Umweltstoffe mit rückläufiger Bedeutung

Stillen ist für die meisten Säuglinge die beste Ernährung.

Mehrere Bundesländer führen seit Mitte der 1970er Jahre Muttermilchuntersuchungsprogramme durch. Die Schwerpunkte der Untersuchungen liegen weiterhin vor allem auf chlororganischen Stoffen. Weitere bekannte Fremdstoffe sind Nitromoschusverbindungen, Flammschutzmittel und Weichmacher.

Chlororganische Verbindungen

Die chlororganischen Verbindungen, die sich heute in der Muttermilch wiederfinden, wurden früher hauptsächlich in Holzschutzmitteln, Pestiziden, in der Bautechnik (Dichtungsmassen) und zahlreichen Produkten und industriellen Anwendungen eingesetzt.

So wurde zum Beispiel DDT in der ehemaligen DDR als Holzschutzmittel verwendet, während in der alten BRD Pentachlorphenol (PCP) zum Einsatz kam.

DDT wurde auch als Insektenvernichtungsmittel gebraucht. Dies spielt in vielen Ländern, die von Malaria betroffen sind, auch noch immer eine Rolle. Lindan, die Gamma-Form des Hexachlorcyclohexan, wurde noch bis Ende 2007 in der Behandlung gegen Hautparasiten wie Läusen und Krätzemilben eingesetzt. Seit Januar 2008 ist es jedoch verboten.

Auch die meisten anderen Stoffe werden heute nicht mehr produziert und verwendet. Dies hat dazu geführt, dass die Konzentration der chlororganischen Verbindungen in der Muttermilch erheblich abgenommen hat (Abbildung 1).

Chlororganische Verbindungen - Velauf

Abbildung 1: Schadstoffe in der Muttermilch aus Deutschland im Verlauf. Eigene Darstellung nach: Kommission „Human-Biomonitoring“ des Umweltbundesamtes 1999 und 2008.

Vielfach werden die TDI-Werte nicht mehr überschritten. Beispielsweise ist das Gesamt-PCB von 1,2 mg/kg Fett in der Muttermilch in 1994 auf 0,5 mg/kg Fett in der Muttermilch in 2003-05 gesunken. Die WHO und die FAO haben den TDI auf 1 µg Gesamt-PCB pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag festgelegt.

Angenommen ein dreimonatiger Säugling (ca. 5 kg Körpergewicht) würde 800 ml Muttermilch am Tag mit einem Muttermilchfettgehalt von etwa vier Prozent trinken. Dann betrüge seine tägliche PCB-Aufnahme 0,32 µg pro Kilogramm und Tag, also ein Drittel des von der WHO als zulässig angesehenen Wertes.

Allerdings kann für andere Schadstoffe die Situation anders aussehen.

Nitromoschusverbindungen

Als synthetischer Bestandteil von vielen Duftstoffmischungen sind Moschusverbindungen in das Visier der Muttermilchuntersuchungsstellen gelangt. Auch hier ist ein deutlich rückläufiger Trend zu erkennen.

Chlororganische Verbindungen - Nitromoschusverbindungen

Abbildung 2: Moschusverbindungen in der Muttermilch aus Deutschland. Eigene Darstellung nach: Vieth 2002.

Nitromoschusverbindungen werden seit mehr als 100 Jahren in der Duftstoffproduktion eingesetzt.  Inzwischen sind die fettlöslichen Duftstoffkomponenten als Verunreinigung in Fettgeweben überall auf der Welt zu finden. Zu den wichtigsten und am meisten verwendeten Verbindungen gehören Moschus-Xylol und Moschus-Keton. Moschus-Xylol lagert sich besonders leicht im Fettgewebe ab und kam somit mengenmäßig mehr in der Muttermilch vor, als andere Moschusverbindungen. Aufgrund dessen nahm die Industrie 1994 die Duftstoffkomponente freiwillig aus ihren Produkten. Seitdem sind die Moschus-Xylol-Gehalte in der Muttermilch rückläufig.

Das weniger verwendete Moschus-Ambrette zeichnete sich in toxikologischen Untersuchungen durch eine neurotoxische und reproduktionstoxische Wirkung aus. Die Substanz ist in der Europäischen Union verboten.

 


Rückstände und Schadstoffe in der Muttermilch

Ein in der Monatsschrift Kinderheilkunde erschienener Beitrag liefert detaillierte Informationen und Bewertungen zu Rückständen und Schadstoffen in der Muttermilch und zur Entwicklung in den letzten dreißig Jahren.

von Mühlendahl, K. E., Otto, M.: Rückstände und Schadstoffe in der Muttermilch. In: Monatsschrift Kinderheilkunde 5/2012; S. 455-460.

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Stand: 1. Oktober 2019 - 12:19 Uhr

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