Biomonitoring-Untersuchungen von Umweltverbänden

In einigen Jahren haben Naturschutzverbände mehrfach Ergebnisse ihrer Biomonitoring-Untersuchungen der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der World Wildlife Fund (WWF) untersuchte im Juni 2004 das Blut von 11 EU-Ministern, die an der 4. Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit in Budapest teilnahmen. Das Blut wurde dann auf langlebige und bioakkumulierende Stoffe, teilweise mit endokriner Wirkung analysiert. Dazu gehören beispielsweise bromierte Flammschutzmittel, Phthalate, polychlorierte Biphenyle und einige Organo-Chlor-Verbindungen.

Zur gleichen Zeit startete der WWF ein Projekt zum Familienmonitoring an 7 Familien aus England, Schottland und Wales. Hier wurde das Blut von insgesamt 33 Teilnehmern aus drei Generationen (Großeltern, Eltern, Kinder)  auf 104 Chemikalien getestet. Das Ergebnis: Im Blut aller drei untersuchten Generationen fanden sich - unabhängig vom Wohnort - Spuren der meisten untersuchten Verbindungen. Das Spektrum der Verbindungen hing auch von der Generation ab. Flammschutzmittel wurden häufiger im Blut von Kindern als bei ihren Eltern und Großeltern gefunden (WWF 2003, 2004).

Am 8. September 2005 stellten WWF und Greenpeace in einer Pressemitteilung ihre Untersuchungen zum Vorkommen von 8 Chemikaliengruppen im mütterlichen Blut und im Nabelschnurblut vor (WWF und Greenpeace 2005). Einen Monat später, am 6. Oktober 2005, veröffentlichte der WWF in Brüssel die Ergebnisse seiner "Generation X" - Studie zum Vorkommen von Stoffen in Familien aus 12 europäischen Ländern.

In den genannten WWF-Studien wird im Wesentlichen über die Anwesenheit bzw. Abwesenheit der untersuchten Stoffe im Blut berichtet. Für eine umweltmedizinisch-wissenschaftliche Bewertung, ob es sich hier um Spuren oder um gesundheitlich möglicherweise bedeutsame Mengen gehandelt hat, reichen die mitgeteilten Daten nicht aus.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) präsentierte im Juni 2005 die Ergebnisse seiner Literaturstudie "Über 300 Schadstoffe in der Muttermilch - Zeit für eine neue Chemikalienpolitik". Sie fasst aktuelle Daten zur Muttermilchbelastung mit polychlorierten Biphenylen (PCB), DDT, Lindan, aber auch mit Flammschutzmitteln, Duftstoffen und Weichmachern zusammen und bewertet sie. Wichtigstes Ergebnis der Recherche: Die Belastung der Muttermilch mit PCB, DDT und Dioxinen ist rückläufig, es werden jedoch auch neue Stoffgruppen wie Weichmacher, Flammschutzmittel und Duftstoffe nachgewiesen (Cameron und Smolka, 2005).

Beide Verbände verweisen auf die EU-Verordnung über die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien (REACH).

Stand: 23. Juni 2018 - 15:16 Uhr

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