Vorbeugung und Empfehlungen

Allergieprävention, d. h. die Entstehung von Allergien zu verhindern, wäre die sinnvollste und beste Maßnahme. Die Prävention ist ein vordringliches Arbeitsfeld der Allergologie, weil die Entstehung von Allergien, vor allem aber die Entwicklung allergischer Erkrankungen und deren Verlauf beeinflussbar sind.

Das Thema "Allergieprävention" ist allerdings sehr komplex, und es gibt bisher keine vollkommen sichere und einfache Methode, der Allergieentstehung vorzubeugen. Kurze allgemeine Empfehlungen sind wenig hilfreich. Die betroffenen Familien brauchen eine Beratung, die auf ihre jeweilige persönliche Situation zugeschnitten ist sowie eine intensive Betreuung und Motivation durch allergologisch kompetentes Personal.

Ob ein Kind Allergiker wird oder nicht, ist in starkem Maße vom Erbgut vorgegeben. Insbesondere allergische Erkrankungen der Eltern sind ein Risikofaktor. Je mehr Familienmitglieder betroffen sind, und je häufiger gleiche Erkrankungen auftreten (zum Beispiel, wenn beide Elternteile Asthma haben), desto größer ist das Risiko für Kinder aus diesen Familien, ebenfalls eine allergische Erkrankung zu entwickeln. Neben der Genetik haben aber auch umweltbedingte Faktoren Einfluss auf die Allergieentstehung.

In der S3-Leitlinie zur Allergieprävention werden folgende Empfehlungen zur Primärprävention von Asthma, Heuschnupfen und dem atopischen Ekzem gegeben:

  • Ernährung während der Schwangerschaft/ Stillzeit:
    Sowohl während der Schwangerschaft, als auch während der Stillzeit sollte auf ausgewogene und nährstoffdeckende Ernährung geachtet werden. Zu einer Meidung bestimmter Nahrungsallergene sollte es nicht kommen. Insbesondere Fisch sollte ein Bestandteil der mütterlichen Ernährung sein.
  • Stillen:
    Säuglinge sollten während der ersten 4 Monate voll gestillt werden. Bei Risikokindern (Kinder bei denen mindestens ein Elternteil eine atopische Erkrankung hat) sollte in diesem Zeitraum hydrolysierte Säuglingsnahrung gegeben werden. Säuglingsnahrungen auf Sojabasis sind nicht zu empfehlen.
  • Beikost:
    Aufgrund des steigenden Nährstoffbedarfs sollte bei Kindern ab dem 5. Lebensmonat Beikost hinzugezogen werden.
  • Übergewicht:
    Bei Kindern sollte Übergewicht/ Adipositas vermieden werden, da ein erhöhter Body Mass Index (BMI) mit Asthma assoziiert ist.
  • Ernährung:
    Mediterrane Kost (viel Obst und Gemüse) sowie Milchfett tragen zur Allergieprävention bei.
  • Vitamin D:
    Das Vitamin D einen präventiven Effekt auf allergische Erkrankungen hat, ist bisher nicht hinreichend nachgewiesen.
  • Psychosoziale Faktoren:
    Ungünstige psychosoziale Faktoren wie z.B. die Trennung der Eltern können während der Schwangerschaft und der Kindheit atopische Erkrankungen begünstigen. Frühzeitige therapeutische Begleitung könnte diesem entgegenwirken.
  • Kaiserschnittgeburt:
    Eine Kaiserschnittgeburt kann mit einem erhöhten Allergierisiko verbunden sein. Dies sollte berücksichtigt werden, wenn es um die Wahl des Geburtsverfahrens geht.
  • Impfungen:
    Impfungen können das Allergierisiko senken, daher sollten alle Kinder nach den STIKO-Empfehlungen geimpft werden.
  • Immunstimulation:
    Eine frühzeitige unspezifische Immunstimulation schützt vor der Entwicklung allergischer Erkrankungen. In neueren Studien konnte bei Kindern eine Schutzwirkung durch Stallstaub, der in der Stallluft von traditionell betriebenen Bauernhöfen fein verteilt ist, nachgewiesen werden. Durch eine wiederholte Inhalation wird im ersten Lebensjahr eine Schutzwirkung aufgebaut. Verantwortlich hierfür ist u.a. eine Protease vom gelben Mehlwurm, welcher oft in Ställen und Scheunen vorkommt. Die Protease gelangt über dessen Exkremente in den Stallstaub. Der Schwerpunkt der zukünftigen Forschungsarbeit liegt auf der Identifizierung weiterer Substanzen, welche möglicherweise zusammen mit der Protease einen Schutz vor Allergien bieten. Mit diesen Informationen möchten die Forscher neue Behandlungsmethoden entwickeln, die einer Sensibilisierung im frühen Kindesalter vorbeugen.
  • Haustierhaltung:
    Eine Haustierhaltung geht nicht mit einem erhöhten Allergierisiko einher. Lediglich bei Familien mit erhöhtem Allergierisiko wird empfohlen sich keine Katzen anzuschaffen.
  • Hausstaubmilbensanierung:
    Maßnahmen zur Hausstaubmilbensanierung werden zur Primärprävention nicht empfohlen. Wenn die allergische Erkrankung bereits besteht, können diese Maßnahmen jedoch sinnvoll sein.
  • Schimmelpilze:
    Schimmelpilze stehen im Zusammenhang mit dem Allergierisiko, daher sollte auf ein entsprechendes Innenraumklima geachtet werden.
  • Innenraumluftschadstoffe:
    Innenraumluftschadstoffe (z. B. Formaldehyd, flüchtige organische Verbindungen) erhöhen das Allergierisiko. Die Exposition sollte daher möglichst gering gehalten werden.
  • Kfz-Emissionen:
    Kraftfahrzeug-bedingte Emissionen sollten gering gehalten werden.
  • Probiotika und Präbiotika:
    Für das atopische Ekzem wurde ein präventiver Effekt von Probiotika und Präbiotika festgestellt. Allerdings können keine Empfehlungen bzgl. bestimmter Präparate gegeben werden.
  • Medikamente:
    Ein Zusammenhang zwischen der Medikamenteneinnahme und atopischen Erkrankungen ist nicht nachgewiesen.

Anhand des Dokumentes "Der Kinder-Allergie (S)Check 2006" der Pina-Infoline können Sie das Allergierisiko Ihres Kindes einschätzen.

Das in 2008 gegründete "Netzwerk Junge Familie" hat im Sommer 2016 harmonisierte Handlungsempfehlungen zur Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mutter herausgegeben.

Stand: 4. November 2016 - 11:47 Uhr

Autor/en: