Nutzung elektronischer Medien im Jugendalter

Die gesundheitlichen Folgen intensiver Mediennutzung sind umstritten. Neben psychosomatischen Beschwerden, entwicklungspsychologischen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten, z.B. als Folge von Gewaltdarstellungen in den Medien wird die Mediennutzung als einer der Hauptgründe für einen vermeintlich zunehmenden Bewegungsmangel und für die Übergewichtigkeit angenommen.

Dagegen spricht jedoch, dass der Sport in den vergangenen 25 Jahren in der Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen einen unverändert hohen Stellenwert einnimmt. KiGGS beschreibt Häufigkeit und Intensität der Mediennutzung und fragt nach Zusammenhängen mit Alter, Geschlecht, Migrationsstatus und Wohnung sowie den Einflüssen auf körperliche Aktivität und Körpergewicht. Die Daten kommen von 11- bis 17-jährigen Jugendlichen.

Nutzungshäufigkeit, Intensität

Gefragt wurde, ob Fernsehen/Video und Musikhören, Computer/Internet, Handy und Spielkonsole gar nicht, ungefähr 30 Minuten, 1 – 2 Stunden, 3 – 4 Stunden oder mehr als vier Stunden täglich genutzt würden:

Fernsehen/Video  

11-13 Jahre

14 -17 Jahre

 

(Jungen/Mädchen)

(Jungen/Mädchen)

gar nicht

4,7/4,3 %

3,5/4,2 %

ca. 30 Minuten

26/26 %

18/19 %

ca. 1-2 Stunden

52/51 %

54/50 %

3 Stunden und mehr

18/18 %

25/27%

Computer/Internet

11-13 Jahre

14-17 Jahre

 

(Jungen/Mädchen)

(Jungen/Mädchen)

gar nicht

24/35 %

15/27 %

ca. 30 Minuten

37/42 %

26/40 %

ca. 1-2 Stunden

32/20 %

36/25 %

3 Stunden und mehr

7,7/3,4 %

23/8 %

Die Zeiten für die Benutzung von Spielkonsolen liegen um etwa ein Drittel bis zur Hälfte niedriger als die in den Tabellen angegebenen Zahlen, sind aber auch erheblich.

Im Durchschnitt verbringen die 11- bis 17-Jährigen Jungen 3,8 Stunden täglich mit Fernsehen, Video, Computer, Internet und Spielkonsole, die Mädchen 2,7 Stunden. Zwei Drittel der Jungen beschäftigen sich damit 3 Stunden und mehr, ein Drittel 5 Stunden und mehr. Bei Mädchen liegen die entsprechenden Anteile bei 43 % und 18 %.

Laut der KiGGS Folgestudie verbringen ca. zwei Drittel der Jugendlichen 1 bis 5 Stunden pro Tag mit der Nutzung elektronischer Bildschirmmedien. Mädchen verbringen deutlich weniger Zeit vor dem Bildschirm als Jungen.

Abhängigkeit von verschiedenen Variablen

Bei Jungen „fördern“ ein niedriger Sozialstatus, der Besuch der Hauptschule, Migrationshintergrund und eine Wohnung im Osten den Medienkonsum z.T. deutlich.
Bei Mädchen hat der Migrationshintergrund keinen Einfluss auf die Mediennutzung. Die anderen Variablen wirken bei Mädchen in gleicher Richtung.

Mediennutzung und körperliche Aktivität

Körperlich "inaktiv", d.h. mit sportlicher Bewegung weniger als einmal pro Woche, sind bei den Jungen, die täglich 3 und mehr Stunden mit Fernsehen/Video verbringen, 15 %, bei denen, die weniger als eine Stunde oder eine bis zwei Stunden fern- und videosehen 9 %. Bei Mädchen betragen diese Werte 32 % und 19 %. Wenn statt des Fernsehens die Beschäftigung mit dem Computer eingesetzt wird, sind die Werte fast identisch.

Der Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Medienkonsum ist auch in der KiGGS Folgestudie bestenfalls als moderat zu bezeichnen. So kann erst ab einer intensiven Mediennutzung (ab fünf Stunden täglich) ein Effekt auf körperliche Inaktivität festgestellt werden. Dieser Zusammenhang ist nur bei Jungen signifikant.

Mediennutzung und Adipositas

6 % der Jungen und Mädchen mit einer täglichen Mediennutzung von weniger als einer Stunde leiden an Adipositas. Bei einer Mediennutzung von 3 Stunden und mehr am Tag sind es schon 12 %. Der Zusammenhang ist stärker ausgeprägt bei den 11- bis 13-Jährigen, weniger stark bei den Älteren.

Beurteilung

Die Zeit, die Jugendliche mit elektronischen Medien täglich verbringen, ist beunruhigend hoch, nach unserer Meinung vor allem auch deshalb, weil diese Beschäftigung nicht gemeinschaftsförderlich ist. Eine Einschränkung von körperlicher Aktivität und eine Zunahme von Adipositas und Übergewicht scheint erst bei sehr intensiver Mediennutzung nachweisbar zu werden, bei Zeiten von unter drei Stunden scheint kein erheblicher Zusammenhang zu bestehen.

Quellen:

Lampert, T., Syugasch, R. & Schlack, R. (2007). Nutzung elektronischer Medien im Jugendalter. Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 50 (5-6), S. 634-642.

Manz, K., Schlack, R., Poethko-Müller, C., Mensink, G.B.M., Finger, J. & Lampert, T. (2014). Körperlich-sportliche Aktivität und Nutzung elektronischer Medien im Kindes- und Jugendalter. Ergebnisse der KiGGS-Studie - Erste Folgebefragung (KiGGS Welle 1). Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 57 (7), S. 830-839.

Stand: 14. Dezember 2016 - 10:17 Uhr

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