Sexuelle Reifung

Kinder sind heute größer und schwerer als noch vor 100 Jahren und kommen auch eher in die Pubertät.

Das mittlere Alter der ersten Regelblutung hat sich um 2 Jahre nach unten verschoben. Das ist vermutlich in einer veränderten Ernährung und einer besseren gesundheitlichen Betreuung begründet.

Im KiGGS wurden 3.803 Mädchen im Alter von 10 bis 17 Jahren nach ihrer ersten Regelblutung und 4.028 Jungen im selben Alter nach dem Stimmbruch gefragt, zudem wurden die Kinder und Jugendlichen gebeten, anhand von Bildern ihre eigene Schambehaarung einzuschätzen.

Mit 10 Jahren berichteten 42,4 % der Mädchen und 35,7 % der Jungen über das Vorhandensein von Schamhaaren. Bei 13-jährigen Jungen und Mädchen waren alle Ausprägungen der Schambehaarung vertreten, was die Spannbreite der Reifeentwicklung verdeutlicht.

Das mittlere Alter für die erste Regelblutung liegt bei Mädchen bei 12,8 Jahren, das mittlere Alter für eine tiefe Stimme bei Jungen bei 15,1 Jahren.

Ein deutlicher Zusammenhang besteht zwischen dem Auftreten der Menarche und dem BMI. Bei Mädchen mit einem hohen BMI beginnt die Entwicklung eher und ist auch eher beendet. Adipöse Mädchen haben ihre erste Regelblutung im Mittel mit 12,1 Jahren, stark untergewichtige Mädchen hingegen mit 14,9 Jahren. Dass ein Mangel an Fettmasse zu einer spät einsetzenden Pubertät und dem Ausbleiben der Periode führt, ist schon lange bekannt.

Es gibt keine Entwicklungsunterschiede aufgrund der Wohnortgröße, ebenso gibt es keinen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland. Mädchen mit hohem Sozialstatus jedoch bekommen ihre erste Regelblutung später (mit 13,0 Jahren) als Mädchen mit mittlerem oder niedrigen Sozialstatus (12,9, bzw. 12,5 Jahre). Das könnte allerdings damit zusammenhängen, dass es in sozial schwächeren Familien mehr Kinder mit Adipositas gibt. Auch Mädchen mit Migrationshintergrund bekommen ihre erste Regelblutung eher (12,5 vs. 12,9 Jahre).

Quelle:

Kahl, H., Schaffrath Rosario, A. & Schlaud, M. (2007). Sexuelle Reifung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 50 (5-6), S. 677-685.

Stand: 2. Oktober 2019 - 11:06 Uhr

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