Perinatale Einflussfaktoren

Das Wort „perinatal“ bezeichnet die Zeit um die Geburt herum. Die Perinatalperiode streckt sich von der 28. Schwangerschaftswoche bis zum Ende der ersten Lebenswoche. Es wird davon ausgegangen, dass in dieser Zeit lebenslange Funktionen wie der Appetit und die späteren Körpermaße „programmiert“ werden. So können zum Beispiel in dieser Zeit Hormone, Ernährung und Gewichtszunahme, Blutarmut, Bluthochdruck, Diabetes, Tabak- und Alkoholkonsum sowie Nährstoffdefizite der Mutter sich nachhaltig auf die Gesundheit des Kindes auswirken.

Übergewichtige Mütter gebären beispielsweise schwerere Neugeborene, die auch im späteren Leben ein erhöhtes Risiko haben, übergewichtig zu werden. Auch hoher Blutdruck, Diabetes, Allergien, Asthma, ADHS, Suchtverhalten, Intelligenz und andere Gesundheitsfaktoren und Eigenschaften des Kindes werden in der perinatalen Zeit geprägt.

Der KiGGS untersuchte die perinatalen Einflussfaktoren anhand von schriftlichen Befragungen der Eltern sowie den Dokumenten der Schwangerschafts- und Kindervorsorge.

Ergebnisse:

In den letzten 20 Jahren ist die durchschnittliche Gewichtszunahme während der Schwangerschaft um mehr als 2 kg angestiegen. Die mittlere Gewichtszunahme liegt bei 15,1 kg, was viel zu viel ist. Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Gewichtszunahme der Mutter und dem Geburtsgewicht des Kindes.

17-18 % der Frauen gaben an, in der Schwangerschaft geraucht zu haben. Damit hat das Rauchen in der Schwangerschaft in den letzten Jahren abgenommen. Unter Frauen mit niedrigem Sozialstatus waren im KiGGS etwa viermal so viele Raucherinnen wie unter Frauen mit hohem Sozialstatus.

Alkohol konsumierten jedoch Frauen mit hohem Sozialstatus 2,5mal mehr als Frauen in der sogenannten Unterschicht. Insgesamt tranken in der Schwangerschaft ca. 14 % der Mütter gelegentlich und weniger als 1 % regelmäßig Alkohol. Es tranken jedoch nur 5 % der Mütter mit Migrationshintergrund gelegentlich. Der Alkoholkonsum in der Schwangerschaft hat in den letzten Jahren noch zugenommen.

Es ist zu erwarten, dass in Wirklichkeit mehr Frauen ein riskantes Verhalten in der Schwangerschaft aufweisen, als Befragungen ergeben.

Da die toxischen Wirkungen von Tabakrauch und auch von nur geringen Alkoholmengen hinreichend bekannt sind und oft schwere und lebenslange Wirkungen für das Kind mit sich ziehen, besteht ein dringender Interventionsbedarf. Die Ergebnisse des KiGGS deuten auf die große politische Relevanz der Thematik hin.

Quelle:

Bergmann, K.E., Bergmann, R.L., Ellert, U. & Dudenhausen, J.W. (2007). Perinatale Einflussfaktoren auf die spätere Gesundheit. Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 50 (5-6), S. 670-676.

Stand: 2. Oktober 2019 - 11:06 Uhr

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