Lärmmessung und Lärmquellen

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Lärmmessung und Lärmquellen

In Annäherung an die menschliche Lautstärkewahrnehmung wird zur Beschreibung von Schallemissionen ein logarithmisches Maß der Schallintensität verwendet, das aus dem erzeugten Schalldruck berechnet und als Schalldruckpegel bezeichnet wird. Die Einheit ist das Dezibel (dB). Beim Vergleich von zwei Geräuschen ist ein Pegelunterschied von 1 dB gerade wahrnehmbar, von 3 dB (entsprechend der Verdopplung eines Schalldruckpegels) deutlich zu erkennen.

Verdoppelt sich der Verkehr auf einer Straße, dann führt das zu einer Erhöhung von 3 dB; geht nachts an einer Straße der Autoverkehr auf ein Zehntel zurück, dann vermindern sich die messbaren Pegel um 10 dB. Dabei wird eine Verminderung oder Erhöhung der Schalldruckpegel um 10 dB in der Regel subjektiv als Halbierung bzw. Verdopplung der Lautstärke empfunden.

Bei gleichem Schalldruckpegel werden sehr tiefe und sehr hohe Töne leiser wahrgenommen als Töne mit Frequenzen um 2000 Hertz. Dementsprechend werden nach einer allgemein akzeptierten Konvention Frequenzbewertungskurven eingeführt, die Intensitäten je nach der Hertz-Zahl unterschiedlich gewichten. Für die Messungen werden dafür konzipierte Filter benutzt. So gemessene Pegel werden mit dB(A) bezeichnet.

Da man es nicht mit reinen Tönen, sondern mit Geräuschen sehr unterschiedlicher Qualität zu tun hat, was Dauer, Pegelverlauf, Klangcharakter usw. betrifft, ist die physikalische Messung von Lärm recht kompliziert. Eine Dezibel-Angabe allein beschreibt eine Lärmquelle nur unzureichend. In der Regel werden zur Beurteilung unter Berücksichtigung der Frequenzen, die ja bei gleicher Lautstärke in verschiedenem Ausmaße stören, alle Geräuschanteile in Dauer, Häufigkeit und Intensität erfasst. Zum Teil werden auch die Maximalpegel mit beurteilt. In die Beurteilung fließen manchmal auffällige Geräuschmerkmale, Zeit und Ort mit ein.

Diese unvollständige Aufzählung zeigt, wie schwer es ist, allgemeingültige Standards zu entwickeln.

Die Europäische Union hat 1999 Vorschläge für europäische Lärmkenngrößen vorgelegt, die darauf abzielen, die Lärmweinwirkungen getrennt für Tages-, Abend- und Nachtstunden zu erfassen. Dabei soll die Belastung außen an den Wohngebäuden gemessen werden. In die Kenngrößen für die Gesamtbelastung sollen die Einwirkungen während der Abendstunden mit einem Zuschlag von 5 dB und in der Nacht von 10 dB bewertet werden.

Neuerdings ist eine grob orientierende Geräuschmessung mit Smartphone-Apps möglich.

Lärmquellen

Im Alltag gibt es zahlreiche Aktivitäten, die Lärm verursachen. Sei es die Gartenarbeit des Nachbarn, die Kirchenglocken oder das Bellen von Hunden. Alltagslärm wird immer häufiger, denn bei einer zunehmenden Bevölkerungszahl kommt es zu einer steigenden Siedlungsdichte. Darüber hinaus hat sich der Arbeitsrhythmus dahingehend geändert, dass Menschen zu unterschiedlichen Zeiten und zum Teil auch am Wochenende arbeiten.

Ein bekanntes Beispiel für saisonalen Freizeitlärm sind Laubbläser, die nicht nur Lärm erzeugen, sondern auch Tierkot, Allergene, Pilzsporen, Bakterien und Pollen aufwirbeln.

Einige Beispiele für die Lärmbelastung durch verschiedene Schallquellen finden sich in der folgenden Tabelle.

Lautstärken von verschiedenen Geräusch-/Lärmquellen

Geräusch-, Lärmquelle Entfernung
[Meter]
Schalldruckpegel
[dB(A)]
leichtes Blätterrauschen, feiner Landregen 30
ruhiges Gespräch 1 45 – 55
Häuserfront an einer Hauptverkehrsstraße 70
Staubsauger 3 70 – 75
Kreissäge 5 90
Martinshorn 10 100
PKW, 50 km/h 15 80
Stadtautobahn 85
laute Disko – Schmerzschwelle 120 – 130
Flugzeugstart 25 140
Dauerschaden schon nach einmaliger Exposition   >150
Spielzeugpistole 0,5 150
Spielzeugpistole direkt am Ohr 170
mp3-Player direkt am Ohr 100 – 110

Problematik der Forschungsansätze

Mit hohen Lärmexpositionen, etwa am Arbeitsplatz, beschäftigen sich sehr zahlreiche wissenschaftliche Studien.

Überwiegend wird darin auf Gehörschäden, Stressreaktionen und Aktivierung von Stresshormonen, auf Herz-Kreislauferkrankungen sowie auf Schlafstörungen geachtet. Sofern Ergebnisse aus Schlaflaboratorien stammen, sind diese nur bedingt auf Alltagsverhältnisse zu übertragen.

Verkehrslärm-Studien gibt es sehr viel weniger. Dafür gibt es nämlich vielfache methodische Schwierigkeiten, insbesondere bei der Kontrolle der Störfaktoren (Confounder) wie z.b. Sozialstatus, Migrationshintergrund usw. Es handelt sich zumeist um Querschnittsuntersuchungen und oft werden dabei Extremgruppen betrachtet. Eine große Fluglärmstudie wurde im Oktober 2015 veröffentlicht. In der NORAH- (Noise-related annoyance, cognition and health)-Studie wurde die Wirkung chronischer Fluglärmbelastung auf kognitive Leistungen und Lebensqualität bei Grundschulkindern im Rhein-Main-Gebiet untersucht.

Beurteilung von Alltagslärm

Um Alltagslärm beurteilen zu können, sollte in drei Schritten vorgegangen werden:

  1. Problem beschreiben und mögliche Lösungen aufstellen
  2. Störung beurteilen und Rechtfolgen ableiten
  3. Überprüfung emissionsbedingter Maßnahmen, Berücksichtigung von öffentlichen Interessen und Abschätzung der Verhältnismäßigkeit

Eine nähere Beschreibung der drei Schritte, sowie einzelne Fallbeispiele zur Erläuterung, finden sich hier.

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Autor/innen: Prof. K. E. von Mühlendahl    Zuletzt aktualisiert: 17.07.2024

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