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Bisphenol A (BPA)
Bisphenol A (auch: Bisphenol-A, Abkürzung BPA) ist ein wichtiger und gleichzeitig viel diskutierter Umweltstoff. Seine Jahresproduktion liegt bei knapp 4 Millionen Tonnen weltweit.
Woher stammt das “A” in der Bezeichnung Bisphenol A? Es steht für Aceton, das im Herstellungsprozess mit zwei Teilen Phenol reagiert.
Weitere bedeutsame Bisphenole (teilweise als BPA-Ersatzstoffe konzipiert und hergestellt) sind Bisphenol S (BPS), Bisphenol F (BPF), Bisphenol AF (BPAF) und Bisphenol B (BPB).
Wenn Gebrauchsgegenstände die Bezeichnung „BPA free“ tragen, bedeutet das oftmals, dass BPA durch die genannten Ersatzstoffe ausgetauscht wurde.
Verwendung von Bisphenol A
Die auf Bisphenol A zurückgehenden Produkte sind uns gut geläufig:
Bisphenol A dient zum einen als Ausgangsstoff für einen höchst vielseitigen Kunststoff, das Polycarbonat (Kennzeichnung “PC”). Polycarbonat wird seit etwa 70 Jahren produziert. Zum anderen werden aus Bisphenol A Epoxidharze hergestellt. In der Zahnmedizin werden Komposites verwendet. Und schließlich dient Bisphenol A als Additiv / Zusatzstoff in Spezialanwendungen.
Polycarbonat
Polycarbonat begegnet uns in vielfältiger Weise im täglichen Leben, da es sehr gute Gebrauchseigenschaften aufweist. Der Kunststoff ist durchsichtig, gut beständig gegenüber Chemikalien und erhöhten Temperaturen und sehr bruchfest. Aus Polycarbonat werden beispielsweise CDs, DVDs, Smartphones, Kunstglas (z.B. für Lichtdächer und Lichtkuppeln), Motorradhelme, Autoteile, Armaturen, Medizingeräte, Haushaltsgegenstände, Mikrowellengeschirr, Getränkeflaschen und auch Lebensmittelbehältnisse hergestellt.
Gegenstände mit Lebensmittelkontakt (einschließlich Mikrowellengeschirr) dürfen in der EU allerdings nur noch bis Juni 2026 in den Verkehr gebracht werden (EU 2024/3190).
Das Interesse der Medien galt lange Zeit besonders den aus Polycarbonat hergestellten Babyflaschen. Diese sind vom Gewicht her recht leicht, können vom Baby selbst gehalten werden und sie sind unzerbrechlich. Die Kritik bezog sich auf die Freisetzung sehr geringer Mengen von Bisphenol A aus solchen Plastikflaschen. Seit Juni 2011 ist der Verkauf dieser Babyflaschen verboten.
Epoxidharze
Diese finden als Kleb-, Lack- und Gießharze Verwendung. Beispielsweise waren Getränke- und Konservendosen, aber auch Lagertanks für Wein innen mit Epoxidharzen auf BPA-Basis beschichtet, um eine Korrosion zu verhindern. Auch Trinkwasserleitungen können im Zuge einer Rohrsanierung (“Relining”) mit Epoxidharzen ausgekleidet sein. Eine daraus resultierende Bisphenol A-Belastung des Wassers tritt jedoch nur in Warmwasserleitungen bei starker Erhitzung ( > 70 Grad Celsius) auf; im kalten Leitungswasser kommt Bisphenol A nicht vor.
Die neue EU-Verordnung 2024/3190 verbietet den Einsatz Bisphenol A-haltiger Harze in Anwendungen mit Lebensmittelkontakt.
Thermopapier
Neben seiner Verwendung zur Herstellung von Polycarbonat und Epoxidharzen wurde Bisphenol A auch als Farbentwickler von Thermopapier z.B. für Kassenbons eingesetzt. Der Gehalt im Thermopapier lag bei etwa 1 % und stellte damals eine nicht zu unterschätzende Expositionsquelle dar. Inzwischen dürfen nur noch alte (vor 2020 hergestellte) Restbestände von BPA-haltigem (weißem) Thermopapier aufgebraucht werden. Das neue (blaue) Thermopapier enthält keine Bisphenolverbindungen mehr.
Komposites
In Zahnfüll- und Versiegelungsmassen (Komposites) finden sich BPA-basierte Kunststoffe wie beispielsweise das bis-DMA und bis-GMA. Diese unterliegen als dentale Produkte nicht der EU-Verordnung 2024/3190. Ferner setzen sie nach übereinstimmenden Beurteilungen durch EFSA und SCENIHR BPA-Mengen weit unterhalb der toxikologischen Grenzwerte frei.
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Beiträge im Web
- BfR zu Bisphenol A
- BPA Group
- UBA zu Bisphenol A
- BfR zu BPA in Lebensmitteln
- Umweltbundesamt - HBM-Kommission zu Bisphenol A
- Umweltbundesamt zu BPA
- EFSA zu Bisphenol A (Januar 2014)
- SCENIHR zu Bisphenol A (Januar 2014)
Literaturquellen
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Bundesinstitut für Risikobewertung BfR: FAQ https://www.bfr.bund.de/fragen-und-antworten/thema/bisphenol-a-in-alltagsprodukten-antworten-auf-haeufig-gestellte-fragen/
Bisphenol-Website der Polycarbonate/BPA Global Group: https://www.factsaboutbpa.org/ (zuletzt aufgerufen im Februar 2026).
BUND: Hormone in der Babyflasche - Bisphenol A: https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/hormone-in-der-babyflasche/ (zuletzt aufgerufen im Februar 2026).
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Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) (2015): Bisphenol A. Online verfügbar unter: www.efsa.europa.eu/en/topics/topic/bisphenol?wtrl=01 (Zuletzt aufgerufen im Februar 2026).
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) (2023):: Neubewertung der Risiken für die öffentliche Gesundheit im Zusammenhang mit dem Vorhandensein von Bisphenol A (BPA) in Lebensmitteln. https://www.efsa.europa.eu/de/plain-language-summary/re-evaluation-risks-public-health-related-presence-bisphenol-bpa-foodstuffs
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Öko-Test-Verlag (2003): Bisphenol A in Babyflaschen. Öko-Test Heft 9 (2003), S. 46 - 47.
Scientific Committee on Food (2002): Opinion of the Scientific Committee on Food on Bisphenol A (Expressed on 17 April 2002), Online nicht mehr verfügbar
Soto, A. et al.: Data integration, analysis, and interpretation of eight academic CLARITY-BPA studies https://www.healthandenvironment.org/assets/images/Soto%20slides.pdf
Umweltbundesamt (D) (2010): Bisphenol A – Massenchemikalie mit unerwünschten Nebenwirkungen. Online verfügbar unter: www.umweltbundesamt.de/publikationen/bisphenol-a (Zuletzt aufgerufen im Februar 2026).
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Weltje, L., vom Saal, F. S., Oehlmann, J. (2005): Reproductive stimulation by low doses of xenoestrogens contrasts with the view of hormesis as an adaptive response. Hum Exp Toxicol. Band 24(9), S. 431-437.
Autor/innen: Dr. M. Otto, Prof. K. E. von Mühlendahl
Zuletzt aktualisiert: 21.02.2026
