Fremd- und Schadstoffe in der Muttermilch

Muttermilch: für die meisten Säuglinge die beste Ernährung

Stillen ist für die meisten Säuglinge die beste Ernährung.

Stillen ist für die meisten Säuglinge die beste Ernährung. Muttermilch genügt in den ersten sechs Monaten als einziges Lebensmittel für ein normales Gedeihen gesunder Säuglinge (Empfehlungen der Nationalen Stillkommission 2004, 2013b).

Das Stillen der Säuglinge hat viele Vorteile, sowohl für das Kind, als auch für die Mutter (z.B. Förderung der Rückbildung der Gebärmutter, Ausscheidung von eingelagertem Wasser).

Neben ernährungsphysiologischen Aspekten erfüllt Muttermilch mit ihren vielfältigen Inhaltsstoffen diverse andere physiologische Funktionen und unterstützt die Gesundheit des neugeborenen Menschen (Stillkommission 2013a).

Nachfolgend werden einige Vorteile des Stillens aufgeführt:

  • Muttermilch ist immer verfügbar und kostenfrei
  • Milch ist i.d.R. einwandfrei und richtig temperiert
  • hohe Verträglichkeit
  • angepasste Nährstoffmenge an die kindlichen Bedürfnisse
  • besseres Durchschlafen des Säuglings
  • Saugbewegung des Säuglings fördert dessen Entwicklung von Mimik, Gaumen und Gebiss
  • dem Säugling wird ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit vermittelt
  • engere Mutter-Kind Bindung

Prävention und Reduktion von verschiedenen Erkrankungen:

  • Sudden Infant Death Syndrome (SIDS, Plötzlicher Kindestod)
  • Reduktion der Inzidenz und Schwere von allgemeinen Infektionskrankheiten
  • Reduktion der Infektion von oberen und unteren Atemwegen
  • Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa)
  • Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Atemwegserkrankungen
  • Diabetes
  • Adipositas
  • bei Mädchen: Brust- und Eierstockkrebs

Schutzfunktion der Muttermilch

An der Schutzfunktion der Muttermilch sind sowohl spezifische Faktoren wie Antikörper als auch unspezifische Faktoren beteiligt. Zusammengenommen bieten sie den Neugeborenen den so genannten Nestschutz zur Abwehr von Krankheitserregern. Darüber hinaus mindert die Zusammensetzung der Muttermilch das Risiko für chronische, nicht übertragbare Erkrankungen im Erwachsenenalter. Stoffwechsel, Hormonsystem und Immunsystem können sich optimal entwickeln und die Reifung und Funktion des Zentralen Nervensystems wird stimuliert (AAP 2005; WHO 2007).

Vor einigen Jahren fanden Forscher einen speziellen Zucker-Komplex in der Muttermilch, die Humanmilch-Oligosaccharide (HMO). Dieser Zucker wird unverdaut wieder ausgeschieden. Bei seinem Weg durch den kindlichen Organismus entfaltet er eine entzündungshemmende Wirkung. So können Autoimmunkrankheiten verhindert oder gemindert werden (Bode 2003).

Die Wissenschaft vermutet weitere „Wirkstoffe“ in der Muttermilch. Sie konnten jedoch bis heute nicht eindeutig identifiziert werden. Hier sind weitere Forschungen notwendig.

Stillen

Bereits während der Schwangerschaft können Sie sich vom Fachpersonal das richtige Anlegen und verschiedene Stillpositionen zeigen lassen. Sie erhalten eine gute Stillposition, wenn das Kind mit seiner Vorderseite ganz Ihnen zugewandt ist. Durch das frühzeitige Üben und einem häufigen Anlegen nach der Geburt beugen Sie Problemen wie Milchstau, schmerzhaften Brustwarzen und Brustentzündungen vor.

Nach der Geburt sollten Sie Ihr Kind im Kreißsaal so früh wie möglich anlegen, am besten vor dem Baden, Wiegen und Messen. Durch die leicht verdauliche Vormilch erhält das Neugeborene viele Abwehrstoffe.

Zu Beginn der Stillzeit sollten Sie Ihr Kind an beide Brüste anlegen. Später kann ein- oder beidseitig gestillt werden. Wenn Ihr Kind hungrig ist, sollten Sie häufig und beidseitig stillen. Solange ausschließlich gestillt wird, benötigt Ihr Kind keine zusätzliche Flüssigkeit.

Sie können Ihr Kind so lange und so oft stillen wie Sie und Ihr Baby es möchten. Die Milchbildung wird durch das Trinken reguliert. Indem Sie Ihr Kind nach Bedarf stillen (in den ersten Lebenswochen etwa 10 bis 12mal am Tag), stellt sich ein Mutter-Kind-Stillrhythmus ein. Daher sollten Sie das Stillen 24 Stunden am Tag ermöglichen. Beim Stillen nach Bedarf wird auch für mehrere Kinder genügend Milch gebildet.

Sie sollten Stress vermeiden und sich vom Partner, der Familie oder Freunden unterstützen lassen. Ruhen Sie sich so oft wie möglich aus, trinken Sie, wenn Sie durstig sind und ernähren Sie sich ausgewogen. Bei jedem Stillen ist es empfehlenswert, ein Glas Wasser zusätzlich zu trinken.

Das Stillen wird weder von der Brustgröße noch von Flach- oder Hohlwarzen beeinflusst. Auch ein Kaiserschnitt ist kein Hindernis. Weil die Muttermilch besonders für Frühgeborene wertvoll ist, können Sie die Milch abpumpen, bis Ihr Kind alleine an der Brust trinken kann.

Wenn Sie während der Stillzeit Medikamente einnehmen müssen, sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen. Dieser kann Ihnen wahrscheinlich ein Medikament verschreiben, durch welches weder eine Stillpause noch ein Abstillen erforderlich wird. Sofern Ihr gestilltes Kind (Brech-)Durchfall hat, kann es weiter gestillt werden. Den Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten kann der Arzt mit geeigneten Rehydratationslösungen ausgleichen (Stillkommission 2013a, 2013b).

Ansprechpartner und weitere Informationen

Unterstützung und Informationen bei Problemen erhalten Sie von

  • Hebammen,
  • Laktationsberaterinnen,
  • Kinder-/Krankenschwestern oder
  • Ihrem Frauen- bzw. Kinder- und Jugendarzt.

Zusätzlich können Sie bei regionalen Gesundheitsämtern Adressen von Selbsthilfegruppen stillender Mütter erfragen und auf www.stillen-info.de weitere Informationen und Adressen von Beratungsstellen nachlesen. Sie können Sich auch an folgende Organisationen wenden (Stillkommission 2013a, 2013b):

Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS) e.V.
Geschäftsstelle
Bornheimer Str. 100, 53119 Bonn
Tel. 0228 3503871
Fax 0228 3503872
E-Mail: geschaeftsstelle@afs-stillen.de
Infoline für Stillberatung: 0180 5 7845536 (0,14 €/min aus dem deutschen Festnetz, abweichende Mobilfunktarife möglich)
Internet: www.afs-stillen.de

Berufsverband der Frauenärzte e.V.
Postfach 20 03 63, 80003 München
Tel. 089 244466-0
E-Mail: bvf@bvf.de
Internet: www.bvf.de

Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen IBCLC e.V.
Sekretariat
Hildesheimer Str. 124 E, 30880 Laatzen
Tel. 0511 87649860
Fax 0511 87649868
E-Mail: sekretariat@bdl-stillen.de
Internet: www.bdl-stillen.de

Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland e.V.
Geschäftsstelle Kinderkrankenhaus auf der Bult
Janusz-Korczak-Allee 12, 30173 Hannover
Tel. 0511 282608
Fax 0511 851516
E-Mail: bv-kinderkrankenpflege@t-online.de

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V.
Mielenforster Str. 2, 51069 Köln
Tel. 0221 68909-0
Fax 0221 683204
E-Mail: bvkj.buero@uminfo.de
Internet: www.kinderaerzte-im-netz.de/startseite/

Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V.
Kasseler Str. 1 a, 60486 Frankfurt/Main
Tel. 069 795349-71
Fax 069 795349-72
E-Mail: geschaeftsstelle@bfhd.de
Internet: www.bfhd.de

Deutscher Hebammenverband e.V.
Postfach 1724, 76006 Karlsruhe
Tel. 0721 98189-0
Fax 0721 98189-20
E-Mail: info@hebammenverband.de
Internet: www.hebammenverband.de

La Leche Liga Deutschland e.V.
Geschäftsstelle
Louis-Mannstaedt-Str. 19, 53840 Troisdorf
Tel.02241 1453996
E-Mail: info@lalecheliga.de
E-Mail-Beratung: beratung@lalecheliga.de
Internet: www.lalecheliga.de

WHO-UNICEF-Initiative „Babyfreundliches Krankenhaus“ (BFHI) e.V.
Jan-Wellem-Str. 6, 51429 Bergisch Gladbach
Tel. 02204 4045-90
Fax 02204 4045-92
E-Mail: info@babyfreundlich.org
Internet: www.babyfreundlich.org


Rückstände und Schadstoffe in der Muttermilch

Ein in der Monatsschrift Kinderheilkunde erschienener Beitrag liefert detaillierte Informationen und Bewertungen zu Rückständen und Schadstoffen in der Muttermilch und zur Entwicklung in den letzten dreißig Jahren.

von Mühlendahl, K. E., Otto, M.: Rückstände und Schadstoffe in der Muttermilch. In: Monatsschrift Kinderheilkunde 5/2012; S. 455-460.

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Stand: 1. August 2017 - 10:48 Uhr

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Grafik oben rechts (Säugling): Karin / pixelio.de.