KiGGS–Studie zum Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen

Immer wieder ist in den Medien zu hören, Bildquelle: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.deKinder seien heutzutage übergewichtig, unbeweglich und nicht gesund. Dabei wird mit allerhand unterschiedlichem Zahlenmaterial argumentiert, es gibt jedoch nur unzureichende Informationen über die Verbreitung von Krankheiten und das Gesundheitsverhalten der Bevölkerung unter 18 Jahren. Es wurden zwar viele Studien publiziert, doch nur wenige waren repräsentativ für ganz Deutschland.

Dies wollte das Robert Koch-Institut (RKI) mit dem Projekt KiGGS ändern.

KiGGS ist eine Studie des Robert Koch-Instituts, die Daten zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen erhebt. Durch den Erfolg der Studie und die umfassenden Ergebnisse konnte sich daraus ein dauerhaftes und planbares Gesundheitsmonitoring entwickeln. Zu den drei Säulen des Gesundheitsmonitorings gehören neben der „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) auch die Studien zur „Gesundheit von Erwachsenen in Deutschland“ (DEGS) und „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA).

Aktuelle Ergebnisse (Frühjahr 2018)

Im Frühjahr 2018 hat das RKI erste Ergebnisse der zweiten Folgebefragung (KIGGS Welle 2, siehe unten) veröffentlicht. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Die Zahl der Mütter, die während der Schwangerschaft Nikotin konsumiert haben, liegt zwar immer noch bei 10,9 %, ist aber gegenüber dem Zeitraum der KIGGS-Basiserhebung um fast 50% zurückgegangen.
  • Die Anzahl übergewichtiger bzw. adipöser Kinder bewegt sich weiterhin auf einem hohen Niveau, gegenüber den Zahlen der Basiserhebung ist hier allerdings eine Stabilisierung zu verzeichnen (leichter Anstieg bei Übergewicht inkl. Adipositas von 15,0 % auf 15,4 %, leichter Rückgang bei Adipositas von 6,3 % auf 5,9 %).
  • Auf die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Heranwachsende empfohlenen mind. 60 Minuten aktive Bewegungszeit täglich kommen nur 22,4% der Mädchen und 29,4% der Jungen, gegenüber 25,9 % bzw. 29,7 % im Zeitraum der KIGGS Welle 1.
  • Der Konsum zuckerhaltiger Getränke wie Cola oder Energy Drinks ist rückläufig.
  • Eine positive Entwicklung ist beim Tabakkonsum zu verzeichnen: Die Zahl der gelegentlichen oder täglichen Raucher zwischen 11 und 17 Jahren ging auf 7,2 % gegenüber 21,4 % zum Zeitraum der Basisuntersuchung zurück.

Aufbau der Studie

Der KiGGS ist eine bundesweite Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Gesundheit (BMG) und dem Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Es ist die bislang größte repräsentative bundesweite Studie zur Gesundheit der heranwachsenden Generation. Ziel dieses Surveys war es, umfassende und bundesweit repräsentative Informationen zum Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen zu erheben.

Seit Mai 2003 wurden drei Jahre lang Daten zur Gesundheit der Kinder gesammelt. Die Beteiligung war sehr gut: zwei von drei angeschriebenen Kindern und Jugendlichen nahmen teil. Insgesamt wurden somit Daten von 17.641 Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 17 Jahren erfasst.

Die Untersuchungen wurden in 167 Städten und Gemeinden (Sample Points) durchgeführt. Die Jungen und Mädchen im Alter von 0 bis 17 Jahren wurden zufällig aus den Melderegistern der Einwohnermeldeämter ausgewählt.

Informationen und Daten wurden auf drei Wegen erfasst:

  • Durch Fragebögen für die Eltern (parallel dazu auch für die Kinder und Jugendlichen ab 11 Jahren selbst).
  • Durch ärztliche Gespräche, die in den Studienzentren stattfanden und in denen unter anderem Fragen zum Medikamentenkonsum, zu Allergien und zum Impfstatus gestellt wurden.
  • Durch ein Mess- und Untersuchungsprogramm, in dem zusätzliche Parameter wie Größe, Gewicht, Blutdruck u.ä. bestimmt wurden.

Neben der Hauptstudie mit fast 18.000 Teilnehmern, gibt es folgende kleinere Zusatzuntersuchungen, die nur Stichproben der Teilnehmer untersuchen und sich auf einen Schwerpunkt konzentrieren:

  • Bella-Studie, die sich auf die psychische Gesundheit konzentriert
  • KUS (Kinder-Umwelt-Survey; weitere Informationen dazu finden Sie hier)
  • MOMO (Motorik-Modul)
  • EsKiMo (zusätzliches Ernährungsmodul)
  • Ländermodul speziell für Schleswig Holstein

Die aus den Studien gewonnenen Daten können Schwachstellen aufzeigen und so neuen und evidenzbasierten Präventions- und Interventionsansätzen dienen. Die teilnehmenden Kinder konnten davon profitieren, in einem Alter untersucht zu werden, für das keine Vorsorgeuntersuchungen vorgesehen sind.

KiGGS-Folgebefragungen (Wellen 1 und 2)

Die Folgebefragung (KiGGS Welle 1) wurde im Zeitraum 2009 bis 2012 durchgeführt. Es handelt sich um eine kombinierte Quer- und Längsschnittserhebung basierend auf Einwohnermeldeamtstichproben aus den 167 KiGGS-Studienorten. Insgesamt waren die Teilnehmenden in einem Alter zwischen 0 und 24 Jahren.

Von den 17.641 teilnehmenden Kindern der Basiserhebung waren zu Beginn der Folgestudie noch 10.924 im relevanten Alter (7 bis 17 Jahre). Davon nahmen 7913 Personen an der Folgebefragung teil. Insgesamt waren an der Folgebefragung 12.368 Kinder und Jugendliche (6093 Mädchen, 6275 Jungen) im Alter von 0 bis 17 Jahren beteiligt (bzw. deren Eltern). Die neue Querschnittsstichprobe 0 bis 6-Jähriger umfasste damit 4455 Teilnehmende. Die Erhebung erfolgte hauptsächlich mittels Telefoninterviews.

Themenschwerpunkte waren die körperliche und psychische Gesundheit, das Gesundheitsverhalten sowie die Rahmenbedingungen für die Gesundheit (bio-psycho-soziale Umwelt).

Die zweite Folgeerhebung (KIGGS Welle 2) fand von 2014 bis 2017 statt. Wiederum an 167 KIGGS-Studienorten wurden Untersuchungen und / oder Befragungen der in inzwischen zu Jugendlichen oder jungen Erwachsenen herangewachsenen Teilnehmer der Basiserhebung durchgeführt.

Ergebnisse

Die Ergebnisse des KiGGS wurden im Mai 2007 sehr ausführlich im Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht (Band 50, Heft 5/6). Ergebnisse der ersten Folgebefragung wurden im Juli 2014 ebenfalls im Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht (Band 57, Heft 7). Im März 2018 hat das RKI die ersten Ergebnisse der zweiten Folgebefragung veröffentlicht.

Generell werden die Ergebnisse der Untersuchung regelmäßig in den Medien, von der Gesundheitspolitik und von der wissenschaftlichen Fachöffentlichkeit zitiert. Auch international sind die Ergebnisse der Studie für Vergleichsuntersuchungen von Bedeutung.
Auf den folgenden Seiten finden Sie zusammenfassend die wichtigsten Ergebnisse:

KiGGS-Folgebefragung (Welle 2)

Mit der nächsten Befragungswelle von KiGGS werden im Zeitraum von 2014 bis 2016 erneut aktuelle Daten zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland erfasst. Neben Befragungen umfasst die Erhebung körperliche Untersuchungen, Tests und Laboruntersuchungen von Blut und Urin.

Die geplante Teilnehmerzahl liegt bei etwa 23.000 Personen zwischen 0 und 29 Jahren. Sie werden – wie auch in der Basiserhebung von 2003 bis 2006 - aus 167 Städten und Gemeinden in Deutschland eingeladen. Die Querschnittsdaten werden mithilfe der Altersgruppe der 0 bis 17-Jährigen erhoben. Die wiederholte Untersuchung der 11 bis 29 Jahre alten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ermöglicht eine Beobachtung über drei Messpunkte (Basiserhebung, Welle 1 und Welle 2). Durch die Längsschnittuntersuchung können insbesondere die Lebensphasenübergänge (vom Kindes- ins Jugendalter und vom Jugend- ins Erwachsenenalter) sowie die Ursachen und Bedingungen für gesundheitliche Veränderungen und Änderungen des Gesundheitsverhaltens beobachtet werden.

Die inhaltlichen Schwerpunkte sind der Gesundheitsstatus, das Gesundheitsverhalten, die Lebensbedingungen, Schutz- und Risikofaktoren sowie die Inanspruchnahme von Leistungen des Gesundheitssystems.

Quellen:

Bundesgesundheitsblatt: Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys. Band 50. Heft 5/6. Mai/Juni 2007.
Bundesgesundheitsblatt: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland: Ergebnisse der ersten Folgebefragung (KiGGS Welle 1). Band 57. Heft 7. Juli 2014.

Stand: 29. Juni 2018 - 9:53 Uhr

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Bild oben rechts (Kinder): Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de.