Essstörungen und Ernährungsverhalten

Essstörungen

Das Vorhandensein einer Essstörung wurde in der KiGGS-Studie anhand eines Fragebogens mit fünf recht allgemeinen Fragen erfasst.

Bei zwei „positiven“ Antworten wurden Hinweise auf eine mögliche Essstörung gesehen. Dabei zeigten 21,9 % der Befragten 11- bis 17-Jährigen ein auffälliges Essverhalten, am häufigsten Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren.

Mit dieser Methode können jedoch keine Diagnosen gestellt, sondern nur Verdachtsfälle gefunden werden.

Schlagzeilen wie „Jedes dritte Mädchen hat Essstörungen“ (Neue Osnabrücker Zeitung vom 26.09.2006) sind somit schlichtweg falsch.

Ernährungsverhalten

Eine gesunde Ernährung ist wichtig für den Aufbau und Erhalt der Körperfunktionen und die Gesunderhaltung des Körpers.

Wie man sich ernähren soll, ist den meisten Menschen vermutlich theoretisch bekannt: Gemüse, Obst, kalorienfreie Getränke sowie Vollkornprodukte, Reis und Nudeln sollten reichlich verzehrt werden. Milchprodukte, Eier Fleisch und Fisch und pflanzliche Fette gehören ebenso auf den Speiseplan, wenn auch seltener. Mit Süßigkeiten und Knabberartikeln sollte man sehr sparsam umgehen.

Die Kampagne „5 am Tag“ wirbt schon seit Jahren für einen höheren Verzehr von Obst und Gemüse. Doch essen die Kinder heute – bei einem enormen Angebot an Nahrungsmitteln – nach diesen Empfehlungen?

Das Ernährungsverhalten deutscher Kinder wurde zuletzt vor 20 Jahren innerhalb der ersten Nationalen Verzehrsstudie untersucht. Seitdem hat sich das Lebensmittelangebot sehr verändert.

Im KiGGS wurde das Ernährungsverhalten mit einem Verzehrshäufigkeitsfragebogen zu 50 Lebensmittelgruppen ermittelt. Auch ein Teil des allgemeinen Gesundheitsfragebogens betraf die Ernährung. Für die 1- bis 10-jähigen Kinder füllten die Eltern den Bogen aus. Fast 16.000 Teilnehmer gaben einen ausgefüllten Fragebogen ab. Zudem wurden bestimmte biochemische Parameter im Blut und Urin ermittelt, die Rückschlüsse auf die Ernährung ermöglichten.

Einige interessante Ergebnisse sind:

  • Der Konsum von Softdrinks nimmt mit dem Alter zu und ist bei Jungen höher als bei Mädchen.
  • Die Hälfte der Kinder trinkt täglich Milch (die wichtiges Kalzium liefert), Jungen häufiger als Mädchen. Mit dem Alter nimmt der Milchkonsum ab. Der Anteil der Kinder, die mehrmals täglich Käse essen, steigt jedoch mit dem Alter.
  • Mehr Jungen als Mädchen essen mehrmals täglich Milchprodukte (Joghurt, Quark).
  • Nur 5,3 % der Jungen und 3,7 % der Mädchen essen täglich Fleisch (ohne Geflügel), die meisten essen 1-6 Mal wöchentlich Fleisch. Den höchsten Fleischverzehr haben 14-17-jährige Jungen.
  • 40 % der Jungen und 32 % der Mädchen essen täglich Wurst.
  • Geflügel wird größtenteils 1-2 Mal wöchentlich konsumiert. Migranten essen häufiger Geflügel als Nicht-Migranten.
  • Die meisten Jungen und Mädchen essen 1-2 Mal im Monat Fisch.
  • Weißbrot wird häufiger verzehrt als das gesündere Vollkornbrot. Bei 7- bis 13-jährigen Jungen liegen Cerealien sehr im Trend.
  • Türkische Kinder und Jugendliche verzehren häufiger Leitungswasser, rohes Gemüse, aber auch frittierte und gebratene Kartoffeln, Schokolade und Knabberartikel.
  • Ca. die Hälfte der Befragten isst täglich Obst und ca. ein Viertel isst täglich rohes Gemüse.
  • Fast 16 % essen täglich Schokolade und fast 20 % andere Süßigkeiten.
  • Fast Food wird von den meisten Kindern nur 1-3 Mal monatlich gegessen. Jungen essen mehr Fast Food als Mädchen.
  • Der Konsum von Knabberartikeln nimmt mit dem Alter zu.

Insgesamt essen Kinder und Jugendliche weniger Brot und Getreideprodukte, Obst, Milchprodukte, Fisch und Beilagen als empfohlen. Der Konsum von fetten Snacks und gesüßten Getränken ist hingegen zu hoch. Fehlernährung im Kindesalter kann schwerwiegende langfristige Konsequenzen mit sich ziehen, zudem werden die Vorlieben für bestimmte Lebensmittel schon im Kindesalter geprägt. Deshalb sollten Eltern auf eine ausgewogene Ernährung ihrer Kinder achten.

Quellen:

Hölling, H. & Schlack, R. (2007). Essstörungen im Kindes- und Jugendalter. Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 50 (5-6), S. 794-799.

Mensink, G.B.M., Kleiser, C. & Richter, A. (2007). Lebensmittelverzehr bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 50 (5-6), S. 609-623.

Stand: 2. Oktober 2019 - 11:05 Uhr

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