Kindergesundheit und Umwelt: Reagieren Kinder empfindlicher als Erwachsene?

Kinder nehmen eine besondere Stellung ein, was Einflüsse der Umwelt auf die Gesundheit angeht.Kinder nehmen eine besondere Stellung ein, was Einflüsse der Umwelt (im weitesten Sinne) auf die Gesundheit angeht. Aus diesem Grund sind Gesundheits- und Umweltbehörden, Kinderärzte und Umweltmediziner häufig mit Fragen der besonderen Empfindlichkeit von Kindern gegenüber Einflüssen aus der Umwelt konfrontiert.

  • Wo aber liegen die besonderen Gefahren für Kinder?
  • Reagieren alle Kinder gleich und immer nur empfindlicher als Erwachsene? 
  • Wo sind die Altersgrenzen und was macht eigentlich Kinder empfindlicher?

Der nachfolgende Text basiert auf einem kürzlich erschienenen Artikel (Straff, v. Mühlendahl: Umweltbelastungen und die Gesundheit von Kindern), der hier gekürzt und stellenweise ergänzt wiedergegeben wird. Dabei wird insbesondere auf Besonderheiten in der vorgeburtlichen Phase und in den ersten Lebensmonaten und -jahren eingegangen.

Dafür, dass gerade Kinder und Jugendliche häufig in den Fokus der Betrachtungen und Besorgnisse gestellt werden, gibt es eine Reihe von guten Gründen:

  1. Embryonen, Feten und Kinder befinden sich in somatischer (körperlicher) und funktioneller Entwicklung. Entwicklungsprozesse sind in aller Regel störanfälliger als statische, ausdifferenzierte Systeme.
  2. Viele physiologische und metabolische Verhältnisse variieren altersabhängig. Das gilt insbesondere für die Neugeborenenzeit, in der die Metabolisierung ("Verstoffwechselung") und Ausscheidung von Stoffwechselprodukten, Medikamenten und Schadstoffen verlangsamt und mitunter auch beschleunigt sein können. Die Größenverhältnisse der Organe, Wasser-, Energieumsatz und Atmung sind, bezogen auf Körpergewicht oder Körperoberfläche, bei Kindern ganz anders als bei Erwachsenen.
  3. Verhalten und Exposition sind in der Kindheit anders als im späteren Lebensalter. Kinder sind körperlich aktiver, sie trinken und atmen – in Bezug auf das Körpergewicht – mehr als Erwachsene, sie halten sich öfter und länger draußen auf.
  4. Der Mensch steht am Ende einer langen Nahrungskette, während derer sich Schadstoffe und Rückstände, insbesondere langlebige lipophile (fettlösliche) Substanzen, im Fettgewebe und – für den gestillten Säugling besonders wichtig – in der Muttermilch anreichern können.
  5. Kinder haben zumeist eine lange Lebenszeit vor sich. Eine störungsfreie Entwicklung im Kindesalter ist eine gute Grundlage für die Gesundheit im Erwachsenenalter.
  6. Schließlich sind Allergien und insbesondere die Neurodermitis, für die neben der genetischen Disposition Umweltfaktoren (im weitesten Sinne) verantwortlich sind, bei Kindern besonders häufig.

Derartige Tatsachen rechtfertigen eine besondere Betrachtung hinsichtlich der Empfindlichkeit von Kindern und Jugendlichen gegenüber Umwelteinflüssen und der im toxikologischen Sinne besonderen Verhältnisse für die Pränatalzeit und das Säuglings- und Kleinkindesalter.

Stand: 24. Juli 2017 - 9:44 Uhr