Erdnüsse sind ein zunehmend eingesetztes Nahrungsmittel. Weltweit werden jährlich 33 Millionen Tonnen Erdnüsse geerntet, von denen 60.000 Tonnen nach Deutschland importiert werden. Erdnüsse sind im botanischen Sinne keine Nüsse, sondern sie gehören zu den Hülsenfrüchten (Leguminosen) und sind somit mit Sojabohnen verwandt und nicht mit Haselnüssen.
Erdnüsse enthalten sehr bedeutsame Allergene, das wichtigste davon ist das Erdnussallergen Ara h2, ein Erdnusseiweiß (zur Bezeichnung von Allergenen siehe den Infotext Allergene).
Bekannt ist, dass Erdnussallergene besonders starke allergische Reaktionen einer Erdnussallergie auslösen können. Bedrohlich sind vor allem allergische Reaktionen nach dem Verzehr erdnusshaltiger Speisen. Erdnussallergene sind hitzestabil. Es reichen bereits Mengen im Mikrogrammbereich aus, um Symptome der Erdnussallergie auszulösen. Oft kommt es zu Luftnot, Schleimhautschwellungen oder Kreislaufstörungen bis hin zur lebensbedrohlichen Anaphylaxie (siehe unten im Infokasten).
Die Erdnuss ist also ein sehr starkes gefährliches Allergen. Auch stillende Mütter müssen vorsichtig sein: sechs Stunden nach dem Verzehr von 50 Gramm Erdnüssen wurde das Allergen in der Muttermilch nachgewiesen, wenn auch nur in 11 von 23 Milchproben (Vadas 2001). Ob es durch solche Erdnussallergene in der Muttermilch oder bereits im Mutterleib zur Sensibilisierung (d. h. zur ersten Bildung von IgE-Antikörpern gegen Erdnussallergene und zur Bereitschaft zur Erdnussallergie) kommt, ist noch nicht geklärt (Frank 1999).
Bisher ist es der Lebensmittelindustrie überlassen, ihre Produkte für Allergiker entsprechend zu kennzeichnen. Eine gesetzliche Regelung existiert hier nicht. Vorsorglich kennzeichnet die Lebensmittelindustrie ihre Produkte mit Hinweisen wie „Kann Spuren von Erdnüssen enthalten“ oder „In unserem Betrieb werden auch Erdnüsse verarbeitet“, obwohl nicht gesichert ist, ob die Allergene im Produkt enthalten sind. Für Allergiker kann das eine erhebliche Einschränkung in der Produktauswahl bedeuten.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) arbeitet daher an der Entwicklung von Schnelltests zum Nachweis Allergie auslösender Stoffe in Lebensmitteln. Im Rahmen eines Forschungsprojektes sollen bis 2012 Analysemethoden für die amtliche Lebensmittelüberwachung und die Lebensmittelindustrie entwickelt werden, mit deren Hilfe sich innerhalb von Minuten geringste Spuren von Allergenen in Lebensmitteln nachweisen lassen.
Die bisher bekannten Analysemethoden sind für die praktische Anwendung zu teuer und zu zeitaufwendig.
Als Leguminose kann es Kreuzreaktionen zu Soja und anderen Hülsenfrüchten zum Beispiel Guarkernmehl und Johannisbrotkernmehl geben (Sicherer 200).
In der Regel sind es die Eiweiße, die bei entsprechend sensibilisierten Menschen allergische Reaktionen hervorrufen. Jedoch auch Erdnussöl kann kleinste Mengen Eiweiß enthalten und somit ebenfalls allergische Symptome auslösen. In einer englischen Studie aus dem Jahr 1997 erhielten 60 Erdnussallergiker raffiniertes und natives Erdnussöl (Hourihane 1997). Keiner der Patienten reagierte auf das raffinierte, aber sechs Patienten reagierten auf das native Öl.
Raffiniertes Erdnussöl ist geruchs- und geschmacklos und wird häufig in Restaurants und bei der industriellen Nahrungsmittelherstellung verwendet. Natives Erdnussöl, das relevante Mengen an Erdnusseiweißen enthalten kann, hat dagegen den typischen Erdnussgeschmack.
In einigen Tabletten und in Badezusätzen sind ebenfalls Erdnussöle enthalten. In der Regel handelt es sich hier um raffinierte Öle, deren Eiweißanteil zu niedrig für allergische Reaktionen ist. Bei hochgradiger Erdnussallergie ist es dennoch sinnvoll, auf diese Produkte zu verzichten (Kull 1999).
Bei der Ernährung Ihres Säuglings sollten Erdnussprodukte aber auf jeden Fall gemieden werden. In England, wo die Erdnussallergie wesentlich häufiger ist als hierzulande, haben Studien aber gezeigt, dass 80 Prozent der Kinder schon im ersten Lebensjahr Erdnüsse bzw. erdnusshaltige Nahrungsmittel gegessen hatten (Sampson 1996).
Für Kleinkinder sind (ganze) Erdnüsse auch aus einem anderen Grund gefährlich: sie werden leicht aspiriert und können zu Erstickungen führen. Bei Fremdkörperaspirationen spielen Erdnüsse in 30 % der Fälle, andere Nüsse in 20 % und kleines Spielzeug in 10 % der Fälle eine Rolle - die Statistik sieht anders aus als man erwarten würde !
Weitere Informationen zur Erdnussallergie und Hinweise zur Vermeidung von Erdnüssen in der Nahrung finden sich unter den Infos zur Erdnussallergie.
Autor: Dr. Sabine Schmidt
Aktualisierung: Judith Linnemann
Stand: September 2009
Nächste Aktualisierung: September 2010
Aktionsplan Allergien des BMELV (2007): Erdnüsse. www.aktionsplan-allergien.de/HaeufigUnvertraeglicheLebensmittel/erdnuesse
BfR 7.Forum Verbraucherschutz: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen (2009). www.bfr.bund.de/cd/30129
BfR: Allergene in Lebensmitteln innerhalb von Minuten nachweisen (2009). Online verfügbar. Zuletzt abgerufen am 21.09.2009
W. Burks. Peanut allergy. Lancet (2008) Band 371 S. 1538-1546
Frank, L.; Marian, A.; Visser, M.; Weinberg, E.; Potter, P.C.: Exposure to peanuts in utero and in infancy and the development of sensitization to peanut allergens in young children. Pediatric Allergy and Immunology 1999; 10: 27-32.
Hourihane, J. O’B; Bedwani, S.J.; Dean, TP.; Warner, JO.: Randomised, double blind, crossover challenge study of allergenicity of peanuts oils in subjects allergic to peanuts. BMJ 1997; 314: 1084-1088.
Kull, I.; Hallner, E.; Lilja, G.; Öhmann-Johansson, Öman, H.; Wickman, M.: Peanut oil in vitamin A and D preparations: Reactions to skin test and manifestation of symptoms. Pediatric Allergy and Immunology 1999; 10: 21-26.
Sampson, H.A.: Managing peanut allergy. BMJ 1996; 312: 1050-1051.
Sicherer, S. H.; Sampson, H. A.; Burks, A. W.: Peanut and soy allergy: a clinical and therapeutic dilemma. Allergy 2000; 55: 515-521
Vadas, P.; Wai, Y.; Burks, W.; Perelman, B.: Detection of peanut allergens in breast milk of lactating women. JAMA. 2001; 285(13): 1746-1748.