutsam wie der Nahrungsmittelaufnahmepfad.

Hausstaub wirkt als "Schadstoffsenke" für Weichmacher. Als möglicher Belastungspfad scheint Hausstaub jedoch keine oder nur eine untergeordnete Rolle zu spielen (Kommission "Human-Biomonitoring", 2011).

Im Sommer können sich Kraftfahrzeuge stark aufheizen und aus den enthaltenen Kunststoffen können Weichmacher ausgasen. Diese werden in nennenswerter Menge über die Lunge aufgenommen.

Weichmacher in Arzneimitteln, Medizinprodukten und -geräten

Dibutylphthalat (DBP) und Diethylphthalat (DEP) werden in einigen Arzneimitteln als Hilfsstoffe eingesetzt. Sie dienen hier dazu, Filmtabletten und Dragees magensaftresistent zu machen und den Wirkstoff kontrolliert/zeitgesteuert freizusetzen. Einige dieser Präparate werden rezeptfrei verkauft. Nach Untersuchungen der Universität Erlangen (Koch und Mitarbeiter, 2005) kann es insbesondere bei der Einnahme von Mitteln gegen chronische Erkrankungen dazu kommen, dass die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) erreicht oder auch überschritten wird. Eine akute Gesundheitsgefährdung ist damit nicht verbunden.

Zurzeit ist DBP ein arzneimittelrechtlich zugelassener Hilfsstoff, seine weitere Verwendung in Arzneimitteln sollte aber kritisch geprüft werden. Frauen während der Schwangerschaft bzw. Stillzeit und Eltern insbesondere von Kleinkindern können vorsorglich ihren Arzt oder Apotheker auf DBP-freie Präparate ansprechen.

In bestimmten Lebenssituationen (z. B. bei Bluttransfusionen, Hämodialyse oder bei künstlicher Ernährung) können Weichmacher aus Medizinprodukten auf direktem Wege ins Blut gelangen. Wie hoch die Exposition ist, hängt von der Art des Gerätes und der Dauer der Nutzung ab. Bei der Hämodialyse findet sich bei Erwachsenen die höchste Exposition (bis zu 2200 μg/kg pro Tag). Bei Neugeborenen liegt diese in Bezug auf das Körpergewicht deutlich höher (bis zu 6000 μg/kg Körpergewicht/Tag).

DEHP in Medizingeräten kann in den menschlichen Körper gelangen, es gibt jedoch bisher keine Evidenz dafür, dass dieses gesundheitsschädliche Auswirkungen hat.

Zusätzliche Informationen: 

Weichmacher und Lebensmittel

Früher trug insbesondere die Lebensmittelverpackung (u.a. durch Frischhaltefolien) zur Gesamtbelastung des Körpers mit Phthalaten bei; der Anteil wurde auf bis zu 80 Prozent geschätzt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfahl daher frühzeitig, einen Kontakt von weichmacherhaltigen Verpackungsmaterialien mit fetthaltigen Lebensmitteln zu unterbinden.

Eine weitere mögliche Quelle für Weichmacher in Lebensmitteln sind Verpackungsmaterialien aus Papier, Karton und Pappe, bei denen weichmacherhaltige Druckfarben und Klebstoffe verwendet wurden. Als Weichmacher kam meist Di-isobutylphthalat (DiBP) zum Einsatz. Entsprechend ihrer Selbstverpflichtung vom 15.11.2007 verzichtet jetzt die Industrie auf DiBP-haltige Produkte (BfR 2008).

Vor einigen Jahren standen Gläser mit Schraubdeckeln (Twist-off-Verschlüssen) im Interesse des BfR (2007): Die in den Deckeldichtmassen enthaltenen Weichmacher konnten zu einem gewissen Grad durch fetthaltige Lebensmittel (z.B. Nudelsoßen, Pesto, in Öl eingelegtes Gemüse) herausgelöst werden. Dies wird jetzt durch eine EU-Richtlinie von 2007 unterbunden.

Zusätzliche Informationen: 

Weichmacher und Medizinprodukte

Große Beachtung hat die Freisetzung von DEHP aus PVC-haltigen Medizinprodukten wie z.B. Infusionsschläuchen und Blutbeuteln gefunden. Hier kann der Weichmacher DEHP durch Lösemittel (insbesondere solche mit hoher Fettlösekraft) herausgelöst werden. Bei manchen medizinischen Artikeln, z. B. bei Schläuchen, Infusions- und Transfusionsbestecken, liegt der DEHP-Anteil bei ca. 40%. Sofern Lipidemulsionen, wie etwa Medikamente in öliger Suspension, aber auch Blutplasma, durch derartige Schläuche geleitet werden, können nennenswerte Mengen (einige Milligramm) an DEHP freigesetzt werden. Bei der künstlichen Ernährung eines Frühgeborenen zum Beispiel lag die (ungewollte) DEHP-Zufuhr zwischen 10 und 20 Milligramm pro Tag. In derartigen Ernährungssituationen wurde bei Säuglingen und Kindern die duldbare tägliche DEHP-Aufnahmemenge um ein Vielfaches überschritten (Stellungnahme der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, 2002).

Stand: 16. November 2018 - 17:31 Uhr

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