Ihre Suchergebnisse:
Investigativjournalisten von CORRECTIV monieren in einer öffentlichkeitswirksamen Publikation am 3. Juli 2026, dass in Badegewässern nur die bakterielle, nicht die chemische Verunreinigung, etwa mit Quecksilber und Flammschutzmitteln gemessen werde, warnen vor möglicher Gesundheitsgefährdung und fordern weitere Untersuchung1
Faktencheck Quecksilber2
Quecksilber (Hg) ist ein natürlicher Bestandteil unserer Erdkruste, der Luft und der Gewässer. Das giftige Metall ist für den Menschen physiologisch nicht notwendig, ist kein Spurenelement. Sowohl natürliche Vorgänge wie Vulkanausbrüche oder Erdspalten, mehr aber industrielle Prozesse sind für die Freisetzung verantwortlich: Verwendung von Quecksilber als Metall, Kohleverbrennung (heute durch Filter stark reduziert), Einsatz bei illegaler Goldwäsche etc. Quecksilber gelangt aus der Luft mit dem Regen und aus Acker und Siedlungen in die Oberflächengewässer (2010 5,4 t). Im Grundwasser liegen die Konzentrationen zumeist niedriger als 0,06 µg/l, für Muttermilch und Trinkwasser gilt ein Grenzwert von 1 µg/l. Die tägliche Aufnahme von Erwachsenen – vorwiegend durch die Nahrung – liegt im Bereich von 20 µg/Woche. Das Monitoring der Oberflächengewässer geschieht über die Hg-Belastung von Fischen, nicht durch direkte Messung von wahrscheinlich sehr minimalen Wassergehalten.
Faktencheck PBDE (Flammschutzmittel)
Mit Bromatomen besetzten Di-Phenyl-Ether (PBDE) wurden weltweit verbreitet als Flammschutzmittel eingesetzt. Sie gelten als möglicherweise erbgut-schädigend und hormonaktiv. Die Aufnahme geschieht vorwiegend mit der Nahrung. Sie sind in vielen Organismen und Geweben, auch in der Muttermilch, nachweisbar. Sie werden nach der Stockholm-Konvention zu den POPs (persistent organic pollutants; sog. Ewigkeits-Chemikalien) gezählt und werden seit über gut 25 Jahren nicht mehr produziert oder in den Verkehr gebracht.
Gesundheitliche Einschätzung
Der Quecksilbergehalt von Badegewässern dürfte sehr niedrig liegen. Messungen in Sylt haben gezeigt, dass die Gehalte niedriger als erlaubte Konzentrationen im Trinkwasser liegen.3 Hautkontakt oder auch das Trinken von kleinen Mengen von Badewasser sind hinsichtlich einer denkbaren Quecksilberbelastung unbedenklich. Gleiches gilt für die PBDE, deren Hauptaufnahmequelle belastete Nahrungsmittel sind.
Die Alarmierung von CORRECTIV
“Offiziell gelten die meisten Badestellen als sauber. Doch Recherchen von CORRECTIV offenbaren eine Lücke im Kontrollsystem. Unsere Karte zeigt: chemische Schadstoffe belasten EU-weit tausende Badegewässer, teils mit Gesundheitsrisiken. … Die 22.000 offiziellen Badestellen … werden lediglich auf zwei Arten von Bakterien untersucht. Chemische Schadstoffe werden … nicht berücksichtigt. Fachleute fordern, das offizielle Monitoring auszuweiten. … Diese Arbeit ist aufwendig, langfristig und kostspielig. Sie ist nicht einfach. Aber sie ist notwendig. Bitte unterstützen Sie CORRECTIV jetzt mit Ihrer Spende. …. Würden die Behörden bei der Bewertung der Badewasserqualität auch chemische Parameter berücksichtigen, fänden sie belastete Badegewässer – mit potenziellen Folgen für die menschliche Gesundheit.”
Die zitierte Warnung vor möglichen Gesundheitsgefahren ist unangemessen, ebenso wie die Forderung nach umfangreichen Kontrolluntersuchungen, die leicht Ausgaben in Milliardenhöhe nach sich ziehen könnten. Die Suche nach öffentlicher Aufmerksamkeit und Spenden könnten ein Motiv für die Kampagne von CORRECTIV sein.
Prof. Dr. med. Karl Ernst von Mühlendahl
Umweltmediziner, Pädiater
1 correctiv.org/aktuelles/europa-aktuelles/2026/07/03/pestizide-quecksilber-blei-wie-sauber-ist-ihr-badesee-wirklich/
2 www.allum.de/krankheiten/quecksilber-vergiftung/ www.allum.de/stoffe-und-ausloeser/quecksilber/
3 gemeinde-sylt.de/wp-content/uploads/2021/07/Badewasser-21-07-12-Bakt-SM.pdf
Autor/innen: Prof. K. E. von Mühlendahl
