Vorkommen und Verwendung

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Vorkommen und Verwendung

Metallisches Blei

  • Metallisches Blei wurde früher zur Herstellung von Bleileitungsrohren verwendet. Es kommt heute noch in der Akkumulatorenproduktion, bei der Munitionsherstellung usw. zum Einsatz.
  • Im Haushalt findet sich metallisches Blei beispielsweise noch im Lötzinn, in Gardinenbändern, als Angelgewicht, aus historischer Sicht  bei der Bleiverglasung und in alten Bleilettern. Bestimmte verzinkte Haushaltsgeräte können bleihaltig sein.
  • Gelegentlich wurden neu verlegte Kupferrohre zur häuslichen Trinkwasserversorgung mit bleihaltigem Lot verbunden. Die anfänglich deutliche Bleibelastung des Wassers geht aber nach mehreren Wochen auf akzeptable Werte zurück.
  • Im Strahlenschutz (z.B. Röntgen in Arztpraxen) kommt Blei eine große Bedeutung zu, allerdings ist hier der direkte Kontakt zu Mensch und Tier unterbunden, so dass von diesem Blei keine Gefahr ausgeht.
  • Im Freizeitbereich sind schlecht belüftete Schießstände und Gewehrmunition (zum Beispiel steckengebliebene Schrotkugeln bei Jagdunfällen) zu erwähnen, die dann zu einer deutlichen Bleibelastung führen können. Sportschützen weisen eine erhöhte Bleikonzentration im Blut auf, diese korreliert mit dem Kaliber (vom Luftdruckgewehr über Kleinkaliber zum Großkaliber hin ansteigend) (Schierl et al. 2011).
  • Das an Silvester zum “Bleigießen” verwendete Metall enthält heutzutage kein Blei mehr.

Anorganische Bleiverbindungen

  • Diese wurden früher zur Herstellung von Bleifarben und Rostschutzanstrichen (“Bleimennige”, z.B. auch bei Höchstspannungsstrommasten) sowie von Schädlingsbekämpfungsmitteln insbesondere im Obstbau (Bleiarsenat) verwendet.
  • Bleifarben dürfen heutzutage im Innenraum nicht mehr verwendet werden. Sie finden sich vereinzelt noch in Altbauten. Neuzeitliche Farben enthalten weniger als ein Prozent Blei.
  • Aus historischer Sicht sind bleihaltige Künstlerfarben und bestimmte medizinische Verwendungen (“Bleipflaster”) zu erwähnen.

Spielzeugrichtlinie

  • Kinderspielzeug darf nur soviel Blei enthalten, dass bei versehentlichem Verschlucken pro Tag höchstens 0.7 Mikrogramm Blei freigesetzt werden können (BfR 2007).
  • Seit Oktober 2018 gelten die mit der Richtlinie 2017/738/EU neu festgelegten Grenzwerte für Blei in Spielzeug. Abgeschabtes Material (z. B. Kunststoff, Textil, Lack) darf maximal 2,0 mg Blei/kg, trockenes, staubförmiges oder geschmeidiges Material (z. B. Kreide, Knete) maximal 0,5 mg Blei/kg und flüssiges Material (z. B. Tinte, Fingermalfarbe) maximal 23 mg Blei/kg enthalten.
  • Messungen von Verbraucherschutzeinrichtungen an Importwaren zeigen jedoch, dass diese Grenzwerte nicht immer eingehalten werden.
  • Souvenirs und Reise-Mitbringsel: ein aktuelles Marktscreening durch ein internationales Forscherteam (Sargsyan et al., 2024) hat gezeigt, dass in Ländern mit mitteren und niedrigen Einkommen (indischer Subkontinent, Mittel- und Südostasien, einige afrikanische Länder, Mittelamerika) der Bleigehalt in Spielzeug, Gewürzen, Kosmetik, Farben, traditioneller und Phytomedizin usw oftmals deutlich über dem gültigen Referenzwert für Blei lag.

Blei in Modeschmuck

  • Blei kann laut einer Mitteilung des Bundesinstituts für Risikobewertung in Modeschmuck (auch in Modeschmuck für Kinder) enthalten sein. Es besteht die Gefahr, dass Kinder durch Lutschen, Knabbern oder Abbeißen toxikologisch bedeutsame Bleimengen aufnehmen (BfR 2012).
  • Im September 2012 wurde Blei in die REACH-Verordnung aufgenommen.    Der Bleigehalt in Schmuckwaren (Armbänder, Halsketten, Ringe, Piercingschmuck, Armbanduhren, Armschmuck, Broschen und Manschettenknöpfe) darf jetzt 0,05 Gew.-% sowohl im gesamten Modeschmuck als auch in Teilen davon nicht übersteigen.
  • Die bundesweite Überwachung von Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen in 2015 hat ergeben, dass 12% der 262 untersuchten Modeschmuckartikel mit Bleimengen oberhalb des gesetzlichen Grenzwertes belastet waren.

Kerzen

  • Auch in Kerzen findet sich Blei: sowohl im Docht (zur Verlängerung der Brenndauer), als auch in Farbpigmenten und als Verunreinigung im Wachs kann Blei vorkommen. Durch den Verbrennungsprozess einer Kerze kann Blei an die Luft abgegeben werden. Inhalierter Bleidampf führt zu einer erhöhten Bleikonzentration im Blut.
  • Duftkerzen sollten daher ausschließlich Inhaltsstoffe enthalten, die auch für kosmetische Stoffe oder Kinderspielzeuge ohne Einschränkungen zugelassen sind.

Weitere Quellen (Keramik, Bleikristall)

  • Mögliche Bleibelastungen können auch durch bleilässige, ungenügend gebrannte Keramikgefäße und Bleikristallgefäße vor allem in Verbindung mit sauren Getränken entstehen.
  • Bleikristall: Für die auch heute noch erhältlichen Bleikristall-Gläser, -Karaffen und -Vasen usw. erlaubt die EU-Richtlinie 69/493/EWG mindestens 24% Blei (berechnet als Bleioxid, tatsächlich liegt Blei hier aber als Bleisilikat vor); für Hochbleikristall sind es 30% Bleioxid. Insbesondere saure Getränke (Fruchtsäfte, Weißwein) können daraus Bleiverbindungen herauslösen. Bleikristallglas sollte daher höchstens zum unmittelbaren Servieren von Getränken und nicht zu ihrer längerfristigen Aufbewahrung benutzt werden. Die Aufbewahrung von Trockenfrüchten, Pralinen usw. in Bleikristall-Schalen ist dagegen als weitgehend unproblematisch anzusehen.
  • Das Bundesinstitut für Risikobewertung hatte im Rahmen eines Forschungsprojektes höhere Mengen an Blei in Espresso gefunden. Die Siebträger-Espressomaschinen konnten beim Entkalkungsprozess Blei freisetzen. Daher sollten Espressomaschinen nach dem Entkalkungsprozess gut durchgespült werden, damit das Blei nicht in den Espresso gelangt. Folgeuntersuchungen z.B. durch die Stiftung Warentest gaben hier allerdings Entwarnung.
  • Als ungewöhnliche, exotische Bleiquelle hat sich im Rahmen einer umweltmedizinischen Kasuistik eine bleihaltige “Heilerde” aus Asien herausgestellt (Th. Rutt, Th. Lob, 2009).

Organische Bleiverbindungen

  • Die bekanntesten organischen Bleiverbindungen sind das Bleitetramethyl und das Bleitetraethyl, die früher Kraftstoffen zur Erhöhung der Klopffestigkeit zugesetzt wurden.
  • An Hauptverkehrsstrassen ist bleihaltiger Staub weiterhin eine relevante Belastungsquelle.

Blei: Aufnahme und Verteilung im Körper*

Anorganische Bleiverbindungen werden über den Magen-Darm-Trakt zu etwa 10 Prozent (Erwachsene) und zu etwa 50 Prozent (Kind) absorbiert. Bei Personen mit einem Eisen-, Kalzium-, Zink- und Phosphatmangel ist die Bleiresorption über den Magen-Darm-Trakt noch höher. Der wichtigste Speicherort im Körper ist das Skelett: etwa 90 Prozent der Körperlast eines Erwachsenen findet sich in den Knochen. Bei Kindern beträgt dieser Anteil nur etwa 60 Prozent.

Weitere Speicherorgane sind rote Blutkörperchen (Erythrozyten), Leber und Nieren. Bleiionen können die Blut-Hirn-Schranke passieren und auch in die Muttermilch übertreten. Darüber hinaus ist Blei plazentagängig und bewirkt eine Belastung auch des Föten. Die biologische Halbwertszeit beläuft sich im Blut auf etwa 20 – 30 Tage, im Knochen auf viele Jahre.

Blei wird über den Urin und über die Fäkalien ausgeschieden.

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Autor/innen: Dr. M. Otto | Prof. Dr. Stephan Böse-O'Reilly | Dr. T. Lob-Corzilius

Zuletzt aktualisiert: 11.06.2026

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