Neuere Zahnfüllungsmaterialien

Die Anforderungen an Zahnfüllungsmaterialien sind anspruchsvoll und oftmals nur schwer miteinander zu vereinbaren. Sie sollen auf der einen Seite eine lange Haltbarkeit und eine hohe Verträglichkeit aufweisen, nicht allergen sein oder das umliegende Gewebe beschädigen, auf der anderen Seite sollen sie jedoch auch antibakteriell wirken und die Heilung eines Zahnes begünstigen. Seit der Indikationseinschränkung für Amalgam und in Zusammenhang mit ästhetischen Ansprüchen der Patienten werden zunehmend zahnfarbene Füllungsmaterialien gewünscht und auch verwendet. 66% der Zahnfüllungen werden heute mit quecksilberfreien Materialien durchgeführt. Die Zusammensetzung der dabei verwendeten Materialien ist variabel.

Grundsätzlich unterscheidet man hier zwischen „direkten“ und „indirekten“ Materialien. Erstere können aufgrund ihrer Plastizität direkt im Mundraum angewendet werden, während letztere (Inlays, Kronen) zunächst im Labor gestaltet werden müssen. Bekannte „direkte“ Materialien sind Glasionomerzemente und Composites (auch: Komposit).

Glasionomerzemente bestehen aus Copolymerisaten der Polyacrylsäure in Verbindung mit anderen organischen Säuren sowie aus Calcium-Aluminium-Silikatglas. In der Abbindereaktion lösen die Säuren Calcium und Aluminium aus dem Silikatglas heraus. Innerhalb weniger Minuten entsteht zunächst ein Calcium-Polycarboxylatgel und dann in den folgenden 24 Stunden durch Aluminiumeinlagerungen das wasserunlösliche Calcium-Aluminium-Carboxylat.

Glasionomerzemente sind aufgrund ihrer Zusammensetzung gut verträglich und stehen nicht im Verdacht, Allergien auszulösen. Sie sind weitgehend zahnfarben und leicht zu verarbeiten. Glasionomerzemente geben kleine Mengen an Fluoridionen ab und können auf diese Weise einer sekundären Karies vorbeugen. Nachteile sind ihre geringe Haltbarkeit (maximal 3 – 4 Jahre) und ihre Abnutzung durch Kaubelastung. Bei größeren Füllungen nimmt die Bruchfestigkeit ab. Solche Füllungen sind auch nicht polierbar.

Ebenfalls zu den Glasionomerzementen gehört das kunstharzmodifizierte Glasionomerzement, das dem oben beschriebenen sehr ähnlich ist. 13% der Glasionomerflüssigkeit wurde hier durch lichthärtendes, flüssiges Komposit (hydrophile Monomere wie HEMA (Hydroxyethylmethacrylat) oder GDMA (Glycidyldimethacrylat)) ersetzt. Die Methacrylate lassen den pH-Wert sinken, so dass der resultierende Ionisationsprozess der Polykarbonsäure im Vergleich zu normalen Glasionomerzementen verzögert ist. Kennzeichnend für das kunstharzmodifizierte Glasionomerzement ist die duale Abbindereaktion durch die radikalische Polymerisation und die Säure-Base-Reaktion, die zeitgleich verlaufen. Nachteilig ist bei diesem Material, dass es zu Verfärbungen durch beispielsweise Kaffee neigt.

Composites bestehen zu 80 – 90% aus glaskeramischen Füllstoffen (z.B. Quarzen), die in eine Kunststoffmatrix eingebettet sind. Zur Herstellung der Kunststoffmatrix werden meist Dimethacrylate verwendet (Basismonomere: z.B. BisGMA, UDMA) und Co-Monomere, (z. B. TEGDMA, HEMA). Ferner sind noch photo- oder thermoreaktive Stoffe zur Einleitung der Polymerisation, sowie Beschleuniger und Stabilisatoren enthalten. Pigmente und schweratomige Beimengungen sorgen für den gewünschten Farbton und eine Röntgenopazität.

Das Composite wird direkt in die Kavität verfüllt und unter Lichteinwirkung ausgehärtet. Im Gegensatz zu Amalgamfüllungen dehnen sich die Composites nicht aus, nachdem sie in die Kavität verfüllt wurden, sondern sie kleben sich an der Zahnhartsubstanz fest. Compositefüllungen sind in der Verarbeitung recht arbeits- und zeitaufwändig, ihre Haltbarkeit wird mit 6 bis 8 Jahren angegeben.

Als Nachteile sind mögliche allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe dieses Zahnwerkstoffs zu nennen, die allerdings eher den Behandler und seine Assistenz als den Patienten betreffen. Die früher vermutete Schädigung der Pulpa durch eine vom Randspalt ausgehende Sekundärkaries sowie durch Reaktionsteilnehmer der Polymerisationsreaktion (Reichl et al. 2007) tritt nach heutiger Erfahrung sehr selten auf.

Kompomere sind ein relativ neues Füllungsmaterial, das aus einer Mischung zwischen Composites und Glasionomeren besteht. Dem Füllstoff sind Fluoride beigemischt, die nach und nach abgegeben werden, wodurch eine Kariesprävention ermöglicht wird. Kompomere weisen im Vergleich zu den Compositefüllungen einen höheren Verschleiß auf. In diesem Zusammenhang kann es zu einer erhöhten Abgabe von potentiell Allergie auslösenden Bestandteilen kommen. Kompomere sind insbesondere für Milchzahnfüllungen geeignet. Sie sind aufgrund ihrer Haltbarkeit nicht für eine dauerhafte Füllung im Seitenzahnbereich des bleibenden Gebisses geeignet. Eine Kompomerfüllung hält in der Regel 3 bis 5 Jahre.

Giomerfüllungen sind ein relativ neues Zahnfüllungsmaterial mit ähnlichen Eigenschaften wie die Glasionomerzemente. Giomerfüllungen bestehen aus gefrästen, silanierten Glasionomerfüllstoffen, die zuvor eine Reaktion zwischen Fluor-Aluminium-Silikatglas und Polyalkensäure erfahren haben. Sie werden in einer Basis aus Compositeharz verwendet, wodurch eine besonders gute Fluoridfreisetzung ermöglicht wird, durch die eine Sekundärkaries verhindert werden kann. Weiterhin haben sie Vorteile gegenüber anderen Materialien in den Bereichen der Haltbarkeit, der Ästhetik und der Polierbarkeit. Giomerfüllungen sind in 13 verschiedenen Farbtönen erhältlich.

Tabelle: Vor- und Nachteile der verschiedenen Füllstoffe im Vergleich

Vorteile

Nachteile

Glasionomerzemente

  • Freisetzung von Fluoriden
  • Wiederaufladbarkeit mit Fluoriden
  • chemische Bindung an die Zahnhartsubstanz
  • Ästhetik in anspruchsvollen Bereichen
  • Empfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit, Verschmutzung und Austrocknung

Kunstharzmodifizierte Glasionomerzemente

  • Ästhetik
  • Umgang mit dem Material
  • Neigung zum Verfärben

Composites

  • Haltbarkeit 6 bis 8 Jahre
  • Aufwändig in der Verarbeitung

Kompomere

  • Ästhetik
  • Polierbarkeit
  • weniger Fluorid als in den eben genannten Materialien
  • keine Wiederaufladung mit Fluorid
  • Haltbarkeit 3 bis 5 Jahre

Giomers

  • Freisetzung von Fluoriden
  • Wiederaufladbarkeit mit Fluoriden
  • Haltbarkeit, Ästhetik und Polierbarkeit
  • In 13 Farbtönen erhätlich

 

Quelle: Eigene Darstellung

Wurzelkanalfüllungen

Eine Behandlung der Wurzelkanäle ist immer dann notwendig, wenn die Pulpa, also das Innere eines Zahnes, verletzt ist. Durch die Behandlung des Wurzelkanals kann in 70 bis 95% der Fälle ein Zahn gerettet werden. Bei Wurzelkanalfüllungen werden verschiedene Materialien verwendet. Zunächst werden temporäre Einlagen eingesetzt, mit denen die infizierten Wurzelkanäle versorgt werden. Anschließend werden die temporären Einlagen durch Guttaperchastifte und Sealer (Pasten) in dem Wurzelkanal ersetzt, mit Hilfe derer eine dauerhafte Verschließung des Wurzelkanals erreicht wird. Für die temporären Einlagen im Wurzelkanal werden zum Teil Materialien eingesetzt, die chlorphenolhaltige Stoffe enthalten. Diese gelten jedoch aufgrund ihrer Zellgiftigkeit als veraltet.

Die Hautpmasse der dauerhaften Wurzelkanalfüllungen bilden die Guttaperchastifte, die in den Wurzelkanal eingesetzt werden. Diese bestehen aus Guttapercha, das als gewebeverträglich gilt und ein gutes Abdichtungsverhalten zeigt. Die verbleibenden Zwischenräume des Wurzelkanals werden mit einem sogenannten Sealer abgedichtet, der aus zwei Komponenten besteht, die im Wurzelkanal verhärten. Veraltete Präparate, die Zusätze wie Formaldehyd/-abspalter oder Kortison beinhalten, enthalten potentielle Allergene, die als klinisch relevant beschrieben werden. Diese Meinung vertritt auch Öko-Test (2013, Nr. 10). Durch den Zusatz von Kortison wird die Reaktion des Immunsystems unterdrückt, wodurch Keime sich verbreiten können. Sealer, die aus Zinkoxid und Eugenol angemischt werden, sind in ihrer Verträglichkeit als allgemein gut beschrieben, da das Eugenol örtlich betäubend und bakterizid wirkt. Nachteilig hierbei ist, dass bei einer Überfüllung des  Wurzelkanals mit Eugenol eine Schädigung der Knochen und der Wurzelhaut entstehen kann und in einzelnen Fällen Kontaktallergien möglich sind.

Epoxidharze sind als Sealer gut geeignet, da sie die Zwischenräume zwischen dem Guttaperchastift und dem Wurzelkanal gut abdichten und volumenbeständig sind. Ausnahmen bestehen darin, wenn die Epoxidharze Formaldehyd/-abspalter enthalten. Die Toxizität von Wurzelfüllungen auf Silikonbasis gilt als gering. Sie scheinen sehr gut geeignet für eine dauerhafte Wurzelkanalfüllung, wobei sie einen Zusatz von Silber enthalten, das einen Zahn langfristig schwarz färben kann.

Fazit

Die Alternativen zur Verwendung von Amalgam in Zahnfüllungen geben insgesamt betrachtet keine Hinweise darauf, dass sie gesundheitlich schädlich für den Einzelnen oder für die Umwelt sind (SCHER 2013).

Stand: 29. März 2019 - 12:18 Uhr

Autor/en: