Plötzlicher Kindstod im Elternbett

SIDS (Sudden Infant Death Syndrome) ist die englische Bezeichnung für den Plötzlichen Kindstod.

Der unerwartete Tod von scheinbar gesunden Kindern tritt während des Schlafes insbesondere im ersten Lebensjahr auf. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Es werden u.a. gemeinsames Schlafen von Kind und Eltern in einem Bett („bed sharing“), Rauchen der Eltern, Alkohol- oder Drogenkonsum der Mutter vermutet.

SIDS tritt nur sehr selten auf und kann laut bisherigen Erkenntnissen weiter gesenkt werden, wenn das Baby gestillt und auf Rauchen, Alkohol und Drogen verzichtet wird. Die Zahl der Todesfälle nahm von 1991 bis 2011 um 89 % ab.

Aktueller Kenntnisstand zu SIDS im Elternbett

In epidemiologischen Studien lässt sich ein sog. U-förmiger Zusammenhang zwischen der Nähe zu Erwachsenen und SIDS nachweisen. Kinder, die im selben Raum wie die Eltern aber im eigenen Bett schlafen, sind am wenigsten gefährdet. Kinder, die in einem separaten Zimmer bzw. mit den Eltern im gleichen Bett schlafen, sind dagegen stärker gefährdet. Vermutet wird, dass Faktoren wie Rauchen, Alkohol, Drogen, eine Positionierung des Kindes in Bauchlage, ein ungünstiges Schlafumfeld (z.B. Sofa, Wasserbett) oder Formula-Ernährung einen negativen Einfluss haben.

Carpenter et al. (2013) griffen dieses Thema wieder auf, indem sie fünf Studien zu SIDS analysierten. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Kinder, die jünger als drei Monate sind, ein erhöhtes Risiko für SIDS im Elternbett besitzen, auch wenn diese gestillt werden, die Eltern nicht rauchen und die Mutter weder Alkohol noch Drogen konsumiert.

Das Risiko steigt laut Carpenter et al. (2013) weiter an, sofern das Kind nicht gestillt wird oder Tabak, Alkohol oder Drogen konsumiert werden.

Um SIDS zu vermeiden, empfehlen die Autoren, nicht mit den Babys im selben Bett zu schlafen. Carpenter et al. (2013) stellen auch fest, dass das Risiko für SIDS mit zunehmendem Alter abnimmt.

Kritik an der SIDS-Studie von Carpenter et al. (2013):

In vielen Kommentierungen wurden verschiedene Schwachstellen der Studie aufgezeigt. So wiesen beispielsweise Renz-Polster & De Bock (2013) auf das Alter der untersuchten Studien (15-26 Jahre) hin. Neuere Daten zu SIDS flossen nicht in die Beurteilung ein. Da in der Zwischenzeit die Schlafumgebung sicherer wurde und sich das Schlafverhalten (Gebrauch von z.B. Babybetten) geändert hat, wurden zu hohe Werte zugrunde gelegt. Daher ist es fraglich, ob die Studie die heutige Situation tatsächlich widerspiegelt.

Als weitere Schwachstellen sehen Renz-Polster & De Bock (2013) die Definitionen für „gestillte Kinder“ und „bed sharing“ an. So werden zu den gestillten Kindern auch diejenigen gezählt, welche teilweise mit der Flasche gefüttert werden. Der Schutz vor SIDS wird aber insbesondere durch das ausschließliche Stillen hervorgerufen.

Ähnlich sieht es bei den Schlafgewohnheiten aus. Kinder, die normalerweise in einem separaten Bett schlafen, werden ebenfalls in die Definition „bed sharing“ aufgenommen, wenn sie die letzte Nacht bei den Eltern geschlafen haben. In solchen Fällen liegen laut Literatur oft besondere Umstände vor wie z.B. eine Erkältung beim Kind. Daher sind Renz-Polster & De Bock (2013) der Auffassung, dass, wie in verschiedenen neueren Studien geschehen, zwischen regelmäßigem „bed sharing“ und „bedsharing during last night only“ differenziert werden sollte.

Nach heutigem Wissensstand liegt bei jedem SIDS ein vermeidbarer Risikofaktor vor. Daher ist eine Aufklärung der Eltern über SIDS sinnvoller als „bed sharing“ generell zu verbieten. Gleichzeitig ist der Entstehung neuer Risiken vorzubeugen. Niedrig-Risiko-Gruppen könnten aus Angst vor SIDS Kinder an Orten wie z.B. auf der Couch oder im Sessel stillen. Wenn Mutter und Kind dort einschlafen, erhöht sich das SIDS-Risiko.

Stand: 29. Juli 2018 - 18:04 Uhr

Autor/en: